Rupert Gietl

24.05.2018

Josef Kiss – Tod eines Fliegerasses

Nur 22 Jahre wurde er alt und doch war er einer der bekanntesten Piloten des Ersten Weltkrieges.

Fliegerass Josef Kiss. Bild: Europeana/Wikimedia PD

Am Morgen des 24. Mai 1918 steigen drei Jagdflugzeuge der Fliegerkompagnie 55J vom Flugfeld Cirè bei Pergine auf und verschwinden am östlichen Horizont. Gegen Mittag kehren jedoch nur zwei von ihnen zurück.

Eines der bekanntesten Gesichter der k.u.k. Luftfahrttruppen bleibt verschwunden: Josef Kiss.

Ein kurzes Leben

Josef Kiss wird am 26. Jänner 1896 in Pressburg geboren. Sein Großvater Ernst Kiss war 1848 als aufständischer General in Ungarn erschossen worden, sein Vater arbeitete als Gärtner an der Pressburger Infanteriekadettenschule. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, ist er erst 18 Jahre alt und somit nicht wehrdienstpflichtig. Deshalb meldet sich Kiss freiwillig und rückt am 26. Oktober 1914 zum Infanterieregiment 73 ein, das in den Karpathen gegen die russische Armee kämpft. Kurze Zeit später wird er verwundet und sucht während seiner Genesung um die Zulassung zur Pilotenausbildung an.

Pilot zu werden ist in Österreich-Ungarn Offizieren vorbehalten, doch die schweren Kriegsverluste zwingen die Heeresleistung bald dazu, die Laufbahn auch Unteroffizieren zu öffnen. Damit ist der Weg für Stabsfeldwebel Kiss frei und er greift ab April 1916 als Mitglied der Fliegerkompagnie 24 in die Kämpfe über den Sieben Gemeinden ein.

Vom Gegner geachtet

Bis November 1917 fliegt er 112 Einsätze, erringt zwölf Luftsiege und verdient sich mehrere hohe Auszeichnungen. Es läßt seine Maschine, einen Albatros D.III, mit einem schwarzen “K” bemalen und gilt bei seinen Gegnern als ritterlicher Pilot, der u.a. kampfunfähig geschossene feindliche Flugzeuge verschont.

Im November 1917 wird er zur Fliegerkompagnie 55J versetzt, die den Namen Kaiserstaffel trägt. Hier dienen die k.u.k. Fliegerasse Josef von Maier, Julius Arigi und Georg Kenzian. An deren Seite erringt er noch einmal sieben Luftsiege.

Doch dann wird Josef Kiss bei einem Luftkampf am 28. Jänner 1918 über dem Suganertal verwundet und kommt nur knapp mit dem Leben davon.

Noch nicht vollkommen genesen steigt er am 24. Mai in seine Maschine und kehrt nicht zurück. Nur einen Monat zuvor war der berühmteste aller Piloten, der Rote Baron, Manfred von Richthofen, in Frankreich abgeschossen worden und verstorben.

Das letzte Gefecht

Die drei österreichischen Piloten geraten über den Bergen Bellunos in einen Kampf mit neun britischen Maschinen. Während sich seine Kameraden vom Feind lösen können, wird Kiss vom kanadischen Fliegerass Gerald Birks angeschossen und stürzt gegen 11 Uhr bei Lamon ab.

Zu diesem Zeitpunkt ist die k.u.k. Luftfahrttruppe den aliierten Gegnern längst schon hoffnungslos unterlegen. Weder kann Österreich-Ungarn genügend Maschinen (damals “Apparate” genannt) bauen, um die Ausfälle zu ersetzen, noch ausreichend Piloten ausbilden. 1917 betrug die Lebenserwartung eines Piloten gerade einmal vier Monate. 1918 standen an der Südwestfront ca. 200 österreichische Flugzeuge rund 6.500 aliierten Flugzeugen gegenüber.

In Anerkennung seiner Leistungen und seines vorbildlichen Verhaltens übergeben die Aliierten seinen Leichnam der k.u.k. Armee und er wird am 27. Mai auf dem Soldatenfriedhof von Pergine beerdigt. Kaiser Karl befördert ihn posthum zum Leutnant der Reserve.

Während der Beisetzung taucht eine britische Fliegerstaffel am Himmel auf und wirft einen Kranz mit der Aufschrift Our last salute to our courageous foe („Unser letzter Gruß unserem tapferen Gegner”) ab.

Josef Kiss wurde 22 Jahre alt. Er trug dreimal die Goldene, viermal die Silbene erster Klasse, zweimal die Silberne zweiter Klasse und die Bornzene Tapferkeitsmedaille.

In Pergine war er mit einer jungen Einheimischen, Enrica Bonecker, verlobt. Sie war untröstlich über seinen Tod und heiratete später nicht mehr. Es wird erzählt, sie haben bis 1970 jeden Tag frische Blumen an sein Grab gebracht. In diesem Jahr wurden die sterblichen Überreste von Josef Kiss nach Rovereto überführt und kurz darauf, 52 Jahre nach Josef Kiss, starb auch seine Verlobte.

Nun jährt sich der Tod von Josef Kiss zum 100. Mal. Sein Andenken ist in der lokalen Erinnerung von Pergine bis heute erhalten geblieben.


Lesen Sie außerdem zum Thema 1. Weltkrieg:



Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Möchtest du die neuesten Meldungen auch auf Facebook erhalten?

Hier
klicken

Kommentare sind geschlossen

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite