von mmh 29.07.2026 17:42 Uhr

„Historische Neubewertung nötig“: AHBT stellt Karlspreise infrage

Der Andreas-Hofer-Bund für Tirol (AHBT) fordert eine offizielle Überprüfung zweier Verleihungen des Internationalen Karlspreises. Konkret geht es um die Auszeichnung des britischen Premierministers Winston Churchill aus dem Jahr 1955 sowie um jene des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten und Außenministers Alcide De Gasperi.

(Bild: Andreas-Hofer-Bund für Tirol)

AHBT-Obmann Luis Wechselberger erklärt, die damaligen Entscheidungen müssten aus heutiger Sicht aufgrund neuer historischer Erkenntnisse kritisch bewertet werden. Churchill war 1955 mit dem Karlspreis als „Hüter menschlicher Freiheit“ und „Mahner der europäischen Jugend“ ausgezeichnet worden.

Kritik an Würdigung Churchills

Der Andreas-Hofer-Bund betont, dass die historische Rolle Churchills im Kampf gegen den Nationalsozialismus nicht infrage gestellt werde. Gleichzeitig müssten Persönlichkeiten mit einer derart bedeutenden Ehrung umfassend betrachtet werden.

Der AHBT verweist unter anderem auf die britische Kolonialpolitik, die Hungerkatastrophe in Bengalen 1943, die alliierten Flächenbombardierungen deutscher Städte mit zahlreichen zivilen Opfern sowie politische Entscheidungen der Nachkriegszeit, die unter anderem mit der Teilung Deutschlands, Vertreibungen deutscher Bevölkerungsgruppen und Auswirkungen auf Regionen wie Südtirol verbunden gewesen seien.

Der Bund fordert deshalb ein offizielles Prüfverfahren mit dem Ziel, eine mögliche Aberkennung des Karlspreises für Churchill zu untersuchen.

Auch De Gasperi im Fokus

Parallel dazu richtet der AHBT Kritik an der Karlspreis-Verleihung an Alcide De Gasperi. Aus Tiroler Sicht müsse auch diese Auszeichnung einer historischen, politischen und juristischen Neubewertung unterzogen werden.

Wechselberger verweist dabei insbesondere auf De Gasperis Verantwortung im Zusammenhang mit der Nachkriegspolitik gegenüber Südtirol, der fortgesetzten Italianisierung sowie der damaligen Behandlung von Forderungen nach Selbstbestimmung und Autonomie.

„Ehrungen müssen überprüfbar bleiben“

Der Andreas-Hofer-Bund stellt klar, dass es nicht darum gehe, Geschichte umzuschreiben. Vielmehr müssten Ehrungen mit hoher moralischer Bedeutung regelmäßig im Licht neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse betrachtet werden.

„Gerade Europa lebt von einer ehrlichen Erinnerungskultur. Versöhnung setzt Wahrheit voraus“, erklärt Wechselberger. Historische Persönlichkeiten dürften nicht nur aufgrund einzelner Aspekte betrachtet werden, sondern müssten in ihrer Gesamtheit bewertet werden.

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