„Land ohne Richtung“: Deutliche Worte bei Bundesversammlung der Schützen

Scharfe Kritik an Politik und Autonomiereform
Am 18. April versammelte sich der Südtiroler Schützenbund im Waltherhaus in Bozen zu seiner 61. Ordentlichen Bundesversammlung. Landeskommandant Christoph Schmid zeichnete in seiner Grundsatzrede ein kritisches Bild der aktuellen Lage in Südtirol. Das Land wirke zunehmend führungs- und orientierungslos, es fehle an Haltung, Richtung und politischem Mut.
Besonders kritisch äußerte sich Schmid zur laufenden Diskussion rund um die Autonomiereform. Für eine Minderheit sei nichts „bloß technisch“, wenn dadurch Errungenschaften verwässert oder Schutzmechanismen infrage gestellt würden. Ein Land dürfe nicht dauerhaft verwaltet statt gestaltet werden.
Auch im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen fand Schmid klare Worte. Es sei bezeichnend, dass der Schützenbund selbst darauf hinweisen musste, dass Südtirol international häufig nur mit „Anterselva“ statt mit Antholz dargestellt werde. Sprache, Herkunft und Identität dürften nicht dem internationalen Marketing untergeordnet werden. Zudem kritisierte er, dass Südtirol politisch zu oft nach Rom und zu wenig nach Wien blicke. Österreich sei Teil von Geschichte, Rechtsgrundlage und Selbstverständnis des Landes.
Rückblick auf intensives Jahr und Ehrungen
Bundesgeschäftsführer Egon Zemmer zog eine kämpferische Bilanz des vergangenen Vereinsjahres. Der Schützenbund habe bei rund 50 Stellungnahmen klar Position zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen bezogen. Dabei warnte er vor einer schleichenden Verdrängung von Sprache und Identität sowie vor einer Aufweichung zentraler Autonomieprinzipien.
Zu den Höhepunkten zählten unter anderem Gedenkveranstaltungen wie die Andreas-Hofer-Gedenkfeiern in Mantua und Meran, das Kerschbaumer-Gedenken, die Veranstaltung „An der Front – 10 Jahre Gedenkkreuze“ sowie die Teilnahme an der Schützenwallfahrt in Absam und am Großen Zapfenstreich zum Nationalfeiertag. Diese Ereignisse seien Ausdruck gelebter Identität und gemeinschaftlicher Verbundenheit.
Auch das Thema Olympia und Tirol-Bewusstsein nahm breiten Raum ein. Der Schützenbund kritisierte die Sichtbarkeit Tirols bei den Spielen und setzte mit eigenen Aktionen Zeichen. „Tirol ist keine Randnotiz – Tirol ist unsere Identität“, lautete die klare Botschaft. In diesem Zusammenhang wurde auch die Aktion „Grüß Gott in Tirol“ sowie der Rekurs rund um die TIROL-Aufschrift verteidigt.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Zukunft des Ehrenamtes. Der Schützenbund forderte verlässliche rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen. Ohne diese Voraussetzungen sei das Ehrenamt langfristig gefährdet.
Im Rahmen der Versammlung berichteten zudem mehrere Referenten über ihre Tätigkeiten, darunter Jugendreferent Kuno Huber, Bundesmarketenderin Stephanie Mulser und weitere Funktionäre.
Grußworte überbrachten unter anderem Vertreter befreundeter Organisationen sowie politische Persönlichkeiten, die den Einsatz des Schützenbundes für Heimat, Brauchtum und Gemeinschaft würdigten.
Ein besonderer Höhepunkt war die Ernennung von Efrem Oberlechner, Robert Ventir und Franzjosef Roner zu Ehrenmajore. Damit wurden drei Persönlichkeiten ausgezeichnet, die das Schützenwesen über Jahrzehnte hinweg geprägt haben.
Bereits der Auftakt der Veranstaltung war feierlich: Im Bozner Dom wurde ein Gottesdienst gefeiert, anschließend ein Kranz am Peter-Mayr-Denkmal niedergelegt.
Mit der Bundesversammlung setzte der Südtiroler Schützenbund ein klares Zeichen: Die Zukunft des Landes müsse aktiv gestaltet und die eigene Identität entschlossen verteidigt werden.
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