von mag 07.12.2018 08:07 Uhr

Hilfe aus dem Vaterland – die Union für Südtirol

Der „Bergisel-Bund“, der „Notring für Südtirol“, der „Bund der Tiroler“ in Wien, der „Verband der Südtiroler“, der „Freundeskreis Südtirol“ und der „Bund für Südtirol“ gründeten am 19. März 1966 in Wien die Arbeitsgemeinschaft „Union für Südtirol“. Die Union für Südtirol verlangte von der Regierung die Wiedereinrichtung eines Staatssekretariats für Südtirol, eine neuerliche Befassung der UNO mit der Südtirol-Frage und die Schaffung eines Südtirol-Fonds aus den Mitteln des Bundes und der Länder.

Der Journalist Walter Raming war jahrelang Vorsitzender dieser geheim wirkenden Vereinigung. Im Alter von 86 Jahren verstarb Raming am 5. Oktober 2018 in Wien. Der Verantwortliche der Union für Südtirol hatte gute Kontakte zu mehreren führenden BAS-Aktivisten sowie ranghohen Spitzenpolitikern. Kurz vor seinem Tod hat Walter Raming dem Südtiroler Schützenbund äußerst interessante, zum Teil auch als „streng vertraulich“ gekennzeichnete Dokumente aus dem österreichischen Staatsarchiv zukommen lassen. Zudem gab Walter Raming der Tiroler Schützenzeitung ein ausführliches Interview, welches nun – durch Genehmigung der Schriftleitung der TSZ – auch UT24 auszugsweise veröffentlicht.

Journalist Walter Raming

TSZ: Herr Raming, Sie waren ein enger Mitarbeiter des ehemaligen Tiroler Landesrates Aloys Oberhammer, von Landeshauptmann Eduard Wallnöfer und von Bundeskanzler Alfons Gorbach; allesamt Persönlichkeiten, die in den 60iger Jahren wesentlich in die Südtirol-Politik miteingebunden waren. Welche konkreten Funktionen hatten Sie bei diesen hochrangigen Politikern?

 

Raming: Als Sekretär des Dr. Karl Kummer Instituts (Institut für Sozialpolitik und Sozialreform) nahm ich Einfluss auf die Politik dieser Persönlichkeiten und hatte regelmäßigen Kontakt zu ihnen. 1961 holte mich Oberhammer als Chefredakteur der Tiroler Nachrichten nach Innsbruck. Diese Aufgabe erfüllt ich bis 1964, dann holten mich Bundeskanzler Klaus und Generalsekretär Withalm zurück nach Wien und ich übernahm die Chefredaktion des Volksblattes (Zentralorgan der ÖVP) und der Monatshefte. Ich war Mitglied der Tiroler Landesparteileitung der ÖVP und in alle Entscheidungen, auch hinsichtlich Südtirol voll eingebunden. Noch mehr: Die Tiroler Nachrichten waren eine Speerspitze der Südtirol-Politik. Der Tiroler Landeshauptmann Wallnöfer beauftragte mich 1964 mit den Worten „Das muascht mir machen” mit der Funktion des Obmannes der Union für Südtirol.

Die Union für Südtirol wirkte geheim. Wie kann man sich das vorstellen?

 

Ja, das stimmt. Die Union für Südtirol war eine Vereinigung, über die nur einige wenige Bescheid wussten. Ich vermied es z.B. als Obmann der Union für Südtirol in der Öffentlichkeit als solcher bekannt zu werden. So konnte wirksam an der Umsetzung der Ziele gearbeitet werden.

Was waren die Ziele?

 

Die Bewahrung des Selbstbestimmungsrechtes der Südtiroler, die Unterstützung des BAS, die Förderung aller Maßnahmen, die der Bewahrung des Selbstbestimmungsrechtes dienten. Die Union für Südtirol betrachtete die Abtretung Südtirols von Österreich 1919 als die Folge eines Verrates.

Wie bewerten Sie aus heutiger Sicht den Einsatz der genannten Politiker für diese Anliegen?

 

Aloys Oberhammer war Parteiobmann, zuständiger Landesrat für Südtirol und Obmann des Befreiungsausschusses für Südtirol (BAS). Er und Wallnöfer als Landesrat und später Landeshauptmann, haben ehrlichen Herzens und erfolgreich für Südtirol gewirkt. Anders beurteile ich die Rolle von Bundeskanzler Gorbach: Ich habe den Eindruck, dass ihm die Anliegen der NATO und der Italiener wichtiger waren als jene Südtirols. Die NATO nahm schon damals eine bestimmende Rolle in der Europapolitik ein. Gorbach fühlte sich dieser Politik verpflichtet, ob aus staatspolitischer Raison oder anderen Gründen kann und mag ich nicht beurteilen.

Waren auch Sie über Aktionen des BAS eingeweiht?

 

Durch meine Funktionen kam es zu zahlreichen vertraulichen Kontakten zu Südtiroler Freiheitskämpfern. U.a zu Helmuth Kritzinger, der dem BAS in Sterzing angehörte und nach seiner Flucht mein Mitarbeiter bei den Tiroler Nachrichten wurde.

Wie beurteilen Sie heute – fast 60 Jahre später - die Aktionen des BAS? Waren die Anschläge Ihrer Meinung nach von Nutzen für die politische Entwicklung des Landes?

 

Ohne Befreiungskampf hätte es keine Autonomie gegeben!

Am 13. Dezember 1967 kam es in Innsbruck zu einem großen Südtirol-Gipfel. Bereits am Vortag schickten Sie Telegramme an die Konferenzteilnehmer welches auch über den Rundfunk ausgestrahlt wurde und ein großes Pressecho fand. Was wollten Sie dadurch erreichen?

 

Das Telegramm im Wortlaut: „Die Union für Südtirol als Sammlung der österreichischen Südtirolverbände wendet sich in dringender Form an die Teilnehmer der in Innsbruck tagenden Südtirolkonferenz: Gebt keine Lebensrechte der Südtiroler preis! Sorgt für unmissverständliche Formulierung eines akkordierten ‘Paketes’! Verzichtet keinesfalls auf wirksame internationale Verankerung! Versperrt nicht den Weg zu den internationalen Gremien UNO und Europarat! Bewahrt das Selbstbestimmungsrecht der Südtiroler! Die Republik möge sich als Schutzmacht Südtirols bewahren! Für den Exekutivausschuß der UNION für SÜDTIROL, Raming, Vorsitzender“

Das Telegramm war von der Befürchtung getragen, dass die Süd-Tirol-Interessen von Toncic und Klaus verraten werden könnten. Deshalb haben die in der Union für Südtirol zusammengefassten Verbände nochmals eindringlich auf klare Forderungen verwiesen.

Wussten Sie etwa bereits vorher Bescheid, was Außenminister Toncic beim Gipfel präsentieren würde?

 

Nein, auch mir waren die genauen Inhalte der Londoner Vereinbarung von Toncic im Vorhinein nicht bekannt. Ich befürchtete aber aus der Vorgeschichte, dass diese Vereinbarung den Interessen der Südtiroler widersprechen wird. Die Toncic-Vereinbarung wurde vom Gipfel am 13. Dezember 1967 dann auch verworfen. LH Wallnöfer rettete die Situation durch Einsetzung eines Ausschusses, der im Nachhinein am 29. Dezember 1967 die Toncic-Vereinbarung ablehnte.

Welches waren die herausragendsten bzw. entscheidendsten Persönlichkeiten der 60er Jahre im politischen Ringen um Südtirol?

 

Aloys Oberhammer, Eduard Wallnöfer, die Freiheitskämpfer und ihre Sympathisanten, auf Bundesebene Bruno Kreisky. Richtig und beispielgebend war der Einsatz der Südtiroler, des BAS, der Bundesländer Tirol und Oberösterreich, enttäuschend war die Rücksichtnahme der Bundesregierung auf internationale Interessen.

Inzwischen sind Jahrzehnte vergangen. Trotzdem sehen gar einige Südtiroler die Autonomie immer noch als Zwischenlösung, wollen mehr und pochen nach wie vor auf eine Selbstbestimmung des Landes. Haben Sie dafür Verständnis?

 

Natürlich habe ich dafür absolutes Verständnis! Den Tiroler Schützen kommt dabei als Symbol der Einheit Tirols und als Brückenbauer eine besondere Aufgabe zu.

Das ausführliche Interview mit vielen weiteren interessanten Aussagen von Walter Raming wurde in der Dezemberausgabe der Tiroler Schützenzeitung veröffentlicht. Hier geht´s zum Print-Abo: Abo.

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