Cyberangriffe nehmen zu: Neuer Schutzschild für Südtirols Kanzleien

Im Mittelpunkt steht der Schutz sensibler Mandantendaten. Kanzleien verfügen über große Mengen an Finanz-, Steuer- und Unternehmensdaten und sind damit ein attraktives Ziel für Cyberkriminelle.
Zahl der Angriffe steigt
Wie ernst die Lage ist, zeigen laut Berufskammer die Zahlen des Clusit Report 2026. Demnach nahm die Zahl schwerwiegender Cybervorfälle weltweit im Jahr 2025 um 48,7 Prozent zu. Italien verzeichnete dabei europaweit die höchste Zahl erlittener Cyberangriffe und war für 9,6 Prozent der weltweit registrierten schweren Angriffe verantwortlich.
Besonders betroffen waren freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen. Dort stiegen die Cybercrime-Angriffe laut Bericht deutlich an. Zu den Gefahren zählen unter anderem Betrugsversuche und sogenannte Ransomware-Attacken, bei denen Daten verschlüsselt und anschließend Lösegeld für deren Freigabe gefordert wird.
„Cybersicherheit darf daher nicht länger als nachrangiger Aspekt betrachtet werden“, betont Kammerpräsidentin Anna Paola De Angelis. Der Schutz der Daten müsse vielmehr ein fester Bestandteil der Organisation und der beruflichen Verantwortung einer Kanzlei sein.
Angriff legte 15 Kanzleien lahm
Wie gravierend die Folgen eines solchen Angriffs sein können, zeigte sich im vergangenen April in Trient. Dort wurden die Datenbanken von mindestens 15 Kanzleien in Rovereto, Tione, Campiglio und dem Etschtal durch einen groß angelegten Cyberangriff lahmgelegt beziehungsweise erheblich beeinträchtigt.
Mehr als 3.000 Mandanten konnten zeitweise nicht mehr auf ihre Archive zugreifen. Auch Dokumente, Buchhaltungsunterlagen und Steuerakten waren nicht verfügbar. Die dortige Berufskammer konnte gemeinsam mit der italienischen Steuerbehörde eine Verlängerung von Steuerfristen erreichen und damit die Auswirkungen des Angriffs zumindest begrenzen.
Zusammenarbeit mit Behörden
Auch in Südtirol sind den zuständigen Behörden laut Berufskammer bereits erste, bislang vereinzelte Meldungen über versuchte Cyberbetrugsfälle bekannt geworden. Die Kammer arbeitet deshalb nach eigenen Angaben eng mit der Postpolizei, der Finanzpolizei, der Polizeidirektion und der Staatsanwaltschaft Bozen zusammen.
Zudem wurde ein eigener Kommunikations- und Monitoringkanal eingerichtet. Ein besonderes Augenmerk gilt auch verspäteten Software-Updates, die laut Kammer Schwachstellen in IT-Systemen darstellen können.
„Roter Notfallknopf“ für Kanzleien
Künftig sollen die Berufsträger auch bei der Auswahl konkreter Schutzmaßnahmen unterstützt werden. Geplant sind Rahmenvereinbarungen mit spezialisierten Unternehmen für Cybersicherheit und IT-Krisenmanagement. Diese sollen im Fall eines sogenannten Data Breach schnell eingreifen können.
Darüber hinaus arbeitet die Kammer an Vereinbarungen mit Versicherungsgesellschaften. Ziel sind Cyber-Risk-Versicherungen zu besonderen Konditionen, die sowohl das Vermögen der Kanzlei als auch mögliche wirtschaftliche und reputationsbezogene Folgen eines Datenverlustes oder einer Verletzung von Mandantendaten absichern sollen.
Damit will die Kammer einen digitalen „Schutzschild“ aufbauen, der nicht erst nach einem Angriff greift, sondern bereits bei der Prävention ansetzt.






