von ih 05.08.2026 11:42 Uhr

Rätsel um Fossilienfund im Bletterbach gelöst

Ein rätselhafter Knochenfund aus der Bletterbachschlucht in Aldein konnte nach jahrelanger Forschung nun einem urzeitlichen Meeresreptil zugeordnet werden. Der Fund zählt weltweit zu den ältesten bekannten Nachweisen dieser Tiergruppe und liefert neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Lebens nach dem größten Massenaussterben der Erdgeschichte.

Das Geheimnis um den Wirbelknochen aus dem Bletterbach ist gelöst: Der Knochen gehört zu zu den Vertretern der gepanzerten Meeresreptilien, zu denen auch die langhalsigen Plesiosaurier zählen- Foto: GEOPARC Bletterbach/Peter Daldos.

Vor rund 252 Millionen Jahren löschte das Perm-Trias-Massenaussterben etwa 95 Prozent aller Meeresarten und rund drei Viertel der Landtiere aus. Die Folgen dieser Umweltkatastrophe sind im UNESCO-Welterbe Bletterbach besonders gut dokumentiert. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Südtiroler Paläontologin Evelyn Kustatscher, Leiterin der Naturwissenschaftlichen Sammlung der Tiroler Landesmuseen in Innsbruck, hat nun Fossilien aus der Schlucht untersucht, um die Entwicklung mariner Wirbeltiere vor und nach dem Massenaussterben besser zu verstehen.

Im Mittelpunkt der Studie stand ein Wirbelknochen, der bereits 2010 in den Werfener Schichten der Bletterbachschlucht entdeckt worden war. Lange ließ sich der Fund wissenschaftlich nicht eindeutig einordnen. Nun steht fest: Der Knochen stammt von einem gepanzerten Meeresreptil. Nach bisherigen Erkenntnissen lebten diese Tiere vor etwa 248 bis 242 Millionen Jahren in den flachen Meeren der Trias.

Der Fund aus dem Bletterbach ist jedoch deutlich älter und gilt als erster Nachweis dieser Tiergruppe aus der Untertrias der Dolomiten. Weltweit zählt er zu den ältesten bekannten Fossilien dieser Meeresreptilien. Die Entdeckung könnte darauf hindeuten, dass diese Tiere ihren Ursprung in Europa hatten und möglicherweise bereits vor dem Massenaussterben entstanden sind. Ob sich diese Hypothese bestätigt, müssen weitere Fossilien zeigen.

Neben dem Wirbelknochen untersuchten die Wissenschaftler auch eine fossile Kauplatte aus den rund fünf Millionen Jahre älteren Bellerophon-Schichten. Sie belegt, dass ein Fisch der Gattung Bobasatrania noch unmittelbar vor dem Massenaussterben im damaligen Meer der Dolomiten lebte. Da Fossilien derselben Gattung auch aus jüngeren Gesteinsschichten bekannt sind, gilt sie als eine der Tiergruppen, die die globale Katastrophe überstanden.

Besonders spannend: Die Kauplatte unterscheidet sich deutlich von bisher bekannten Exemplaren. Nach Einschätzung der Forschenden könnte sie sogar zu einer bislang unbekannten Art gehören. Dafür seien allerdings weitere Funde notwendig.

Die Ergebnisse der internationalen Studie wurden im Fachjournal Journal of Vertebrate Paleontology veröffentlicht. Sie liefern neue Einblicke in die Entwicklung der Meereswirbeltiere vor und nach dem größten Massenaussterben der Erdgeschichte und unterstreichen einmal mehr die wissenschaftliche Bedeutung des Geoparc Bletterbach.

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