von ih 05.08.2026 12:10 Uhr

Über 2.600 Kitze vor dem Mähtod bewahrt

Wenn in Südtirol im Mai und Juni die ersten Mähmaschinen über die Wiesen rollen, beginnt für Hunderte Freiwillige der Arbeitstag schon lange vor Sonnenaufgang. Jäger, Jagdaufseher, Landwirte und weitere Helfer durchsuchen die Wiesen nach Rehkitzen und Junghasen, um sie rechtzeitig vor dem Mähen in Sicherheit zu bringen.

Foto: Franziska Raffl Steiner

Vor allem Rehgeißen legen ihren Nachwuchs im hohen Gras ab, während sie auf Nahrungssuche sind. Die Jungtiere verlassen sich auf ihren natürlichen Schutzinstinkt und bleiben regungslos liegen. Gegen Fressfeinde ist diese Strategie erfolgreich – gegenüber Mähmaschinen jedoch wird sie zur tödlichen Falle.

Wie wichtig die Kitzrettung mittlerweile geworden ist, zeigen die Zahlen der diesjährigen Saison. Insgesamt konnten 2.634 Kitze gerettet werden – mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig wurden 322 vermähte Kitze gemeldet.

„Das ehrenamtliche Engagement der an die 1.000 Kitzretter des Landes ist ein wichtiger Beitrag zur Vermeidung von Tierleid“, betont Benedikt Terzer, Geschäftsführer des Südtiroler Jagdverbandes.

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg haben moderne Wärmebilddrohnen. Bereits 110 der insgesamt 113 Südtiroler Jagdreviere setzen diese Technik ein. „Die Wärmebilddrohnen verbessern die Kitzrettung enorm“, erklärt Landesjägermeister Günther Rabensteiner. Landesweit sind derzeit rund 80 Drohnen im Einsatz. Da die Anschaffungskosten hoch sind, unterstützen sich die Reviere gegenseitig mit der Technik.

Finanzielle Hilfe kommt seit 2025 auch von der Stiftung Südtiroler Sparkasse. Sie hat bislang den Ankauf von Drohnen in 44 Jagdrevieren unterstützt und damit den weiteren Ausbau der Kitzrettung ermöglicht.

Um das Engagement der zahlreichen Freiwilligen auch ideell zu stärken, wurde im vergangenen Jahr unter der Schirmherrschaft der Autonomen Provinz Südtirol das Netzwerk Kitzrettung gegründet. Dem Zusammenschluss gehören 15 Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Jagd sowie Natur- und Tierschutz an. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zu fördern und den Einsatz der vielen Ehrenamtlichen sichtbar zu machen.

Insgesamt engagierten sich in der Kitzrettungssaison 2026 landesweit 1.073 Freiwillige. Sie leisteten rund 15.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit – davon etwa 9.000 Stunden mit Wärmebilddrohnen. Damit zählt die Kitzrettung inzwischen zu den größten gemeinschaftlichen Tierschutzaktionen in Südtirol.

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