von mmh 08.07.2026 10:11 Uhr

Ärzte-Kritik an neuem Patientenprogramm

Im Südtiroler Sanitätsbetrieb sorgt die geplante Einführung eines neuen Patientenverarbeitungsprogramms für Kritik. Die Süd-Tiroler Freiheit (STF) kündigt eine Landtagsanfrage an, um die Hintergründe der Beschaffung und Einführung des Systems „NGH“ zu klären.

Dr. Andreas Tutzer, Arzt und Hauptausschussmitglied der Süd-Tiroler Freiheit.

Das Programm wird laut STF derzeit unter anderem am Krankenhaus Bozen eingesetzt und soll künftig in allen Krankenhäusern das bisher verwendete System „IKIS“ ersetzen.

Gesundheitspersonal kritisiert neue Software

Aus den Reihen des Gesundheitspersonals komme laut Süd-Tiroler Freiheit deutlicher Widerstand gegen das neue System. Kritisiert werden vor allem die Bedienung und die Auswirkungen auf den Arbeitsalltag.

Nach Angaben der STF sei das Programm unübersichtlich, verursache zusätzliche Arbeitsschritte und führe durch zahlreiche Klicks sowie lange Ladezeiten zu einem höheren Zeitaufwand. Wichtige Informationen würden in der Benutzeroberfläche in den Hintergrund rücken. Mehrere Anwender würden berichten, dass sich der Aufwand pro Patient verdopple und das derzeitige Patientenaufkommen dadurch nicht mehr bewältigt werden könne.

Zudem werde kritisiert, dass das Programm nach Angaben mehrerer Nutzer nicht vollständig zweisprachig umgesetzt sei.

Der Sanitätsbetrieb begründet die Ablösung von IKIS laut STF mit nicht mehr ausreichenden Datenschutzanforderungen des bisherigen Systems. Diese Darstellung werde jedoch bestritten. Nach Angaben des Chefentwicklers von IKIS sei dieser Vorwurf inzwischen widerlegt worden.

STF fordert Aufklärung im Landtag

Die Unzufriedenheit innerhalb der Belegschaft habe laut Süd-Tiroler Freiheit mittlerweile ein erhebliches Ausmaß erreicht. Aus einzelnen Abteilungen sei von möglichen Boykottüberlegungen die Rede. Zudem sollen mehrere leitende Mitarbeiter angekündigt haben, ihre Funktionen niederzulegen, sollte das neue System verpflichtend eingeführt werden. Auch ein offener Brief an Landesrat Hubert Messner befinde sich nach Angaben aus dem Umfeld der Betroffenen in Vorbereitung.

„Es stellt sich unweigerlich die Frage, warum der Sanitätsbetrieb eine Software ankauft, die den Anforderungen des medizinischen Alltags offensichtlich nicht gerecht wird“, erklärt Dr. Andreas Tutzer, freiberuflicher Arzt in Südtirol und Mitglied des Hauptausschusses der Süd-Tiroler Freiheit.

Tutzer kenne sowohl IKIS als auch NGH aus seiner früheren Tätigkeit im öffentlichen Sanitätsbetrieb. Die unzureichende Digitalisierung sei für ihn einer der Gründe gewesen, den öffentlichen Gesundheitsdienst zu verlassen.

Landtagsanfrage soll Hintergründe des Projekts klären

Laut Tutzer gebe es zahlreiche Programme, die benutzerfreundlicher und besser für den medizinischen Alltag geeignet seien. NGH erwecke aus seiner Sicht den Eindruck, stärker für Verwaltungsabläufe als für die tägliche Arbeit von Ärzten und Pflegepersonal entwickelt worden zu sein.

Die Süd-Tiroler Freiheit kritisiert zudem, dass trotz der Ablehnung aus Teilen der Belegschaft an der Einführung des Systems festgehalten werde.

Mit der angekündigten Landtagsanfrage sollen unter anderem die Entscheidungsprozesse, die Auswahlkriterien und die Einbindung der betroffenen Berufsgruppen untersucht werden. Die Partei verweist dabei auch auf Erfahrungen aus einem früheren Softwareprojekt, bei dem mögliche Verbindungen zwischen einem Lizenzinhaber und Verwaltungsmitarbeitern öffentlich diskutiert worden seien.

Die Landtagsanfrage soll laut STF für mehr Transparenz sorgen und eine Neubewertung der Einführung des Systems anstoßen.

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