Schluss mit Mimimi: Sie lachen über ihre Kritiker

Dass es auch ohne Anwalt und stattdessen mit einer gehörigen Portion Humor geht, beweist nun die Süd-Tiroler Freiheit mit einem viel beachteten Video. In bester Manier des humorvollen Vorlesens von Netzkritik setzen sich Sven Knoll und Hannes Rabensteiner vor die Kamera und konfrontieren sich selbst mit dem, was über sie im Netz verbreitet wird. Statt Klagedrohungen gab es vor laufender Kamera Tränen vor Lachen – selbst als Rabensteiner optisch mit dem syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa verglichen wurde. Ein erfrischender Gegenentwurf zur grassierenden Verbissenheit in der Politik.
Â
UT24 hat bei Hannes Rabensteiner nachgefragt, wo für ihn der Spaß aufhört.
Herr Rabensteiner, Hand aufs Herz: Wie oft wurden Sie im Alltag schon auf eine optische Ähnlichkeit mit dem syrischen Präsidenten angesprochen, oder brauchte es erst den Kommentar eines anonymen Nutzers im Netz, um Ihnen die Augen zu öffnen?
Ehrlich gesagt, hat sich schon davor manchmal der eine oder der andere mit dem Vergleich einen Spaß daraus gemacht. Man muss nicht alles persönlich nehmen – manchmal sind die Kommentare einfach so absurd, dass man darüber lachen kann. Natürlich muss man das auch lernen und ich kann mir vorstellen, Menschen mit einem großen Ego haben hier ein Problem. Aber dennoch muss ich sagen, öfter wurde ich mit Andreas Hofer verglichen, der ja auch einen schwarzen Bart hatte, für die Heimat kämpfte und Schütze war. Ehrlich gesagt, ist mir dieser Vergleich lieber.
Während andere Politiker – wie zuletzt Landesrätin Rosmarie Pamer nach den heftigen Debatten um die Flüchtlingspolitik oder Kollegen im Ausland – bei drastischen Kommentaren empört reagieren und mit Konsequenzen drohen, lachen Sie und Sven Knoll die Sache einfach weg. Warum haben Sie sich für Humor statt für den Rechtsweg entschieden?
Weil Politik kein Glashaus sein darf. Wer sich in die Öffentlichkeit begibt, muss auch mit Kritik, Spott und manchmal sogar mit ungerechtfertigten Kommentaren umgehen können. Natürlich gibt es Grenzen, aber nicht jeder überspitzte oder unfaire Kommentar rechtfertigt gleich eine Anzeige. Wir wollten zeigen, dass man über sich selbst lachen kann. Ein gesundes Maß an Selbstironie schadet keinem Politiker. Im Gegenteil: Es bringt die Politik wieder näher zu den Menschen und zeigt auf, dass hinter jedem Politiker auch ein ganz normaler Mensch steckt.
Das Format, bei dem Politiker Spott und Häme gegen sich selbst öffentlich vorlesen, kennt man eher aus dem US-Fernsehen. Wie waren die Reaktionen der Südtiroler auf Ihr Video? Gab es danach eher Zuspruch oder nur noch mehr skurrile Kommentare?
Die Reaktionen waren überwiegend sehr positiv. Viele Bürger haben uns geschrieben, dass sie es erfrischend finden, Politiker einmal nicht verbissen, sondern menschlich zu erleben und sie mit uns mit gelacht haben. Natürlich gab es danach auch neue und noch kreativere Kommentare – aber genau das gehört dazu. Wenn man ein solches Format macht, darf man sich nicht wundern, wenn die Menschen mitmachen. Das war auch Teil der Idee.
Im Netz geht es oft rau zu. Wo verläuft für Sie persönlich die rote Linie, an der aus einem lustigen oder absurden Kommentar eine Grenze überschritten wird, bei der auch Sie keinen Spaß mehr verstehen und juristische Schritte einleiten würden?
Kritik, Satire und sogar überspitzte Angriffe auf meine Person halte ich grundsätzlich aus. Das musste ich jedoch in diesem Ausmaß auch erst in meiner neuen Funktion als Landtagsabgeordneter lernen. Die rote Linie ist dort erreicht, wo Menschen bedroht, verleumdet oder ihre Familien hineingezogen werden. Wer bewusst Unwahrheiten verbreitet oder andere einschüchtern will, überschreitet eine Grenze. Auch ich habe zwei Morddrohungen zugeschickt bekommen. Das hat dann nichts mehr mit Meinungsfreiheit oder Humor zu tun. Aber zwischen einem geschmacklosen Witz und einer echten strafrechtlichen Verfehlung liegt ein großer Unterschied.
Viele Bürger haben das Gefühl, dass die Politik zunehmend dünnhäutig, abgehoben und unnahbar wirkt. Glauben Sie, dass der politische Diskurs wieder gesünder werden würde, wenn mehr Kollegen „die Kirche im Dorf lassen“ und sich selbst nicht ganz so ernst nehmen würden?
Davon bin ich überzeugt. Politiker sind keine unantastbaren Persönlichkeiten, sondern Menschen wie alle anderen auch, mit Fehlern, Ecken und Kanten. Entscheidend ist natürlich, wie man selbst dazu steht. Wer über sich selbst lachen kann, wirkt nahbarer und glaubwürdiger. Das bedeutet nicht, dass man alles tolerieren muss. Aber ein bisschen Gelassenheit würde dem politischen Klima sicherlich guttun. Die Bürger erwarten von uns Lösungen für die Probleme des Landes und keine Empörung über jeden unfreundlichen Kommentar auf den Sozialen Medien. Wenn wir wieder mehr schmunzeln können, aber ernst gemeinte Kommentare, Äußerungen und Meinungen aus der Bevölkerung auch ernst nehmen und Beachtung schenken, wäre schon viel gewonnen. Ich muss sagen, mir ist eine ehrliche gemeinte und konstruktive Kritik lieber als ein falsches Lob. Dadurch kann ich etwas dazu lernen und verstehe wie mich andere Menschen war nehmen. Lieber ist mir jedoch das persönliche Gespräch als ein Kommentar in den Sozialen Medien.






