von lif 07.06.2026 10:52 Uhr

Empfang überall, nur nicht zu Hause?

Elon Musks Satellitenfirma Starlink will den weltweiten Mobilfunkmarkt umkrempeln. Das Handy soll künftig überall Empfang haben und das, ganz ohne Funkmast, einfach über Satelliten im All.

APA/dpa

Die Technik dahinter nennt sich „Direct to Cell“, auf Deutsch „direkt zum Handy“. Statt sich mit einem Funkmast auf der Erde zu verbinden, kommuniziert das Handy direkt mit speziell ausgerüsteten Satelliten, die im Grunde wie Mobilfunkmasten im Weltall funktionieren. Der große Vorteil sei, dass es dafür kein spezielles Satellitentelefon braucht. Die Satelliten nutzen dieselben Frequenzen, auf denen herkömmliche Handys ohnehin senden.

Vom Versuch zum Massenprodukt

Was 2024 als Test mit reinen Textnachrichten begann, ist inzwischen zu einem ernstzunehmenden Dienst herangewachsen. Mit über 650 Satelliten ist Starlink mittlerweile der größte 4G-Anbieter der Welt; gemeinsam mit Partnern wie T-Mobile ist der Dienst in 22 Ländern verfügbar, und mehr als 400 Millionen Menschen haben Zugang zur Technologie. 2025 nutzten mehr als zwölf Millionen Kunden den Dienst.

Beim Mobile World Congress 2026 in Barcelona machte SpaceX seine Ambitionen offiziell: Die bisherige „Direct to Cell“-Technik wird künftig unter dem Namen „Starlink Mobile“ vermarktet. Aus einer technischen Spielerei soll ein Produkt werden, das die ganze Telekombranche aufrüttelt. Auch in Europa ist der Dienst angekommen: Die Deutsche Telekom hat sich verpflichtet, Starlink Mobile in zehn europäische Länder zu bringen.

Warum Musk an Hausdächern scheitern könnte

Trotz aller Euphorie gibt es eine entscheidende Hürde, die in der Physik liegt. Das Signal aus dem All ist deutlich schwächer als jenes eines nahen Funkmasts und braucht freie Sicht zum Himmel. In der Regel funktioniert der Dienst unter einem Dach nicht: Direct to Cell benötigt direkte Sichtverbindung zum Satelliten, und Dächer, dichte Baumkronen, Gebäude und andere Hindernisse schwächen die Verbindung stark ab oder blockieren sie ganz. Der Grund liegt in den verwendeten Frequenzen. Herkömmliche Mobilfunkmasten senden oft auf niedrigeren Frequenzen, die Wände und Fenster gut durchdringen. Starlink hingegen nutzt Frequenzen am oberen Rand des Spektrums, die sich mit dem Durchdringen von Hindernissen wie Beton, Ziegeln oder dichtem Laub deutlich schwerer tun. Mehr Sendeleistung hilft nur begrenzt: Eine dünne Ziegelwand schwächt das Signal um zehn bis 15 Dezibel, eine Betonwand um 20 bis 30 Dezibel oder mehr.

Realistisch ist der Dienst daher vor allem als Sicherheitsnetz für Gegenden ohne jeden Empfang zu verstehen. Wer seine Funklöcher vor allem in Innenräumen hat, dürfte enttäuscht werden; wer dagegen im Freien mit freier Sicht zum Himmel keinen Empfang hat, profitiert eher. Auch bei Tempo und Reaktionszeit gibt es Grenzen: Der weite Weg zum Satelliten erzeugt eine spürbare Verzögerung, die sich bei interaktiven Anwendungen bemerkbar macht.

Konkurrenz und nächste Generation

Musk ist nicht allein im Rennen. Die US-Konkurrenten AT&T und Verizon setzen auf einen anderen Satellitenanbieter, AST SpaceMobile, und hatten zwischenzeitlich sogar bei der US-Regulierungsbehörde FCC beantragt, Starlinks Pläne zu blockieren.

Die größten Sprünge sollen erst mit der nächsten Satellitengeneration kommen. Das System der Version 2 ist für Mitte 2027 angekündigt und soll die Leistung der Verbindung um das Zwanzigfache verbessern und damit aus einer Notlösung womöglich eine echte Datenverbindung machen. SpaceX peilt bis Ende 2026 mehr als 25 Millionen aktive Nutzer an. Ob das gelingt, hängt aber nicht nur von der Zahl der Satelliten ab, sondern auch davon, wie viele Funklöcher tatsächlich unter freiem Himmel liegen.

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