von ih 17.05.2026 06:43 Uhr

Italien: Auto fährt in Menschenmenge – 8 Verletzte

In der Altstadt der norditalienischen Stadt Modena ist am Samstag ein Auto in eine Gruppe von Fußgängern hineingefahren. Acht Menschen seien verletzt worden, davon vier schwer, zitierte die italienische Nachrichtenagentur Ansa den Bürgermeister der Stadt, Massimo Mezzetti. Zu den Verletzten zählen laut Medienangaben eine deutsche und eine polnische Touristin. Der Fahrer, ein 31-Jähriger italienischer Staatsbürger, sei festgenommen worden. Es bestehe keine weitere Gefahr.

Foto: Screenshot X

Das Auto sei nach dem Zusammenstoß mit den Menschen in ein Schaufenster gerast. Der Fahrer versuchte zu fliehen und verließ das Auto mit einem Messer in der Hand.

Mehrere Passanten verfolgten den Mann und konnten ihn daraufhin überwältigen. „Sie haben großen Mut gezeigt, ihnen gilt mein Dank“, sagte Mezzetti.

Fahrer stand nicht unter Drogen- oder Alkoholeinfluss

Bei dem Fahrer handelt es sich mutmaßlich um einen 31-jährigen italienischen Staatsbürger marokkanischer Herkunft, der in Modena lebt und arbeitslos ist. Medienberichten zufolge hat er einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften. Hinweise darauf, dass er unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stand, gebe es derzeit nicht. Seine Wohnung wurde durchsucht. Ersten Angaben zufolge soll er keine Verbindungen zu fundamentalistischen Kreisen haben, er gelte jedoch als psychisch instabil und sei deswegen in Behandlung gewesen, hieß es.

Die Verletzten sind fünf Frauen und drei Männer. Im Krankenhaus Baggiovara in Modena werden zwei Frauen im Alter von 53 und 69 Jahren mit schweren Verletzungen behandelt. Ein 69-Jähriger erlitt weniger schwere Verletzungen. Die schwerste Verletzung weist laut den Behörden eine 55-Jährige auf, die im Krankenhaus Maggiore in Bologna behandelt wird. Ihr wurden beide Beine amputiert. Ebenfalls auf der Intensivstation liegt ein 52-Jähriger. Sein Zustand sei ernst, aber weniger besorgniserregend als zunächst angenommen. Drei weitere Verletzte – eine 27-Jährige, eine 71-Jährige und ein 47-Jähriger – werden in der Poliklinik von Modena mit nicht lebensgefährlichen Verletzungen behandelt.

Augenzeugen berichten

„Wir haben das Auto kommen sehen, es steuerte direkt auf den Gehweg zu. Plötzlich beschleunigte es stark. Es fuhr mindestens 100 Kilometer pro Stunde, wir sahen Menschen durch die Luft geschleudert werden“, berichtete ein Zeuge. Ein weiterer Mann, der sich an jener Stelle befand, an der das Auto in die Menschengruppe fuhr, sagte gegenüber lokalen Medien, er habe sich nur retten können, weil er sich im letzten Moment in ein Geschäft flüchtete.

„Dann gelang es jemandem, die Fahrertür von außen zu öffnen. Der Fahrer stieß ihn weg und rannte davon“, schilderte der Mann. „Drei Personen nahmen die Verfolgung auf. Der Fahrer zog ein Messer und stach zu. Eine der verfolgenden Personen wurde nur knapp verfehlt. Glücklicherweise traf kurz darauf die Polizei von der anderen Straßenseite ein und nahm ihn fest“, erzählte der Zeuge.

Stellungnahmen auf Regierungsebene

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni drückte den Verletzten ihre Anteilnahme aus. „Was heute in Modena geschehen ist, ist äußerst schwerwiegend“, schrieb Meloni in sozialen Netzwerken. Sie sprach den Verletzten und deren Familien ihre Nähe aus und dankte zugleich den Bürgern, die „mutig eingegriffen haben, um den Verantwortlichen zu stoppen“, sowie den Sicherheitskräften für ihren Einsatz. Meloni erklärte zudem, sie habe mit dem Bürgermeister von Modena telefoniert und stehe in ständigem Kontakt mit den Behörden, um die Entwicklung der Lage zu verfolgen. Sie äußerte die Erwartung, dass der Täter „vollumfänglich für seine Taten zur Verantwortung gezogen“ werde.

Präsident Sergio Mattarella erkundigte sich beim Bürgermeister über die Situation der Verletzten. Er drückte der Stadt Modena seine Anteilnahme aus und dankte den „mutigen Bürgern“, die den Täter gefasst hatten.

Andere Länder kondolierten Italien. „Ich bin erschüttert über den feigen Anschlag in Modena, bei dem Zivilisten angefahren und mit Messern angegriffen wurden“, schrieb der israelische Außenminister Gideon Saar auf der Plattform X. „Ich möchte der italienischen Regierung und den Familien der Opfer in diesem schwierigen Moment meine Solidarität ausdrücken und allen Betroffenen dieses schrecklichen Ereignisses eine schnelle Genesung wünschen“, fügte er hinzu.

„Ich bin tief erschüttert über den schweren Vorfall, der sich heute in Modena ereignet hat. Meine Gedanken sind bei den Verletzten, von denen sich einige in ernstem Zustand befinden. Ich danke den Sicherheitskräften, die schnell und mutig eingegriffen haben“, schrieb die Präsidentin des Europäischen Parlaments Roberta Metsola auf X.

Frühere Vorfälle in Deutschland und Frankreich

Die Tat erinnert an frühere Vorfälle in Deutschland und Frankreich. Der jüngste Fall ereignete sich am 4. Mai in Leipzig mit zwei Toten und mehr als 20 Verletzten.

Zu den schwerwiegendsten Anschlägen zählen weiterhin die Attacke von Nizza im Jahr 2016 mit 86 Todesopfern, sowie der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt, bei dem ein Lastwagen in die Menschenmenge fuhr und 13 Menschen starben. Hinzu kommen weitere Fälle in Europa, darunter die Anschläge von 2017 in Barcelona und London.

apa

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