Leben retten und globale Gesundheitskrise bekämpfen: Experten-Panel fordert Paradigmenwechsel in Medizin, Bildung und Gesundheitswesen

Im Mittelpunkt steht die duale Verknüpfung von gesunder Ernährung und aktivem Lebensstil: HEAL — Healthy Eating & Active Living, idealerweise vollwertige, überwiegend pflanzliche (vegetarisch/veganer) Ernährungsweisen und tägliche Bewegung im Freien (inkl. aktiver Mobilität) — als Mindestempfehlung im Alltag und routinemäßiger Standard in Gesundheit und Medizin.
Die Studien-Autoren fordern rasches Handeln und unmittelbare Umsetzung: Prävention vor Behandlung von Zivilisationserkrankungen sowie eine Reform von Ausbildung und human-relevanter Wissenschaft (Wirkstoff-Fehlerquote aus Tierversuchen: 90–95 Prozent, bei Alzheimer bis zu 99,6 Prozent), verbunden mit einem Wandel weg von krankheitsfokussiert-reaktiver Praxis hin zu einem personenzentriert-proaktiven Gesundheitswesen, mit Lebensstil an erster Stelle.
Katharina Wirnitzer/ Credit: ©Katharina Wirnitzer.
„Nachhaltige Gesundheit ist zwar kostenlos, lässt sich aber weder herunterladen noch verordnen — sie muss täglich gelebt und durch fundierte und bewusste Lebensentscheidungen erworben werden. Da in der Kindheit verankerte Gesundheitskompetenzen ein Leben lang wirken, ist die Verankerung von HEAL als Startpunkt auf allen Bildungsebenen von Primar-, Sekundar-, bis tertiäre Bildung die gesundheitspolitische Priorität unserer Generation.“ — Studienkoordinatorin Katharina Wirnitzer | PH Tirol, Universität Innsbruck, CCCTIM, Charité Universitätsmedizin Berlin
„Evidenzbasiert sind Bewegung und Ernährung zentrale Präventionsmaßnahmen zur nachhaltigen Förderung von Gesundheit, die in allen Bildungseinrichtungen — insbesondere schulische Sport- und Bewegungserziehung mit umfassenden Möglichkeiten — dual vermittelt werden sollten.“ — Clemens Drenowatz | PH Oberösterreich; Gerhard Ruedl & Werner Kirschner, Universität Innsbruck
Paradigmenwechsel zwingend notwendig
Das Paradoxon: Trotz wissenschaftlichem Fortschritt und ständig steigender Gesundheitsausgaben steigen Zivilisationserkrankungen weiter an und Verbesserungen in der Gesundheit der Bevölkerung bleiben unenthusiastisch. Das Expertengremium legt einen koordinierten Fahrplan aus 101 konsensualen Statements mit 10-Punkte-Plan für Politik und Entscheidungsträger mit konkreten Maßnahmen zum Handeln vor — von individuellem Verhalten bis hin zu Veränderungen auf Bevölkerungsebene.
Power of Lifestyle — Warum HEAL, jetzt: HEAL kombiniert vollwertige, überwiegend pflanzliche Ernährung (vorzugsweise vegetarisch/vegan) mit Active Living (idealerweise tägliche Bewegung/Sport Outdoor inkl. aktiver Mobilität). Wissenschaftliche Belege unterstreichen synergistische Effekte, welche über die Wirksamkeit der Einzel-Komponenten hinausgehen, den Bedarf und die Notwendigkeit von Medikamenten und chirurgischen Eingriffen reduziert, und Resilienz sowie Nachhaltigkeit der Gesundheitssysteme verbessert.
Prävention an 1. Stelle (3:1): Die Konsensus-Reports empfehlen Prävention, Gesundheitserhaltung und Gesundheitsförderung gegenüber Therapie im 3:1-Verhältnis zu priorisieren, als Erst-Maßnahme gesunde zu einfachen Entscheidungen zu machen, und medizinische Behandlung für spezifische Situationen vorzubehalten.
Bildung und Fachkräfte in Gesundheit und Bildung: HEAL grundlegend von Primar- bis zur Tertiärbildung curricular verankern sowie Gesundheits- und Bildungs-Personal kontinuierlich weiterqualifizieren, um evidenzbasierte Lebensstilberatung und routinemäßiges Monitoring zu gewährleisten; darüber hinaus Verpflegungsstandards öffentlicher Einrichtungen verbessern und aktive Mobilität in Schulen und öffentlichen Räumen fördern.
Human-relevante Wissenschaft und Forschung: Den raschen Übergang zu tierversuchsfreien, human-relevanten Methoden für die Grundlagen- und präklinische Forschung sowie für Wirksamkeits-, Sicherheits- und Toxizitätstests durch Förderprioritäten, Validierung und regulatorische Anerkennung beschleunigen.
Policy roadmap: Anwendung von Health in All Policies (HiAP), um individuelle Entscheidungen mit system-relevanten Strukturen zu unterstützen und zu verknüpfen; Investitionen in gesundheitsförderliche Staats-Strukturen (öffentliche Verpflegung, aktive Mobilität, Gestaltung öffentlicher Räume, kommunale HEAL-Gesundheitsprogramme); HEAL verbindlich in Lehrplänen verankern; und Ergebnisse mit robuster Evaluation überprüfen, um wirksame Ansätze zu skalieren.
„Jeder Euro, der in evidenzbasierte Prävention investiert wird, spart ein Vielfaches in Diagnostik und Therapie. HEAL ist eine kluge und weitsichtige Investition für ein nachhaltiges Gesundheitssystem.“ — Bernd Haditsch | ÖGK – Österreichische Gesundheitskasse, Gesundheitszentrum für Vorsorgeuntersuchungen Graz
„Wer Zivilisationskrankheiten wirksam stoppen und ernsthaft bekämpfen will, muss bei Kindern beginnen. Dafür braucht es evidenzbasierte Leitlinien für Familien, Verpflegung in öffentlichen Einrichtungen, sowie verbindliche Ernährungs- und Gesundheitsbildung in Schulen und der medizinischen Ausbildung. Eine gut geplante pflanzliche Ernährung ist sicher und der stärkste Hebel bzgl. aktiver Gesundheitsförderung und Prävention.“ — Simon Straub | tirol kliniken
„Gesundheitskompetenz entsteht nicht zufällig – sie muss systematisch gelernt und gelebt werden. Wenn wir Ernährung und Bewegung nicht verbindlich im Bildungssystem und Alltag verankern, und gleichzeitig gesundheitsfördernde Rahmenbedingungen schaffen, verpassen wir einen der wirksamsten Hebel für die Gesundheit der Bevölkerung.“ — Manuel Schätzer | SIPCAN
„Allein durch Behandlung lassen sich Gesundheitssysteme nicht nachhaltig aufrechterhalten. HEAL verknüpft Prävention, Lebensstilmedizin und integrative Versorgung und Pflege, um Salutogenese im planetaren Maßstab voranzubringen. Wir müssen wesentlich mehr in die Entstehung von Gesundheit investieren.“ — Georg Seifert | WHO CC & CCCTIM, Charité Universitätsmedizin Berlin; Thomas Rosemann | UZH, Institut für Hausarztmedizin
„Angesichts ihrer Kosteneffizienz werden Traditionelle, Integrative und Komplementär-Medizin den evidenzbasierten Standard der globalen Gesundheitsversorgung von morgen bilden.“ — Tomáš Pfeiffer | ITCIM
„Angesichts der Komplexität der menschlichen Gesundheit und der Tatsache, dass Tierversuche bei der Heilung menschlicher Krankheiten versagen, übertreffen human-relevante Methoden Tierversuche bereits jetzt und müssen daher in Wissenschaft vorrangig umgesetzt werden, wobei Fördergelder in human-zentrierte Forschung fließen sollten. Bürger in der EU und den USA sprechen sich klar für diesen Übergang aus. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen eindeutig: Menschliche Gesundheit verbunden mit Tierschutz ist eine Win-win-Situation. HEAL bedeutet: Krankheiten vermeiden — Tierversuche beenden.“ — Doris Wilflingseder | Vetmed Uni Wien; Merel Ritskes-Hoitinga | Universitäten Aarhus & Utrecht; Corina Gericke & Gaby Neumann | Ärzte gegen Tierversuche; Aysha Akhtar | CCS
Grafik 1: Vier Handlungsfelder für lebenslange Gesundheit in einer 3:1-Balance. Credit: ©Katharina Wirnitzer.
Grafik 2: Power of Lifestyle: Starte mit HEAL im Rahmen der 6 verknüpften Lebensstilbereiche um Gesundheit und Wohlbefinden zu verbrsssern. Credit: ©ACLM. Grafisch modifiziert: ©Katharina Wirnitzer (Genehmigung: 24.11.2021).
Grafik 3: Systemasche Anwendung von HEAL zur Verbesserung von persönlicher und öffentlicher Gesundheit auf Mikro-, Mesoebene (z. B. Gemeinden) und Makroebene für opmale verkale und horizontale Durchlässigkeit. Credit: ©Katharina Wirnitzer.
Zentrale Sofort-Maßnahmen
- HEAL als Mindestempfehlung und Startpunkt in der Primär-Prävention etablieren.
- Lebensstilbezogene Gesundheits-Beratung vor routinemäßiger Verordnung von Medikamenten als Erstmaßnahme verankern.
- Priorität von Prävention gegenüber Behandlung von Erkrankungen im Verhältnis 3:1.
- Lebensstil-Bildung an Schulen verpflichtend machen; HEAL in gesundheitsrelevanten tertiären Studiengängen verankern.
- Fachkräfte in Medizin, Gesundheit und Bildung kontinuierlich für evidenzbasierte Lebensstil-Beratung und -Monitoring weiterqualifizieren.
- Beschleunigung der Einführung human-relevanter Methoden zur Ablösung von Tierversuchen in Forschung, Lehre und regulatorischer Prüfung.






