von wk 06.11.2026 16:13 Uhr

Chronisten gründen neuen Verein: „Lobby mit juristischem Hintergrund“

Beim 27. Tag der Chronisten in Bozen wurde der Verein „Chronikwesen Südtirol KDS“ vorgestellt. Er soll die Anliegen der Chronisten bündeln und ihre Arbeit stärken. Sieben langjährig Engagierte wurden zu Ehrenchronisten ernannt.

Landeschronist Wolfgang Thöni und Landesrat Philipp Achammer (beide hintere Reihe) zeichneten sieben verdiente Chronistinnen und Chronisten aus: (v.l.) Maria Fliri Gestrgrasser, Rosa Pircher, Frieda Kainz Baldini, Ludwig Veith, Josef Pircher, Adolf Höllrigl und Andreas Piok. (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)

Südtirols Chronisten erhalten eine gemeinsame Interessenvertretung: Noch vor Beginn des 27. Tages der Chronisten in Bozen wurde der neue Verein „Chronikwesen Südtirol KDS“ gegründet. Er soll die Tätigkeit der Chronisten auf rechtlicher Basis besser absichern und ihre Anliegen bündeln.

Der Geschäftsführer des Südtiroler Bildungszentrums, Klaus Tumler, bezeichnete den Verein als „Lobby mit juristischem Hintergrund“. Das Bildungszentrum hatte 2025 die organisatorische Zuständigkeit für das Chronikwesen vom Südtiroler Landesarchiv übernommen. Die Zusammenarbeit mit dem Landesarchiv besteht weiter. Beim Treffen wurde Margot Pizzinini für ihre langjährige Arbeit im Landesarchiv und die Betreuung der Chronisten gedankt.

  • Landesrat Achammer mit den Gründungsmitgliedern des Vereins "Chronikwesen in Südtirol KDS": (v.l.) Landeschronist Wolfgang Thöni, Paul Johann Leiter, Alexander Lutt, Gabi Seebacher, Oswald Schiefer, Thomas Innerbichler und Peter Seiwald. (Foto: LPA/Ulrike Stubenruß)

Chronisten als Gedächtnis der Dörfer

Landesrat Philipp Achammer betonte in seinen Grußworten die Bedeutung der Chronisten. „Die derzeitige Kurzsichtigkeit auf Geschichte ist frappierend – wir müssen, auch mit eurer Hilfe, wieder mehr Bewusstsein für das, was passiert, schaffen“, sagte er. Die Tätigkeit der Chronisten sei nach wie vor unverzichtbar.

Auch Gemeindenverbandspräsident Dominik Oberstaller sagte den Chronisten die Unterstützung der Gemeinden zu: „Die Arbeit der Chronisten ist auch für die Zukunft wichtig: Wir brauchen euch, um lokale Traditionen und Geschichte aufzuarbeiten und weiterzugeben.“

Landeschronist Wolfgang Thöni hob das Sammeln alter Schriften und Fotos als wichtige Aufgabe hervor. Der neue Verein solle für mehr Sichtbarkeit und eine stärkere Interessenvertretung sorgen. Zudem seien Fort- und Weiterbildungsangebote sowie rechtliche Unterstützung für die Mitglieder geplant.

Über die Tätigkeiten des Südtiroler Bildungszentrums berichtete Ulrike Stubenruß, Referentin für das Chronikwesen. In Nals und Vahrn seien neue Chronistengruppen entstanden. „Ihr seid das Gedächtnis euers Dorfes“, sagte Stubenruß.

Vorträge zu „Option Digital“ und Ehrenamt

Weitere Grußworte kamen vom Präsidenten des Südtiroler Bildungszentrums, Martin Fischer, vom Direktor des Landesarchivs, Gustav Pfeifer, und vom Landeschronisten Nord- und Osttirols, David Abendstein.

Eva Pflanzelter und Lara Castlunger von der Universität Innsbruck stellten die Datenbank „Option Digital“ vor. Hans Heiss referierte über die Geschichte des Ehrenamtes.

Sieben Ehrenchronisten ausgezeichnet

Für ihr jahrzehntelanges Engagement wurden sieben Chronisten zu Ehrenchronisten ernannt: Frieda Kainz Baldini aus Marling, Maria Fliri Gerstgrasser aus Naturns, Rosa Pircher aus Passeier, Adolf Höllrigl aus Kuens, Andreas Piok aus St. Andrä bei Brixen, Josef Pircher aus Riffian und Ludwig Veith aus Prad am Stilfserjoch. Sie hätten lokales Wissen gesammelt und für die Nachwelt zugänglich gemacht.

Zum Abschluss besichtigten die Teilnehmer das Kraftwerk St. Anton.

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