90 Minuten mit Putin: Nordische Initiative entzweit die Verbündeten

Ein Telefonat von ungewöhnlicher Dauer hat die nordischen Bündnispartner entzweit: Am Dienstag, dem 27. Oktober, führten Alexander Stubb und Jonas Gahr Støre ein rund 90-minütiges Gespräch mit Russlands Präsident Wladimir Putin.
Der Austausch war zunächst für 20 Minuten angesetzt. Im Mittelpunkt standen der Ukraine-Krieg, mögliche Friedensgespräche und die Sicherheitslage in Europa.
Moskau stellt Sicherheitsfrage ins Zentrum
Nach Darstellung des Kremls erinnerte Putin an die aus russischer Sicht grundlegenden Ursachen des Konflikts. Ein gerechter und dauerhafter Frieden sei nur möglich, wenn Russlands legitime Interessen vollständig berücksichtigt würden.
Zugleich warf er der EU und der Nato eine konfrontative Politik vor, die seiner Ansicht nach die Kampfhandlungen verlängere. Die Kreml-Mitteilung nannte außerdem die Sicherheit und Stabilität im Ostseeraum und in Nordeuropa als Gesprächsthemen.
Damit rückte Putin eine zentrale russische Forderung in den Mittelpunkt der Gespräche: Eine Friedenslösung müsse auch die Sicherheitsinteressen Moskaus einbeziehen.
Aus Kreml-Sicht kann ein Abkommen, das diese Frage ausklammert, keinen dauerhaften Frieden schaffen. Stubb und Støre hielten dem ihre bekannten Positionen entgegen und drängten auf eine Wiederaufnahme von Verhandlungen. Über die unterschiedlichen Standpunkte wurde laut Støre offen gesprochen.
Gespräch im Vorfeld möglicher Verhandlungen
Stubb und Støre hatten das Gespräch selbst angestoßen. Nach Angaben der finnischen und norwegischen Regierung fand es in Abstimmung mit der Ukraine statt und sollte den Weg zu künftigen Verhandlungen ebnen. Im Anschluss telefonierten die beiden mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
Stubb erklärte, der Ausgang des Krieges wirke sich unmittelbar auf die Sicherheit Finnlands und Europas aus. Støre verwies auf die menschlichen und materiellen Folgen des Krieges und betonte die Bedeutung einer Deeskalation.
Der Kreml teilte mit, dass die drei Gesprächspartner eine Wiederaufnahme trilateraler Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi begrüßt hätten. Diese sollten in der ersten Novemberhälfte stattfinden. Zudem hätten sie vereinbart, den direkten telefonischen Kontakt fortzusetzen.
Frederiksen kritisiert fehlende Abstimmung
Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen zeigte sich „sehr skeptisch“ gegenüber dem Vorstoß. Sie erklärte, die Initiative sei nicht mit den übrigen nordischen Partnern abgestimmt worden. Støre hatte dagegen versichert, die Partner vorab informiert zu haben.
Er und Stubb betonten, ausschließlich im Namen ihrer jeweiligen Länder gesprochen zu haben – nicht für Europa insgesamt.
Quelle: oe24
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