Einmal „Dampfen“ reicht für Gefäßschädigung

Die Untersuchung wurde von Lea Strohm vom Universitätsklinikum Mainz geleitet. Sie erklärte laut Europäischer Gesellschaft für Kardiologie (ESC): „Tabakerhitzer (…), die den Tabak erhitzen statt ihn zu verbrennen, werden oft als weniger schädliche Alternative zu herkömmlichen Zigaretten vermarktet. Unabhängige Belege für ihre unmittelbaren Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit und den Körper insgesamt sind jedoch weiterhin begrenzt.“
Die Teilnehmer gaben Blutproben ab, ihr Blutdruck wurde gemessen, ihre Blutgefäße mittels Ultraschall der Hauptarterie im rechten Arm untersucht. Anschließend verwendeten sie ein Tabakerhitzungsprodukt. Die Tests wurden zur Bestätigung der Ergebnisse zweimal unabhängig voneinander durchgeführt.
Messparameter glitten ins Negative ab
Die Resultate waren eindeutig, so die Kardiologen-Fachgesellschaft: „Beim Vergleich der Messwerte vor und nach der Anwendung stellten die Forscher mehrere Veränderungen fest. Erstens stieg der systolische Blutdruck um drei Millimeter Quecksilbersäule.
Zweitens verringerte sich die Gefäßfunktion um elf Prozent, gemessen anhand der Dilatation (Erweiterung; Anm.) mit dem Blutfluss (FMD), die angibt, wie stark sich eine Arterie als Reaktion auf einen erhöhten Blutstrom erweitert. Schließlich gab es auch Anzeichen für eine verminderte Sauerstoffversorgung des Körpers. Die venöse Sauerstoffsättigung, also der Anteil des an Hämoglobin gebundenen Sauerstoffs im zum Herzen zurückfließenden Blut, sank von etwa 71 Prozent auf etwa 46 Prozent.“
Die Forscher fanden außerdem DNA-Schäden an den Blutzellen und eine oxidative Stressreaktion – ein Zeichen dafür, dass die Zellen versuchen, sich gegen Schäden zu verteidigen. Lea Strohm fügte hinzu: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Produkte nicht biologisch neutral sind. Akute Exposition reichte aus, um bei ansonsten gesunden Rauchern Gefäßfunktionsstörungen, Stoffwechselstörungen und genetische Schäden hervorzurufen. Diese Ergebnisse widerlegen die Behauptung, dass erhitzte Tabakprodukte wesentlich weniger schädlich für das Herz-Kreislauf-System seien als herkömmliche Zigaretten.“
Einheitliche Regelungen für alle Nikotinprodukte gefordert
Die wissenschaftliche Untersuchung liefere einen klaren, kontrollierten Einblick in die unmittelbaren Auswirkungen des Konsums erhitzter Tabakprodukte auf das Herz-Kreislauf-System. Um jedoch zu verstehen, wie lange diese Effekte anhalten, seien größere Langzeitstudien erforderlich, so die Expertin.
Co-Autor Thomas Münzel vom Universitätsklinikum Mainz erklärte dazu: „Kein nikotinhaltiges Produkt, egal ob geraucht, erhitzt, verdampft oder oral aufgenommen, kann als unbedenklich für Herz und Blutgefäße gelten. Erhitzter Tabak erzeugt zwar weniger Verbrennungsprodukte, gibt aber dennoch Nikotin ab, welches die Gefäßwände schädigt, den Blutdruck erhöht und Atherosklerose fördert.“
Alle Nikotinprodukte gehörten einheitlich geregelt. Dazu sollten auch Aromabeschränkungen, Werbeverbote und Rauchverbote, die alle Produkte abdecken.
apa






