von ih 26.10.2026 06:00 Uhr

„Dann schneide ich dir die Gurgel auf“ – Hannes Rabensteiner in Bozen angegriffen

Es war ein Tag wie jeder andere. Hannes Rabensteiner wollte in Bozen nur einen Kaffee trinken. Wenig später wurde der Landtagsabgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit bedroht und körperlich angegriffen. Der STF-Politiker musste Notwehr anwenden und hat inzwischen inzwischen Anzeige bei den Carabinieri erstattet. Mit UT24 hat er erstmals darüber gesprochen, nachdem er auf der Landesversammlung am vergangenen Samstag auf den Vorfall angesprochen wurde.

L.-Abg. Hannes Rabensteiner - Foto: STF

So kam es zum Vorfall

Es sollte ein ganz normaler Feierabend-Kaffee in Bozen werden – doch plötzlich eskalierte die Situation. Hannes Rabensteiner, Landtagsabgeordneter der Süd-Tiroler Freiheit, berichtet gegenüber UT24 von einem Vorfall, der sich um ca. 17:30 Uhr auf offener Straße in Bozen ereignet hat. Was zunächst mit einem aggressiven Auftritt eines Unbekannten begann, endete schließlich in einem körperlichen Angriff.

„Ich war gerade einen Kaffee trinken, dann ist auf einmal jemand her zu mir und hat herumgeschrien und auf den Tisch draufgehauen“, erzählt Rabensteiner. Zunächst habe er den Mann für einen der vielen „Spinner“ gehalten, die in Bozen unterwegs seien. Doch dann habe der Unbekannte einen bemerkenswerten Satz gesagt: „Ich bin eigentlich ein Linker, aber so kann’s nicht mehr weitergehen!“

Rabensteiner habe daraufhin versucht, die Situation zunächst verbal zu klären: „Ich habe dann versucht ein normales Gespräch aufzubauen, weil ich ja nicht wusste, was er von mir wollte und ob er vielleicht einfach mit mir reden möchte“, erzählt der STF-Abgeordnete. Er habe nachgefragt, wie der Mann seine Aussage konkret meine und worauf er sich beziehe.

Die Antwort habe ihn dann unmissverständlich getroffen: „Wenn du nicht auch für mein Volk Politik machst, dann schneide ich dir die Gurgel auf“, soll der Mann zu ihm gesagt haben.

Die Situation eskaliert

Anstatt die Auseinandersetzung weiter anzuheizen, habe Rabensteiner zunächst versucht, ruhig zu bleiben. Der Mann habe ihn schließlich gefragt: „Hast du die Schneid mitzugehen?“ Rabensteiner antwortete nach eigener Schilderung, dass er zunächst seinen Kaffee austrinken und anschließend ohnehin zum Parkhaus gehen müsse. Wenn der Mann unbedingt wolle, könne er ein Stück mitgehen.

Als Rabensteiner schließlich aufstand, habe der Unbekannte erneut das Gespräch gesucht und gefragt, was sie nun machen würden. Rabensteiner habe wieder auf das Parkhaus verwiesen. Doch der Mann habe nun verlangt, dass er mit zu seinen Kollegen komme. Diese würden angeblich bereits auf ihn warten. „Du weißt gar nicht, mit wem du es zu tun hast“, sagte der Angreifer zu Rabensteiner.

Dann sei die Situation endgültig gekippt. „Der hat auf einmal angefangen total durchzudrehen, ist in Kampfstellung gegangen und hat angefangen mich zu schubsen“, berichtet Rabensteiner. Er habe sich dabei „extrem zusammenreißen“ müssen, weil er den Mann nicht verletzen wollte, da Rabensteiner wusste, dass in der heutigen Zeit schnell eine Täter-Opfer-Umkehr gemacht wird. „Aber ich musste mich nun einmal zur Wehr setzen. Schließlich bin ich nicht von schlechten Eltern und weiß mich zu verteidigen.“

Nach seiner Darstellung habe er den Angreifer schließlich abgewehrt und mit einem Handgriff an eine Mauer gedrückt. „Dann war er halt kampfunfähig“, sagt Rabensteiner. Anschließend habe er dem Mann nochmals zu verstehen gegeben, dass es nun genug sei.

Einige Passanten haben geschrien. Daraufhin wurde ein Sicherheitsmann vor der Bank auf die Situation aufmerksam. „Als ich den Angreifer schließlich gehen lassen wollte, weil ich der Meinung war, dass er verstanden hat, dass er sich mit dem Falschen angelegt hat, hat der Sicherheitsmann zu mir gesagt, dass ich gehen könne, weil er das nun übernehmen würde.“ Danach sei Rabensteiner nach Hause gegangen.

„Mitten in Bozen zu Feierabend-Zeiten“

Besonders beschäftigt den Politiker, dass sich der Vorfall nicht irgendwo in einer abgelegenen Gegend oder in der Nacht abgespielt habe. „Das ganze hat sich alles auf dem Gehsteig vor dem Hotel Laurin in Bozen zugetragen, mitten in Bozen zu Feierabend-Zeiten, während viele Menschen in der Stadt unterwegs sind“, so Rabensteiner zu UT24.

Am folgenden Tag habe er sich nochmals bei der Kellnerin der Bar erkundigt, ob sie etwas von dem Vorfall mitbekommen habe. Rabensteiner habe sich nach eigener Aussage sogar gefragt, ob er dem Angreifer bei der Gegenwehr möglicherweise das Handgelenk verletzt habe – auch aus Sorge, der Mann könnte ihn anschließend selbst anzeigen. Die Kellnerin habe ihm mitgeteilt, dass sie die Carabinieri gerufen habe. Diese seien jedoch nicht gekommen.

Inzwischen hat Rabensteiner selbst den Weg zu den Carabinieri gesucht. Der Grund dafür sei nicht nur der körperliche Übergriff gewesen. „Ich bin auch zu den Carabinieri gegangen, weil ich unter anderem zwei Morddrohungen per E-Mail bekommen und diese zur Anzeige gebracht habe“, sagt er. Nach dem Vorfall habe es ihm schließlich gereicht und er habe das Geschehen angezeigt.

Rabensteiner kritisiert Debatte über politischen Hass

Der Abgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit sieht den Vorfall auch im Zusammenhang mit der politischen Debatte über Hass, Hetze und Aggression.

Immer wieder werde über Hass im Internet und über aggressive Äußerungen gegenüber Politikern gesprochen.  „Dabei kommen jedoch meist nur die ‚Lieblingspolitiker‘ der Medien zu Wort, die man gerne in die Opferrolle stellen möchte. Andere werden gerne außen vor gelassen und können somit nicht ihre Erfahrungen darstellen.“

Hannes Rabensteiner stellt dabei die Frage, ob der Blick auf politische Gewalt, Hass und Hetze tatsächlich alle Seiten gleichermaßen erfasse: „In der Südtiroler Politik, oder auch in der Medienlandschaft, wird es gerne so dargestellt, als hätten wir ein Problem mit den Rechten. Es wird so getan, als seien sie die Aggressiven und die, die immer nur hetzen. Aber das stelle ich stark in Zweifel, wenn ich mir anschaue, wie es gerade bei uns zugeht“, sagt er im Gespräch mit UT24.

Rabensteiner ruft die Bevölkerung auf, bei Vorfällen diese zur Anzeige zu bringen, damit sie in der Statistik aufscheinen und danach nicht so getan werden kann, als hätten wir keine Probleme mit Gewalt in unserem Land.

Gleichzeitig macht Rabensteiner deutlich, dass er den Vorfall nicht einfach auf sich beruhen lassen will. Bei den Carabinieri habe er sinngemäß darauf hingewiesen, dass er sich nicht mehr zurückhalten wird, sollte ihn der Mann erneut angreifen. „Ich lasse so etwas nicht mit mir machen“, lautet seine Botschaft.

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