Razzia gegen mutmaßliche Neonazi-Gruppen in Kaltern: 21 Durchsuchungen

Die Ordnungshüter haben am Samstagmorgen, 24. Oktober, im Raum Kaltern 21 Wohnungen durchsucht. Die Maßnahmen richteten sich gegen ebenso viele Beschuldigte.
Elf Durchsuchungsbeschlüsse erließ die Staatsanwaltschaft Bozen, zehn die Jugendstaatsanwaltschaft.
Ermittlungen gegen zwei Jugendgruppen
Im Zentrum der Ermittlungen stehen die Gruppen „Aktverein Kaltern“ und „Snusboys-Koltern“. Sie sollen sich seit 2025 im Überetsch betätigt und über Instagram, TikTok und Telegram Inhalte mit Bezug zu einer Ideologie der weißen Vorherrschaft sowie Hassbotschaften gegen nationale und religiöse Gruppen verbreitet haben.
Laut Mitteilung der Ordnungshüter verwiesen die veröffentlichten Inhalte auch auf die Bildsprache des Nationalsozialismus. Einzelne Mitglieder sollen zudem Verbindungen zu extremistischen Kreisen der organisierten Kalterer Eishockey-Fanszene haben.
Gemeindeschild gestohlen
Zu den dokumentierten Vorwürfen zählt der Diebstahl eines Gemeindeschildes mit der Aufschrift „Carabinieri“ im November 2025. Die Jugendlichen sollen anschließend hinter dem Schild posiert und den Hitlergruß gezeigt haben.
Das Schild wurde später zurückgegeben. Außerdem werden den Beschuldigten Schmierereien an öffentlichen und privaten Gebäuden vorgeworfen, die der Gruppe „Aktverein Kaltern“ zugeordnet werden.
Digitale Datenträger werden ausgewertet
Bei den Durchsuchungen fanden die Einsatzkräfte unter anderem Aufkleber und T-Shirts, die den Gruppen zugerechnet werden. Auch digitale Datenträger wurden sichergestellt. Spezialisten für Cyberkriminalität unterstützten den Einsatz; beteiligt war zudem die Hubschrauberstaffel der Ordnungshüter in Bozen.
Südtirol News berichtete ergänzend, dass in den Ermittlungen auch Zahlencodes wie „88“ und „44“ eine Rolle spielen sollen. Die Auswertung der sichergestellten digitalen Geräte dauert an.
Den Beschuldigten werden unter anderem Propaganda und Anstiftung zu Straftaten aus Gründen rassistischer, ethnischer oder religiöser Diskriminierung, die Verunglimpfung der Republik und ihrer Verfassungsorgane, schwerer Diebstahl sowie Sachbeschädigung vorgeworfen. Die Verfahren befinden sich in der Ermittlungsphase. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.






