von lif 22.10.2026 18:57 Uhr

Lkw-Proteste in Süditalien weiten sich aus

Die Proteste von Lastwagenfahrern gegen die hohen Spritpreise in Süditalien weiten sich aus. Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reagiert mit einem härteren Vorgehen gegen Straßenblockaden und mit Hilfen für Frächter, Landwirte und Fischer. Das Kabinett beschloss am Donnerstag ein entsprechendes Gesetzesdekret.

Bild: APA/AFP/Gianluca CHININEA

Vorgesehen sind 60 Millionen Euro für die Landwirtschaft, zehn Millionen Euro für die Fischerei und weitere 60 Millionen Euro für das Transportgewerbe. Auch kleinere Frachtunternehmen sollen entlastet werden. Laut Staatssekretär Edoardo Rixi können Betriebe mit älteren Lastwagen ihre Leasingzahlungen sieben Monate lang aussetzen. Dazu kommen weitere Steuergutschriften, die die gestiegenen Kraftstoffkosten abfedern sollen.

Blockaden, leere Regale, lange Schlangen

Die Proteste von Lastwagenfahrern und Landwirten haben die Lieferketten zuletzt erheblich gestört. In mehreren Regionen Süditaliens kam es zu Straßenblockaden und Engpässen. In Supermärkten in Kampanien, Apulien und Kalabrien fehlen zunehmend frische Waren wie Fleisch, Obst, Milch und Mineralwasser. Auf Sizilien mussten mehrere McDonald’s Restaurants schließen, an Tankstellen bildeten sich lange Schlangen. Laut dem Handelsverband „Confesercenti“ haben vier von zehn Unternehmen im Süden Probleme bei der Lebensmittelversorgung. Im Bausektor fehlen Stahl und Bitumen.

Die Fischer protestierten in vielen Häfen mit Sirenen und stillliegenden Booten. Bei manchen Betrieben machen die Treibstoffkosten mehr als 60 Prozent der Ausgaben aus. Ein mittelgroßer Trawler zahlt laut Genossenschaftsverband bis zu 45.000 Euro mehr im Jahr. Die Rechnung steigt bei geschätzten 180.000 Litern Verbrauch von 144.000 auf 189.000 Euro.

Büffelmozzarella droht zu verderben

Besonders hart trifft es die Produktion des geschützten Büffelmozzarella in Kampanien. Laut dem Schutzkonsortium können viele Bauern ihre Milch seit vier Tagen nicht zu den Käsereien bringen. Auch die Lieferungen des fertigen Käses an den Handel sind unterbrochen. In Kampanien werden täglich 650.000 Liter Büffelmilch erzeugt. Sie muss innerhalb von 60 Stunden nach dem Melken verarbeitet werden. Weil die Tanks auf den Höfen begrenzt sind, droht ein Teil zu verderben. Die Einnahmeausfälle liegen laut Medienberichten bei rund drei Millionen Euro am Tag. Beim Anbau und Vertrieb von Kiwis entstand laut dem Verband Legacoop Agroalimentari binnen fünf Tagen ein Schaden von rund 30 Millionen Euro.

Erste gewaltsame Vorfälle

Es kam auch zu ersten Gewalttaten. In der Provinz Caserta wurden laut Medienberichten Reifen von Lastwagen zerstochen, deren Fahrer weiterfahren wollten. Nach Angaben des Innenministeriums wurden italienweit bisher 1.339 Menschen kontrolliert und identifiziert, 71 angezeigt und 242 mit Strafen belegt. Die Regierung betont, dass Gesetze, Bewegungsfreiheit und der Schutz der Wirtschaft höchste Priorität haben.

Die Bürgermeister von Neapel und Bari, Gaetano Manfredi und Vito Leccese, warnten vor einer weitgehenden Lähmung ihrer Städte und Problemen bei der Müllabfuhr. Sie forderten Verkehrsminister Matteo Salvini auf, ein für den 27. Oktober geplantes Treffen mit der Transportbranche vorzuziehen. Coldiretti Präsident Ettore Prandini warnte, bei einer Fortsetzung der Proteste müssten Landwirte wie Verbraucher die Folgen tragen.

APA/UT24 

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