von Alexander Wurzer 17.10.2026 08:30 Uhr

Vom Bauernhof in die weite Welt: Südtirols Landwirtschaft als Erfolgsgeschichte

Mehr als eine Million Tonnen Äpfel, Millionen Liter Milch und landwirtschaftliche Erzeugnisse, die weit über unsere Landesgrenzen hinaus geschätzt werden: Südtirols Bauern leisten Beeindruckendes. Doch während unsere heimischen Qualitätsprodukte im Ausland und bei Urlaubern hoch im Kurs stehen, stellt sich eine Frage: Wie selbstverständlich greifen wir Südtiroler selbst zu den Erzeugnissen unserer Bauern?

Der Südtiroler Bauernmarkt am Freitag in Bozen am Rathausplatz (Foto: UT24/aw)

Heute wird der Bozner Waltherplatz wieder zum Schaufenster der heimischen Landwirtschaft. Beim traditionellen Erntedankfest präsentieren Südtirols Bauern ihre Erzeugnisse. Ein Anlass, um auf eine Erfolgsgeschichte zu blicken, die in unserem Land oft als selbstverständlich angesehen wird.

Allein 2025 wurden in Südtirol mehr als eine Million Tonnen Äpfel geerntet. Dazu kommen rund 375 Millionen Kilogramm Milch, die an die heimischen Genossenschaften geliefert wurden. Südtiroler Speck, Käse, Wein und zahlreiche weitere Spezialitäten genießen einen ausgezeichneten Ruf. Hinter diesen Produkten stehen bäuerliche Familien, die vielfach seit Generationen ihre Höfe bewirtschaften und unsere Kulturlandschaft erhalten.

Unsere Bauern sind international gefragt

Wie erfolgreich Südtirols Landwirtschaft ist, zeigen auch die Exportzahlen. Landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel aus Südtirol erzielen auf ausländischen Märkten Umsätze in Milliardenhöhe. Besonders der Obstbau und die Milchwirtschaft haben sich über Jahrzehnte hinweg internationale Absatzmärkte erschlossen.

Das ist alles andere als selbstverständlich. Südtirol ist ein kleines Bergland mit begrenzten Anbauflächen und vielfach schwierigen Bewirtschaftungsbedingungen. Trotzdem ist es unseren Bauern gelungen, sich mit Qualität, Spezialisierung und harter Arbeit weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen zu machen.

Davon profitiert nicht nur die Landwirtschaft selbst. Auch zahlreiche Arbeitsplätze in der Verarbeitung, im Handel und im Transport hängen an diesen Wirtschaftszweigen.

Urlauber wissen Südtiroler Qualität zu schätzen

Wie gefragt die heimischen Produkte sind, zeigt eine Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) der Handelskammer Bozen. Zwischen 2019 und 2024 stieg die Zahl der bäuerlichen Direktvermarkter von 455 auf 610 Betriebe. Der jährliche Umsatz erreichte 61,1 Millionen Euro.

Besonders interessant ist die Kundenstruktur. Rund 40 Prozent der Verkäufe ab Hof und auf Bauernmärkten entfallen auf Urlauber. Bei Wein und anderen alkoholischen Getränken liegt dieser Anteil sogar bei rund 55 Prozent, bei Käse und Milchprodukten bei etwa 51 Prozent.

Auch das Gastgewerbe ist ein wichtiger Partner der heimischen Landwirtschaft. Mehr als 40 Prozent des gesamten Direktvermarktungsumsatzes werden über diesen Absatzbereich erzielt.

Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, wie sehr Südtirols Landwirtschaft und Tourismus voneinander profitieren. Unsere Bauern liefern hochwertige Lebensmittel, Hotels und Gastbetriebe bringen diese Qualität auf die Teller ihrer Gäste.

Und wir Südtiroler?

Gerade dieser Erfolg sollte allerdings auch uns Einheimische zum Nachdenken bringen. Denn wer im Ausland bereit ist, für Südtiroler Spezialitäten gutes Geld auszugeben, erkennt offensichtlich ihren Wert.

Doch wie sieht es bei unserem eigenen Einkauf aus? Greifen wir bewusst zu heimischen Eiern, Milchprodukten, Fleisch und Gemüse? Oder entscheidet am Ende doch häufig der günstigere Preis eines Produkts, das Hunderte oder gar Tausende Kilometer zurückgelegt hat?

Natürlich muss der Einkauf für Familien leistbar bleiben. Nicht jeder kann sich ausschließlich regionale Qualitätsprodukte leisten. Dennoch macht es einen Unterschied, ob unser Geld bei einem heimischen Bauern und in der regionalen Wirtschaft bleibt oder anderswohin fließt.

Heimische Bauern stärken, heißt Heimat erhalten

Wer Südtiroler Produkte kauft, unterstützt weit mehr als einen einzelnen landwirtschaftlichen Betrieb. Er trägt zum Erhalt unserer bäuerlichen Familienbetriebe bei, stärkt regionale Wirtschaftskreisläufe und hilft mit, jene Kulturlandschaft zu bewahren, die Südtirol unverwechselbar macht.

Gerade die oft mühsame Bewirtschaftung unserer Bergbauernhöfe ist nicht allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten. Wo Bauernfamilien ihre Höfe aufgeben müssen, gehen häufig auch gewachsene Strukturen, Traditionen und ein Stück Heimat verloren.

Das Erntedankfest ist deshalb nicht nur eine Gelegenheit, heimische Spezialitäten zu genießen. Es sollte auch daran erinnern, welchen Wert unsere Landwirtschaft für das ganze Land besitzt.

Südtirols Bauern haben längst bewiesen, dass ihre Produkte international bestehen können. Wir Südtiroler sollten dafür sorgen, dass sie auch in unserer eigenen Heimat geschätzt und gekauft werden.

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