Tattoos, Südtirol und Millionen Klicks – UT24-Interview

Hallo Markus, mit deinen Videos über Südtirol begeisterst du seit längerer Zeit das Netz. Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen?
Markus Bergmeister: Ich bin ja eigentlich Tätowierer und habe früher hauptsächlich Videos über meine Arbeit gemacht. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass sich beim bestehenden Content über Südtirol vieles ständig wiederholt. Speck, Knödel, Berge und irgendwelche Dialektwitze. Ist ja alles schön und gut, aber wir haben doch wesentlich mehr zu bieten.
Mich hat schon immer interessiert, warum gewisse Dinge so sind, wie sie sind. Und stimmt überhaupt alles, was wir Südtiroler seit Generationen erzählen? Also habe ich irgendwann einfach die Kamera eingeschaltet und angefangen. Ohne großen Plan. Dass sich dann so viele Menschen dafür interessieren, hätte ich selbst nicht gedacht.
Woher nimmst du die Inspiration für deine Videos?
Eigentlich von überall. Ich höre irgendetwas, lese etwas oder jemand erzählt mir eine Geschichte und dann will ich wissen, was dahintersteckt. Viele Ideen kommen von meinen Kunden im Tattoostudio. Wenn jemand ein paar Stunden bei mir sitzt, kommt man auf die unterschiedlichsten Themen. Mittlerweile schreiben mir auch viele Zuschauer.
Und da kommen manchmal wirklich unglaubliche Sachen zusammen. Dass bei Schabs ein Bunker explodiert ist wissen selbst viele Schabner nicht oder dass wir bis heute nicht sicher sagen können, ob Katharina Lanz wirklich die berühmte Heldin von Spinges war. Und in Marling wurde einmal ein armer Junge für ein Unwetter verantwortlich gemacht und schließlich hingerichtet.
Das sind Geschichten, bei denen ich mir selbst denke: Was steckt da dahinter? Und genau dann fange ich an zu recherchieren.
Ein Skript schreibe ich übrigens nie. Ich suche mir die Fakten zusammen, setze mich vor die Kamera und erzähle einfach drauflos. Manchmal brauche ich ein paar Anläufe, aber so klingt es wenigstens nach mir.
Deine Videos erreichen mittlerweile den gesamten deutschsprachigen Raum. Macht sich die Bekanntheit in deinem Alltag bemerkbar?
Ja, schon. Mittlerweile kommt oft vor, dass mich jemand erkennt oder auf ein Video anspricht. Das ist manchmal noch etwas ungewohnt. Ich gehe ja nicht anders durchs Leben, nur weil mir auf Instagram ein paar Leute mehr folgen.
Was mich besonders freut, ist, dass auch viele Menschen aus Deutschland und Österreich zuschauen. Und dass manchmal sogar Südtiroler schreiben, sie hätten von einer Geschichte aus ihrem eigenen Dorf noch nie etwas gehört.
Ansonsten hat sich bei mir nicht viel verändert. Ich gehe ganz normal meiner Arbeit als Tätowierer nach. Nur kennen mich inzwischen manche eher wegen meiner Videos als wegen meiner Tattoos. Das ist schon irgendwie lustig.
Würdest du dich selbst als Influencer bezeichnen?
Nein, eigentlich überhaupt nicht. Mit dem Begriff kann ich wenig anfangen.
Ich sehe mich eher als jemanden, der gerne Geschichten erzählt. Digitaler Geschichtenerzähler klingt vielleicht etwas hochgestochen, aber es trifft es eigentlich ganz gut.
Mir ist auch wichtig, dass nicht ich im Mittelpunkt stehe. Der Kanal heißt zwar MarkusXplained, aber es geht um Südtirol bzw. ganz Tirol. Ich bin nur derjenige, der vor der Kamera sitzt.
Wenn nach einem Video jemand sagt: „Das habe ich gar nicht gewusst“, dann freut mich das mehr als irgendeine Followerzahl.
Was sind deine nächsten Pläne? Worauf dürfen sich deine Follower freuen?
Ich glaube, mir wird der Stoff so schnell nicht ausgehen. Südtirol hat über 100 Gemeinden, unzählige kleine Dörfer und wahrscheinlich noch viel mehr Geschichten, von denen kaum jemand etwas weiß.
Ich möchte in Zukunft noch mehr solche Dinge aufgreifen. Vor allem Geschichten über Menschen, die irgendwann einmal etwas Besonderes erlebt oder geleistet haben und heute fast vergessen sind.
Und ich würde gerne die Zuschauer noch stärker einbinden. In vielen Familien gibt es alte Geschichten, die irgendwann einfach verschwinden, weil niemand mehr da ist, der sie erzählt. Das finde ich eigentlich schade.
Vielleicht mache ich irgendwann auch einmal ein Buch daraus. Die Idee gefällt mir jedenfalls. Aber jetzt mache ich erst einmal weiter wie bisher. Ich bin selbst neugierig genug, und zum Glück weiß ich noch lange nicht alles über Südtirol.
Vielen Dank für das Interview!
..
Neueste Meldungen






