Tirol vor 15 Jahren: Drei Landesteile, ein gemeinsamer Tisch

Schloss Tirol, drei Landeshauptleute und ein gemeinsames Vorhaben: Günther Platter, Luis Durnwalder und Lorenzo Dellai kamen am 13. Oktober 2011 zur ersten Sitzung der Euregio-Organe zusammen. Tirol, einschließlich Osttirols, Südtirol und Welschtirol sollten ihre Zusammenarbeit auf eine verbindliche Grundlage stellen.
Wer auf einen handlichen Namen hoffte, bekam „Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit“ vorgesetzt. Kurz EVTZ. Die Verwaltung hatte ihre vier Buchstaben. Dahinter steckte ein durchaus verständliches Anliegen: Gemeinsame Projekte sollten über die Staatsgrenze hinweg gemeinsam besser organisiert und umgesetzt werden können.
Erst unterschreiben, dann arbeiten
Die Gründungsverträge waren bereits unterzeichnet. Am 14. Juni 2011 auf Castel Thun in Welschtirol hatten Platter, Durnwalder und Dellai ihre Unterschriften unter Übereinkunft und Satzung gesetzt.
Die Termine gehören auseinandergehalten: Im Juni wurden die Gründungsverträge unterschrieben, im Oktober tagten erstmals die Organe. So dokumentiert es auch die Euregio.
Die Zusammenarbeit war älter. Die drei Länder hatten schon zuvor gemeinsame Vorhaben verfolgt. 2011 erhielt die Kooperation mit dem EVTZ eine eigene Rechtspersönlichkeit und einen Sitz in Bozen. Die europäische Rechtsgrundlage stammte aus dem Jahr 2006.
Auch der Aufbruch braucht Rechnungsregeln
Auf Schloss Tirol beschlossen Vorstand und Versammlung grundlegende Regeln für Organisation und Rechnungsführung. Das hält eine Publikation des Landes Trient zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit fest.
Das klingt wenig feierlich. Doch ein gemeinsames Vorhaben braucht jemanden, der organisiert, Zuständigkeiten klärt und auf die Ausgaben schaut. Mit einem Händedruck allein lässt sich auf Dauer schlecht arbeiten.
Zu den Zielen gehörte, die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen den Menschen der drei Länder zu stärken.
Der Tisch war gedeckt
Vor 15 Jahren bekam die Zusammenarbeit Organe und Arbeitsregeln. Damit verband sich ein Anspruch: Gemeinsame Anliegen sollten gemeinsam angepackt werden.
Daran muss sich eine solche Einrichtung messen lassen. Ein gemeinsamer Tisch ist ein Anfang. Entscheidend bleibt, was darauf erledigt wird.
Was heute davon bleibt
Heute gibt es gemeinsame Angebote für Schulen, Kultur und Wissenschaft. Seit Jänner 2026 auch ein Jahresticket für 750 Euro. Doch „grenzenlos“ ist das Reisen damit nur bedingt: In Nord- und Osttirol sind ÖBB-Fernzüge eingeschlossen, in Südtirol und Welschtirol bleiben etwa EuroCity und Railjet ausgeschlossen. Hier wäre nachzubessern. Ein gemeinsamer Fahrschein sollte möglichst auch gemeinsame Regeln haben. Sonst fährt die Euregio zusammen los – und die Ausnahmebestimmungen fahren mit.






