von mmh 11.10.2026 11:45 Uhr

Tirol investiert Millionen in den Katastrophenschutz

Hitze, Starkregen, Muren und Lawinen stellen Tirol vor wachsende Herausforderungen. Zum Internationalen Tag der Katastrophenvorbeugung am 13. Oktober rückt das Land Schutzmaßnahmen in den Mittelpunkt und appelliert an die Eigenverantwortung der Bevölkerung.

Bild: APA/THEMENBILD

Tirol ist aufgrund seiner alpinen Lage besonders von Naturgefahren betroffen. Gleichzeitig verschärft der Klimawandel die Situation: Wetterextreme nehmen zu, Hitzewellen werden häufiger und Starkregen fällt intensiver aus. Das Land Tirol investiert deshalb gemeinsam mit dem Bund und den Gemeinden in Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung und wichtige Infrastruktur.

Nach Angaben des Landes gibt es in Tirol mehr als 45.000 Schutzbauwerke gegen Muren, Lawinen und Steinschlag. Zudem wurden in den vergangenen zehn Jahren rund 200 Millionen Euro in den vorbeugenden Hochwasserschutz an Gewässern im Talraum investiert.

Mehr Hitzetage und intensiverer Starkregen

Daten der GeoSphere Austria zeigen die Auswirkungen des Klimawandels. In Innsbruck ist die Zahl der Hitzetage seit 1961 langfristig um rund 27 Tage pro Jahr gestiegen.

Auch Starkregen und Trockenperioden werden intensiver. Kurzzeitiger Starkregen sei heute um 15 Prozent intensiver als früher, erklärt Manfred Bauer, Leiter der Regionalstelle Tirol und Vorarlberg der GeoSphere Austria. Die steigenden Temperaturen begünstigten sowohl kräftigere Niederschläge bei Schauern und Gewittern als auch längere Trockenphasen.

Dadurch steigen laut Bauer die Gefahren durch Starkregen, Hagel und Sturm. Gleichzeitig führen ausgetrocknete Böden zu Problemen beim Wasserhaushalt und erhöhen die Waldbrandgefahr.

Landeshauptmann Anton Mattle betont, dass der Katastrophenschutz bereits vor einem Ereignis beginnen müsse. Neben Schutzbauten und Schutzwäldern seien funktionierende Warn- und Einsatzstrukturen entscheidend.

Millionen für Schutzwälder und Hochwasserschutz

Ein wichtiger Bestandteil des Tiroler Katastrophenschutzes sind die Wälder. Mehr als 70 Prozent des Tiroler Waldes erfüllen vorrangig eine Schutzfunktion, etwa gegen Steinschlag und Lawinen.

Allein 2026 werden nach Angaben des Landes 18,3 Millionen Euro in das Schutzwaldmanagement investiert. Geplant sind unter anderem die Pflanzung von mehr als 2,5 Millionen Forstpflanzen und Waldpflegemaßnahmen auf rund 2.000 Hektar.

Auch entlang der Landesstraßen wird in die Sicherheit investiert. Zwischen 2024 und 2026 flossen rund 44 Millionen Euro in Schutzmaßnahmen. Dazu zählen beispielsweise die Haslachgalerie in Osttirol und die Kanzelgalerie im Bezirk Landeck.

Für technische Schutzbauten gegen Wildbäche, Lawinen und Steinschlag wenden Bund und Land Tirol jährlich rund 80 Millionen Euro auf. Die Anlagen werden regelmäßig kontrolliert. Allein 2025 wurden mehr als 15.000 Schutzbauwerke bei Begehungen überprüft. Hinzu kommen jährliche Kontrollen von rund 600 Kilometern Talgewässer.

Im Winter tragen außerdem Lawinenkommissionen und der tägliche Lawinenreport zur Sicherheit bei. Die Website www.lawinen.report verzeichnete in der Wintersaison 2025/26 mehr als neun Millionen Aufrufe.

Bevölkerung soll für den Ernstfall vorsorgen

Neben den Maßnahmen der Behörden spielt auch die Eigenverantwortung eine wichtige Rolle. Sicherheitsreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler empfiehlt, dass jeder Haushalt so vorbereitet sein sollte, dass er mindestens eine Woche ohne Einkäufe und gegebenenfalls ohne Strom auskommt.

Dazu gehören vor allem haltbare Lebensmittel und ausreichend Getränke. Lebensmittel sollten möglichst kühl, trocken und lichtgeschützt gelagert werden. Außerdem empfiehlt es sich, Haltbarkeitsdaten regelmäßig zu kontrollieren und die Vorräte rechtzeitig zu erneuern.

Auch besondere Bedürfnisse müssen berücksichtigt werden, etwa Säuglingsnahrung, Lebensmittel für kranke oder ältere Menschen sowie Tierfutter. Produkte, die ohne Kochen oder Erwärmen verzehrt werden können, sind für den Notfall besonders geeignet.

Geisler unterstreicht die Bedeutung der Vorbereitung: Wenn Behörden, Einsatzorganisationen, Gemeinden, Infrastrukturbetreiber und Bevölkerung gut zusammenarbeiten, könnten die Folgen von Katastrophen deutlich reduziert werden.

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