Falsche Papiere, einbehaltener Lohn: 29 Festnahmen bei Großrazzia

95 Durchsuchungen in ganz Italien
Eine großangelegte Aktion der Bozner Finanzpolizei hat am Mittwochmorgen zu 29 Festnahmen geführt. Rund 220 Beamte führten in zehn Provinzen insgesamt 95 Durchsuchungen durch. Die Ermittlungen werden von der Bozner Staatsanwaltschaft unter der Leitung des stellvertretenden Oberstaatsanwalts Igor Secco koordiniert.
Nach Angaben der Ermittler wurden bislang 101 Personen wegen unterschiedlicher mutmaßlicher Straftaten angezeigt. Dazu zählen illegale Arbeitsvermittlung und Ausbeutung, die Herstellung und der Besitz gefälschter Ausweispapiere sowie die Begünstigung illegaler Einwanderung.
Die Durchsuchungen fanden in Bozen, Trient, Udine, Crotone, Reggio Emilia, Reggio Calabria, Görz, Pordenone, Pisa und Bologna statt.
Mehr als 100 Frauen mit falscher Identität
An der Spitze des mutmaßlichen Netzwerkes sollen zwei Frauen aus Georgien gestanden haben. Ihnen wird vorgeworfen, Landsfrauen in ihrer Heimat angeworben und nach Italien gebracht zu haben. Anschließend sollen die Frauen vor allem an Familien in Südtirol und Welschtirol vermittelt worden sein.
Durch veränderte Personendaten und gefälschte Ausweispapiere seien mehr als 100 Georgierinnen als EU-Bürger ausgegeben worden. Sie erhielten demnach auch falsche Steuernummern. Auf diese Weise sollen die gesetzlichen Bestimmungen für die Beschäftigung von Nicht-EU-Bürgern umgangen worden sein.
Meraner Arbeitsagentur als Schnittstelle
Wie die Nachrichtenagentur ANSA berichtet, soll eine offiziell tätige Arbeitsvermittlungsagentur in Meran bei der Vermittlung eine entscheidende Rolle gespielt haben. Geführt wurde sie den Ermittlern zufolge von zwei italienischen Staatsbürgern, die über den tatsächlichen Aufenthaltsstatus der Frauen Bescheid gewusst haben sollen.
Die betroffenen Familien gingen laut Ermittlern hingegen davon aus, die Pflegehelferinnen auf rechtmäßigem Wege anzustellen. Sie sollen von den mutmaßlichen Machenschaften nichts gewusst haben und gelten nicht als Beschuldigte.
Dokumente abgenommen und Lohn einbehalten
Besonders schwer wiegen die Vorwürfe gegen die mutmaßlichen Hintermänner. Den Pflegehelferinnen sollen teilweise die Ausweispapiere abgenommen worden sein. Zudem seien sie ohne ihre Zustimmung von einer Familie zur nächsten versetzt worden.
Nach Erkenntnissen der Ermittler mussten die Frauen einen Teil ihres Lohnes abgeben oder Geld für die Vermittlung und die vorgetäuschte Legalisierung ihrer Beschäftigung bezahlen. Damit gerieten sie offenbar in eine starke Abhängigkeit von dem Netzwerk.
Festnahmen wegen gefälschter Reisedokumente
Im Zuge der Aktion nahmen die Beamten 29 Personen auf frischer Tat fest. Bei ihnen sollen gefälschte Ausweispapiere gefunden worden sein, die auch für Auslandsreisen gültig waren. Die Dokumente wurden beschlagnahmt.
Die Ermittlungen dauern an. Für sämtliche Beschuldigten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.






