von lif 25.09.2026 16:07 Uhr

Strom aus den Bergen, Preise aus Rom

Südtirol produziert mehr Strom, als es verbraucht. Und zwar deutlich mehr, fast ausschließlich aus Wasserkraft, die weder Gas noch Öl braucht. Trotzdem steigen die Stromrechnungen im Land kräftig. Wie passt das zusammen?

Bild: APA

Die Zahlen des Landesstatistikinstituts ASTAT vom 23. September machen das Problem sichtbar. Demnach sind die Preise für Wohnen, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe in Bozen im August im Vergleich zum Vorjahr um 8,8 Prozent gestiegen, bei einer allgemeinen Inflation von 3,6 Prozent. Strom allein verteuerte sich um 17,6 Prozent. Das ist fast fünfmal so viel wie die allgemeine Teuerung.

Dabei hat Südtirol eigentlich alles, was man für günstigen Strom braucht. Laut Handelskammer Bozen werden hierzulande jährlich 6,8 Terawattstunden Strom produziert, 6,6 davon aus erneuerbaren Quellen, und 88 Prozent dieses Stroms erzeugen Wasserkraftwerke. Südtirol verbraucht pro Jahr aber nur 3,1 Terawattstunden und exportiert damit mehr als die Hälfte seiner Produktion in andere italienische Regionen. Anders gesagt bedeutet das, dass für jede Kilowattstunde, die in Südtirol verbraucht wird, eine zweite produziert und verkauft wird. Und das aus einem Rohstoff, der vom Himmel fällt und keine Straße von Hormus passieren muss.

Warum der Preis trotzdem steigt

Der Grund liegt im italienischen Strommarkt, in den Südtirol vollständig eingebunden ist. Dort richtet sich der Preis nach dem teuersten Kraftwerk, das zur Deckung des Bedarfs nötig ist und in Italien sind das meist Gaskraftwerke. Steigt der Gaspreis, steigt der Strompreis. Auch für Wasserkraftstrom, der in der Erzeugung nicht teurer geworden ist. Genau das passiert seit Beginn der Krise im Nahen Osten. Der Gaspreis erreichte zuletzt rund 83 Euro je Megawattstunde, ein Niveau wie zuletzt Ende 2022. Der Wasserfall im Passeiertal bekommt davon nichts mit. Die Stromrechnung des Bauern daneben schon.

Das führt dazu, dass Italien laut dem Verbraucherschutzverein Robin die höchsten Großhandelspreise in der gesamten EU aufweist, mit einem Jahresdurchschnitt von 108,5 Euro pro Megawattstunde, verglichen mit 58 Euro in Frankreich und 63 in Spanien.

Wer verdient daran?

Ein Blick auf den größten Stromproduzenten des Landes zeigt, wie sich die hohen Börsenpreise auswirken. Laut dem Jahresabschluss 2025 der Alperia stieg der an der Strombörse verzeichnete durchschnittliche Strompreis von rund 109 Euro pro Megawattstunde im Jahr 2024 auf 116 Euro, ein Plus von 6,8 Prozent. Beim Ergebnis des Konzerns schlägt sich das allerdings nicht in einem Rekord nieder. Der Nettogewinn erreichte 2025 rund 207 Millionen Euro und lag damit deutlich unter den 250,5 Millionen des Vorjahres, die Gesamteinnahmen blieben mit 2,4 Milliarden Euro nahezu unverändert. Den Gesellschaftern, also Land und Gemeinden, sollen nach dem Vorschlag des Vorstands 38 Millionen Euro als Dividende zufließen, nach 36 Millionen im Jahr davor.

Alperia gehört dem Land und den Gemeinden, die Gewinne fließen also in öffentliche Kassen. Den Mehrwert für Südtirol, der neben Investitionen und Steuern auch Gratisstrom an Land und Gemeinden umfasst, beziffert der Konzern für 2025 auf über 435 Millionen Euro. Es bleibt aber die Frage, warum dieser Mehrwert vor allem über Dividenden, Investitionen und Steuern zurückkommt und nicht spürbarer über niedrigere Stromrechnungen.

Denn eigentlich gäbe es ein Werkzeug. Der Verbraucherschutzverein Robin verweist darauf, dass das Autonomiestatut Südtirol eine Strompreisautonomie vorsieht, die den Menschen Zugang zu günstigem Strom aus Wasserkraft garantieren soll, inklusive Gratisstromkontingenten. Dass die Landesregierung diese Möglichkeit nicht ausschöpfe, ist der zentrale Vorwurf des Vereins. Für Robin sind in einem Land, das seine Energie fast vollständig aus Wasserkraft gewinnt, an den Gaspreis gekoppelte Tarife schlicht nicht nachvollziehbar. Ob eine eigene Südtiroler Preisregelung rechtlich und wirtschaftlich umsetzbar wäre, ist umstritten. Eine Stellungnahme der Landesregierung dazu steht noch aus.

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