Leerstände in Bozen: „Strafen sind das falsche Signal“

„Dass die Gemeinde das Problem der Leerstände ernst nimmt und nun aktiv wird, ist grundsätzlich positiv. Leerstehende und ungepflegte Schaufenster sind weder für das Stadtbild noch für die Attraktivität einer Einkaufsstadt förderlich“, erklärt hds-Bezirkspräsident Thomas Rizzolli. Kritisch sieht er allerdings, dass eine Maßnahme zur Aufwertung der Stadt unmittelbar mit möglichen Strafen verbunden wird. „Wir sollten nicht vergessen, dass der Eigentümer eines leerstehenden Geschäftslokals in aller Regel bereits einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden trägt.“ Fehlten Mieteinnahmen, liefen Kosten und Verpflichtungen weiter. Der Strukturwandel im Handel und vor allem der Boom des Onlinehandels hätten die Rahmenbedingungen grundlegend verändert. „In dieser Situation sollte unser erster Ansatz nicht die Bestrafung, sondern die Zusammenarbeit mit den Eigentümern sein.“
Werbung im leeren Schaufenster
Der hds hätte sich ein anderes Modell vorstellen können. Eigentümer leerstehender Lokale sollten ihre Schaufenster für hochwertige und klar geregelte Werbe- oder Informationsflächen zur Verfügung stellen dürfen. Ein kleines Gremium gemeinsam mit der Gemeinde könnte solche Gestaltungen vorab freigeben, damit sie sich ins Stadtbild einfügen.
Damit wären laut Verband mehrere Ziele verbunden. Ein besseres Erscheinungsbild, eine begrenzte Einnahme für die Eigentümer und weiterhin Einfluss der Stadt auf die Qualität. „Damit hätten wir eine klassische Win-win-Situation schaffen können“, so Rizzolli.
Weniger Bürokratie für Pop-up-Stores
Eine schönere Gestaltung könne aber nur eine Zwischenlösung sein. Das eigentliche Ziel müsse sein, die Lokale wieder mit Leben zu füllen. Potenzial sieht der hds vor allem bei Pop-up-Stores, temporären Verkaufskonzepten und jungen Unternehmern. Dafür brauche es aber deutlich weniger bürokratische Hürden. „Wer ein Geschäft vielleicht nur für zwei oder drei Monate ausprobieren möchte, darf nicht mit annähernd denselben bürokratischen Anforderungen konfrontiert werden wie jemand, der einen dauerhaften Betrieb eröffnet“, betont Rizzolli. Aufwand, Zeit und Kosten nähmen vielen die Freude am Unternehmertum, bevor sie überhaupt beginnen könnten.
Der Verband spricht sich deshalb dafür aus, gemeinsam mit der Gemeinde vereinfachte Verfahren für temporäre Nutzungen zu prüfen. „Unser gemeinsames Ziel sollte nicht sein, Leerstände schöner zu verdecken, sondern sie wieder zu öffnen.“






