Kultur ohne Barrieren: Franzensfeste zeigt, wie es geht

Hinter dem Projekt steht die Sozialgenossenschaft independent L. Der volle Name lautet PLACES – Promoting Landscape, Accessibility and Culture for Experiential and Sustainable Tourism. Nach zwei Jahren grenzüberschreitender Zusammenarbeit verbindet es Barrierefreiheit, kulturelles Erbe, Digitalisierung und nachhaltigen Tourismus. Das Ziel: neue Zugänge zu Kultur und Landschaft schaffen und touristische Angebote so gestalten, dass Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen sie selbstbestimmt erleben können.
Die Festung wird zum Erlebnisraum
Die Festung Franzensfeste ist einer von vier Pilotstandorten. Gemeinsam mit Partnern aus Italien und Österreich entstanden Lösungen, die den Besuch nicht nur erleichtern, sondern auch zusätzliche Möglichkeiten zum Entdecken eröffnen.
In Franzensfeste stehen dabei unter anderem neue inklusive Informationstafeln und die immersive Audioerfahrung „Willkommen in Franzensfeste“ in der Festungskirche im Mittelpunkt. Vorgestellt wurden außerdem:
- das neue grenzüberschreitende Tourismusportal PLACES unter www.places-interreg.eu
- die digitalen 360°-Rundgänge der vier teilnehmenden Pilotstandorte
- die ausgearbeiteten Adaptierungspläne zum Abbau architektonischer Barrieren
- die durchgeführten Analysen zur Verbesserung der digitalen Barrierefreiheit
Museumsbesuch per App für blinde Menschen
Als Best-Practice-Projekt wurde außerdem „kärnten.museum Klagenfurt für alle“ präsentiert. Das Landesmuseum Kärnten hat seine architektonische Barrierefreiheit im Rahmen von PLACES um eine App zur Indoor-Navigation ergänzt. Damit können blinde Menschen das Museum autonom besuchen.
Projektleiter Günther Ennemoser von independent L. betonte, wie weit der Begriff reicht: „Die neuen Angebote zeigen, dass Barrierefreiheit weit über die Beseitigung baulicher Hindernisse hinausgeht. PLACES berücksichtigt ebenso die digitale und sensorische Zugänglichkeit. Informationen werden auf unterschiedlichen Wegen vermittelt und kulturelle Inhalte so aufbereitet, dass möglichst viele Besuchende sie eigenständig nutzen können.“
Vier Regionen, vier Pilotstandorte
PLACES ist grenzüberschreitend angelegt und vereint Partner aus Südtirol, Kärnten, Venetien und Friaul-Julisch Venetien. Neben der Festung Franzensfeste gehören das Natur- und Archäologiemuseum Vicenza, das kärnten.museum Klagenfurt und das Bergbaumuseum Cave del Predil in Tarvis zu den Pilotstandorten.
Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Entwicklung neuer touristischer Angebote, die Kultur und Landschaft verbinden und dabei unterschiedliche Formen der Wahrnehmung und Mobilität berücksichtigen.
Zehn Hörstationen entlang des Eisacks
Ein Beispiel dafür ist der barrierefreie Themenweg zwischen Brixen und Neustift. Entlang des Eisackufers führen zehn Hörstationen. Jede erzählt von einer Person aus der Umgebung und greift Themen wie Kunst, Natur und Spiritualität auf. Die Inhalte gibt es auf Deutsch, Italienisch und Englisch, abrufbar über QR-Codes direkt an den einzelnen Stationen. Zu jeder Etappe gibt es ergänzend Informationen zur Barrierefreiheit.
Selbst ausprobieren beim Familiensonntag
Die Abschlussveranstaltung war bewusst mit dem Familiensonntag im Museum verknüpft. Nach der offiziellen Projektvorstellung um 10.30 Uhr im Bistrot des Museums stand am Nachmittag von 13.00 bis 16.30 Uhr eine barrierefreie Museumsführung auf dem Programm. Die Teilnehmer konnten die im Projekt entwickelten Angebote dabei nicht nur kennenlernen, sondern auch selbst ausprobieren.






