Historisches Debakel: CDU fliegt erstmals aus einem Landtag

Der Druck auf Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz (70) wächst. In einer ersten Reaktion sprach er von einem schwierigen Ergebnis und einem Desaster. Er bat die Deutschen, nicht immer alles nur schlechtzureden, und übernahm zugleich die Verantwortung. Seine zentrale Botschaft: „Die Reformen müssen sein.“ Merz will jetzt erst recht weitermachen, als Kanzler ebenso wie als Parteivorsitzender.
Warum die CDU im Nordosten abstürzte
Nach Einschätzung von INSA-Chef Hermann Binkert (61) gegenüber BILD hat die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung die Landes-CDU mitgerissen. Der Negativtrend der Bundes-CDU schlage voll durch, ausgelöst durch die Unzufriedenheit mit der CDU-Politik und mit Kanzler Merz.
Dazu kam der Verlauf des Wahlkampfs. Er spitzte sich auf ein Duell zu: SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (52) gegen die AfD mit Spitzenkandidat Leif-Erik Holm (56). Die Union fiel dabei hinten runter.
Der Politikwissenschaftler Benjamin Höhne (47, TU Chemnitz) erklärte gegenüber BILD, Schwesig sei mit ihrem Ministerpräsidenten-Bonus angetreten, um eine starke AfD zu verhindern. Dabei habe sie Stimmen aus anderen Lagern gezogen, unter anderem von der CDU. Zudem habe CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters (45) nicht überzeugen können.
AfD vorne, Schwesig bleibt Regierungschefin
In Mecklenburg-Vorpommern wurde die AfD mit 38,2 Prozent stärkste Kraft, ein Plus von 21,5 Prozentpunkten. Dahinter folgt die SPD mit 35,5 Prozent (minus 4,1). Schwesig kann dennoch Regierungschefin bleiben und mit Linken (6,5 Prozent, minus 3,4) und Grünen (5,7 Prozent, minus 0,6) regieren. Neben der CDU (4,9 Prozent, minus 8,4) verpassten nämlich auch das BSW mit 4,8 Prozent und die FDP mit 1,0 Prozent den Einzug in den Landtag.
Entscheidend waren laut Meinungsforscher Klaus Peter Schöppner (77) die Kandidaten. Schwesig inszenierte sich als „Frau gegen Blau“, Holm setzte auf knallharte Töne in der Migrationspolitik. Von Schwesig könne man lernen, dass es funktioniere, nach außen zugleich nahbare Kümmerin und harte Interessenvertreterin der eigenen Wähler zu sein.
Linke triumphiert in Berlin
In Berlin kommt die Linke mit Spitzenkandidatin Elif Eralp (45) laut vorläufigem amtlichem Endergebnis auf 25,7 Prozent (plus 13,4) und mehr als verdoppelt damit ihr Ergebnis der letzten Wahl. Die CDU mit Stefan Evers (46), dem Nachfolger von Kai Wegner, erreicht knapp 18,8 Prozent (minus 9,5) und landet nur noch auf Platz 2.
Die AfD legt deutlich zu und kommt auf 16,3 Prozent (plus 7,2). Die Grünen verlieren und erreichen 14,3 Prozent (minus 4,1). Die SPD stürzt auf 12,1 Prozent ab (minus 6,3). Das BSW scheiterte mit 4,7 Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde, die FDP blieb klar darunter.
Wahlentscheidend waren vor allem drei Themen: bezahlbare Mieten und Enteignung, Sicherheit sowie die zunehmende Vermüllung der Stadt. Schöppner sieht deshalb viele Parallelen zur Wahl in New York. Dort wurde der linke Demokrat Zohran Mamdani (34) im Herbst 2025 mit dem Wahlkampf „Klein gegen Groß“ zum Bürgermeister gewählt. Das „Mamdani-Momentum“ von Spitzenkandidatin Eralp könne ausgerechnet der Hauptstadt zu einer knallrot-rot-grünen Regierung verhelfen.
Die Mitte macht den Abgang
Bei beiden Wahlen gingen die meisten Stimmen an die Ränder. Für Binkert ist damit klar: Die Mitte macht den Abgang. In Mecklenburg-Vorpommern habe die SPD durch ihren Zweikampf mit der AfD Grüne und CDU an den Rand gedrängt. In Berlin habe die Linke mit ihrem stark polarisierenden Wahlkampf Grüne und SPD geschwächt und sich so den Sieg gesichert.






