von mmh 26.08.2026 08:48 Uhr

Tag der Alleinerziehenden: Tirol setzt starkes Zeichen

Frühstück richten, Termine koordinieren, Haushalt schmeißen und abends noch Hausaufgaben kontrollieren: Für Alleinerziehende ist der Alltag ein permanenter Balanceakt. Anlässlich des Tages der Alleinerziehenden am 28. September rückt das Netzwerk Gesund ins Leben diese Lebensrealität nun in den Fokus.

APA/dpa-Zentralbild

Zwischen Beruf, Kinderbetreuung, Schule und Terminen bleibt Alleinerziehenden oft wenig Zeit zum Durchatmen. In Tirol sind davon rund 18.500 Mütter und etwa 4.500 Väter betroffen, die die Verantwortung für ihre Kinder größtenteils allein tragen. „Alleinerziehend zu sein bedeutet, die Verantwortung für ein oder mehrere Kinder zu tragen und gleichzeitig die Anforderungen des täglichen Lebens in der Regel allein stemmen zu müssen. Das kann eine große Belastung sein“, schildert Sandra Aufhammer, Landesleiterin von Gesund ins Leben (GiL), dessen Trägerverein das Rote Kreuz Tirol ist. Rund um den Aktionstag setzt die Organisation deshalb mit mehreren Veranstaltungen und Maßnahmen gezielte Impulse.

Kinoabend mit Diskussion

Den Auftakt bildet ein Filmabend am 28. September um 19 Uhr im Leo Kino Innsbruck. Gezeigt wird „Chocolat“, die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, die den Mut findet, in ein neues Leben aufzubrechen. Im Anschluss diskutieren Experten über die Lebensrealität von Ein-Eltern-Familien. Der Eintritt erfolgt gegen freiwillige Spende. „Der Film eröffnet einen emotionalen Zugang zum Thema und schafft Raum für Austausch, persönliche Erfahrungen und neue Perspektiven“, so Aufhammer.

Erholungswochen im Familienhotel heiß begehrt

Für Alleinerziehende und ihre Kinder organisiert GiL zudem je eine Erholungswoche im September und Oktober in einem Familienhotel in Obsteig – finanziert über Spenden. Im Mittelpunkt stehen Natur, gemeinsame Erlebnisse und Erholung vom Alltag. Die Nachfrage war enorm: Bereits wenige Stunden nach der Ausschreibung waren sämtliche Plätze vergeben. „Für uns darf Auszeit kein Luxus sein, besonders dann nicht, wenn der Alltag dauerhaft von Verantwortung geprägt ist“, betont die GiL-Landesleiterin.

Austausch in Osttirol

Wie erleben Kinder eine Trennung ihrer Eltern? Dieser Frage widmet sich ein Runder Tisch zum Thema „Alleinerziehend in Osttirol“ am 24. September um 14.30 Uhr in der Bezirksstelle des Roten Kreuzes in Lienz. „Bei dieser Veranstaltung geht es uns vor allem darum, Erfahrungen zusammenzubringen und voneinander zu lernen. Gerade für Alleinerziehende ist die Vernetzung wichtig, damit aus unterschiedlichen Perspektiven neue Wege entstehen“, so Aufhammer. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung wird jedoch vorausgesetzt.

Konkrete Hilfe und mehr Sichtbarkeit

Gemeinsam mit dem Netzwerk Alleinerziehende in Tirol hat GiL zudem eine Spendenaktion ins Leben gerufen: Mit den gesammelten Mitteln werden Supermarkt-Gutscheine gekauft und direkt an Betroffene weitergegeben – unbürokratisch und dort, wo die Hilfe im Alltag tatsächlich ankommt.

Begleitet wird die Aktion von einer Plakatserie, die zunächst in Innsbruck und danach in weiteren Tiroler Bezirken auf die Lebensrealität von Ein-Eltern-Familien aufmerksam macht. „Wir wollen zeigen, was Alleinerziehende jeden Tag leisten und den Blick dafür schärfen, welchen Herausforderungen sie begegnen“, erklärt Aufhammer. Sensibilisierung könne dabei bereits im eigenen Umfeld beginnen: „Vielleicht gibt es in der Nachbarschaft, im Freundeskreis oder in der Familie eine alleinerziehende Mutter oder einen alleinerziehenden Vater. Eine einfache Frage wie ‚Wie geht es dir?‘ oder ‚Kann ich etwas für dich tun?‘ trägt manchmal schon dazu bei, dass das, was sonst leicht übersehen wird, sichtbar wird.“ Aufhammer wünscht sich, dass der Aktionstag weit über den 28. September hinaus wirkt und der Alltag von Alleinerziehenden dauerhaft im gesellschaftlichen Bewusstsein bleibt.

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