von mmh 28.07.2026 16:44 Uhr

Magnago und die politischen Häftlinge: Stiftung weist Vorwürfe zurück

Die Präsidentin der Silvius Magnago Stiftung, Martha Stocker, nimmt in einer Stellungnahme zu Aussagen von Roland Lang, Obmann des Südtiroler Heimatbundes (UT24 berichtete), Stellung. Lang hatte erklärt, Silvius Magnago habe gerade gegenüber den politischen Häftlingen versagt. 

Silvius Magnago

Stocker betont, dass politische Meinungen grundsätzlich jedem zustehen würden. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass Magnago für den Weg des verbrieften Rechts auf Grundlage des Pariser Vertrages zwischen Österreich und Italien gestanden habe.

Vorwürfe der Gefühlskälte zurückgewiesen

Die Historikerin weist besonders die Darstellung zurück, Magnago habe gegenüber den politischen Häftlingen Gefühlskälte gezeigt. Eine solche Aussage sei aus ihrer Sicht eine Anmaßung und könne durch zahlreiche historische Beispiele widerlegt werden.

Für Stocker zeichne sich ein politischer Verantwortungsträger auch dadurch aus, dass er wisse, welche Schritte in seiner politischen Verantwortung notwendig seien. Diesbezüglich gebe es zahlreiche historisch belegte Beispiele.

Magnagos Einsatz für politische Häftlinge

Stocker erinnert unter anderem an den Mailänder Sprengstoffprozess. Dort hätten Sepp Kerschbaumer und Silvius Magnago aufgezeigt, dass aufgrund der nicht vollständigen Umsetzung des Pariser Vertrages eigentlich Italien selbst auf der Anklagebank sitzen müsste. Dies habe laut Stocker auch Auswirkungen auf die öffentliche Wahrnehmung gehabt.

Magnago habe lange über seine weiteren Bemühungen für die Häftlinge geschwiegen. Erst 1969, nachdem bei der Paket-Landesversammlung ähnliche Vorwürfe erhoben worden seien, habe er sein Schweigen gebrochen. Seine Stellungnahme habe er damals mit den Worten „Jetzt pack ich einmal aus und ich muss auspacken…“ eingeleitet.

Dabei habe Magnago unter anderem darauf verwiesen, dass er durch einen umstrittenen Auftritt erreicht habe, dass zwölf Verurteilte aus dem Mailänder Sprengstoffprozess nach einem erfolglosen Berufungsverfahren nicht erneut ins Gefängnis zurückkehren mussten.

Auch im Zusammenhang mit dem Bologna-Prozess habe er sich für die Verurteilten eingesetzt, insbesondere für jene, die hohe Strafen erhalten hatten und in weit entfernten Gefängnissen untergebracht waren. Laut Stocker sei es Magnago gelungen, deren Verlegung näher Richtung Heimat zu erreichen. Im November 1971 seien sie schließlich freigekommen.

Historische Debatte um das Südtirol-Paket

Stocker verweist abschließend darauf, dass Magnagos Einsatz für die Rückkehr der Häftlinge offiziell dokumentiert sei. Die Aussage, die Verhandlungen zum Paket seien „Sternstunden der Demokratie“ gewesen, stamme laut ihr von politischen Gegnern Magnagos.

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