von lif 27.07.2026 15:22 Uhr

Heimatbund lehnt Denkmal für Magnago ab

Soll dem früheren Landeshauptmann Silvius Magnago ein Denkmal gesetzt werden? Der Südtiroler Heimatbund lehnt das ab und begründet dies mit dem Verhalten Magnagos gegenüber den Freiheitskämpfern der 1960er-Jahre.

Silvius Magnago

Das Handeln des SVP-Parteiobmannes und Landeshauptmannes müsse unterschiedlich und kontrovers beurteilt werden, erklärt Roland Lang, Obmann des Südtiroler Heimatbundes (SHB). Magnago habe zwar das historische Verdienst, in jahrelangen, zähen Verhandlungen mit Rom die Grundlagen der heutigen Autonomie geschaffen zu haben. Auf dem Weg dorthin habe er jedoch alle Selbstbestimmungsbestrebungen innerhalb und außerhalb seiner Partei bekämpft und unterdrückt. Der SHB anerkenne das Lebenswerk Magnagos, aber nur als Zwischenlösung auf dem Weg in die Freiheit, so Lang. Die politischen Häftlinge der Sechzigerjahre hätten für ein höheres Ziel gekämpft als für eine international schlecht abgesicherte Autonomie.

Besonders schwer wiegt für den Heimatbund ein anderer Vorwurf. Eine Reihe damals inhaftierter politischer Häftlinge und deren Familien hätten es Magnago nie vergessen, dass er aus dem Gefängnis geschmuggelte Briefe jahrelang unter Verschluss gehalten habe. In diesen Briefen hätten die Häftlinge über Folterungen durch die Carabinieri berichtet. Magnago habe sie geheim gehalten, um das Verhandlungsklima mit Rom nicht zu stören. Diese Briefe seien kein Privateigentum Magnagos gewesen, kritisiert Lang. Es habe sich um Hilfeschreie an die Öffentlichkeit gehandelt, um die Folterungen abzustellen.

Der Heimatbund erinnert zudem an einzelne Begegnungen. So habe die Mutter des Pustertaler Freiheitskämpfers Hans Auer erlebt, wie Magnago ihr die überreichten Folterbriefe zurückgegeben habe. Auch die Frau des inhaftierten Luis Steinegger habe ihm dessen blutiges Unterhemd als Beweis für Misshandlungen vorgelegt und Magnago habe das Beweisstück zurückgewiesen.

  • Ausschnitt Folterbrief Hermann Anrather Kurtatsch (Bild: SHB)

Späte Anerkennung des Widerstands

Erst spät, am 24. März 1976, habe Magnago auf einer SVP-Landesversammlung in Meran das öffentliche Ansehen der Männer und Frauen des Südtiroler Widerstandes wiederhergestellt. Viele von ihnen hätten schwere und größte Opfer im Einsatz für ihr Volk auf sich genommen, wird er zitiert. Magnago habe damals auch betont, dass die Einsetzung der Autonomiekommission wohl unter dem Eindruck der Anschläge erfolgt sei. Magnago gehe als großer Südtiroler Politiker in die Geschichte ein, der viel für sein Land erreicht, den großen Schritt zur Freiheit aber nicht gewagt habe, so das Fazit des Heimatbundes. Zugleich sei er ein widersprüchlicher Mensch gewesen, der gegenüber Opfern auch Härte und Gefühllosigkeit gezeigt habe.

Ein Denkmal zu seinen Ehren findet daher nicht die Zustimmung des SHB. Magnago solle stattdessen mit einer Bronzetafel, einem Bild und einem kurzen Lebenslauf für seinen politischen Einsatz geehrt werden, mehr nicht.

Auch der Laurinbrunnen ist ein Thema

Abschließend geht Lang auf die Verlegung des Laurinbrunnens vom Magnagoplatz ein, die er der italienischen Rechten zuschreibt. Diese habe dabei übersehen, dass die zugrunde liegende Laurin-Sage nichts mit Nationalismus zu tun habe. In der Sage gehe es um einen Brautraub und deren Rückholung. Alle anderen Deutungen seien erst zur Zeit des Faschismus entstanden.

Da das Denkmal mit großzügiger Unterstützung der italienischen Bauarbeitergenossenschaft CLE restauriert worden sei, sei es zugleich ein lokales Denkmal der italienischen Sprachgruppe geworden.

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