Tiroler Kinder- und Jugendanwalt gegen Social Media-Verbot

„Die aktuelle Diskussion greift zu kurz. Ein allgemeines Verbot würde Kinderrechte einschränken, wie etwa das Recht auf soziale Teilhabe“, erklärte der Kinder- und Jugendanwalt zudem. Es brauche jedoch wirkungsvolle Schutzmechanismen gegen süchtigmachende Faktoren.
Mehr gesetzliche Verankerungen forderte er hingegen im analogen Raum. So herrsche keinerlei Kontrolle hinsichtlich des Betreuungspersonals bei Ferienlagern vor. Eine verpflichtende Registrierung sowie eine Vorlage eines Strafregisterauszuges seien erste Schritte, die es zu setzen gelte. Außerdem brauche es eine niederschwellige Beschwerdemöglichkeit, meinte Trentini. Auch bei Kultur- oder Sportvereinen, wo es etwa in Umkleiden zu Grenzverletzungen kommen könne, benötige es eine gesetzliche Verankerung zum Schutz.
Ausbau von Krisenplätzen gefordert
Was den Tätigkeitsbericht der Tiroler Kinder- und Jugendanwaltschaft betraf, legte man einen besonderen Fokus auf strukturelle Mängel, wie etwa auf die zu geringe Anzahl an Krisenplätzen für Kinder und Jugendliche. Diese würden oft zu „ungeeigneten Settings“ und aufgrund häufiger Ortswechsel zu Beziehungsabbrüchen führen, erläuterte Simone Altenberger, Juristin der Kinder- und Jugendanwaltschaft. Mehr Ressourcen seien auch zum Schutz vor Mobbing an Schulen, welches massive Belastungen für Schülerinnen und Schüler bis hin zu suizidalen Gedanken zur Folge haben könne, gefragt.
Ein weiterer Schwerpunkt des Berichtes lag auf gesellschaftlicher Teilhabe. „Inklusion ist keine freundliche Zusatzleistung, sondern ein verbindlicher Auftrag“, betonte Martin Ritzer, Sozialarbeiter der Kinder- und Jugendanwaltschaft. Besonders relevant sei „Deinstitutionalisierung“. Dahinter stehe die klare Vorgabe, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderung „nicht in Strukturen aufwachsen sollen, die Ausgrenzung festigen“.
Generell sei das Angebot der Kinder- und Jugendanwaltschaft, eine weisungsfreie und unabhängige Einrichtung des Landes Tirols, verstärkt angenommen worden. Im Jahr 2024 wurden 350 und im darauffolgenden Jahr 430 Fälle verzeichnet. Die Problemstellungen reichten von der Trennung der Eltern über Mobbing und andere Gewalterfahrungen bis hin zu strafrechtlichen Themen.
apa






