von lif 24.06.2026 19:41 Uhr

Tiroler Fernpassroute wegen Demos am Samstag kurzzeitig zu

Die Tiroler Fernpassstraße (B179) wird wegen zweier angekündigter Versammlungen einer Bürgerinitiative am kommenden Samstag zwischen 10.00 Uhr und 12.00 Uhr gesperrt. Während der zweistündigen Sperre kann der Fernpass demnach nicht passiert werden. Zeitgleich wird auch die Hahntennjochstraße (L246) gesperrt. Die Bürgerinitiative protestiert gegen das seitens der schwarz-roten Landesregierung forcierte Fernpasspaket und gegen den überbordenden Transit in der Region.

Bild: APA/THEMENBILD

Die Initiative „Lebensraum Gurgltal, Außerfern, Mieminger Plateau“ fordert einen sofortigen Stopp der Vorhaben der Landesregierung, eine Verringerung des Verkehrs, eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene und dadurch einen Schutz von Gesundheit und Lebensraum der Anrainer. Wie viele Teilnehmer dem Ruf der Initiative folgen und sich den zwei Protestmärschen anschließen werden, sei indes noch „völlig offen“, sagte Organisator Ludwig Gruber am Mittwoch zur APA gefragt nach seinen Erwartungen. Allerdings habe man bei bisherigen Unterschriftenaktionen jeweils mehrere Tausend Unterzeichner vorweisen können.

„Wir erwarten jedenfalls keine Politiker der Landesregierung“, zog Gruber einen Vergleich mit der seitens dieser deutlich gezeigten Präsenz bei der kürzlich abgehaltenen Demonstration am Brenner: „Am Brenner verteidigt der Landeshauptmann den Lebensraum, am Fernpass wird er für 600 Millionen Euro zubetoniert.“ Dies lege eine „verkehrspolitische Schizophrenie“ offen. Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) hatte sich als Privatperson der Brenner-Demonstration angeschlossen. Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, will die Bürgerinitiative indes am 1. August weitere Kundgebungen zur gleichen Uhrzeit abhalten. Eine Bewilligung dafür stehe jedoch noch aus, die Behörden würden noch die Verkehrsauswirkungen der Sperren am Samstag abwarten wollen, erläuterte Gruber der APA.

Zwei Protestmärsche, wenig Ausweichmöglichkeiten

Konkret werde man sich am 27. Juni an zwei Orten – einmal bei Nassereith/Rastland, einmal in Reutte/Katzenberg an der B179 versammeln und dann gemeinsam zum jeweiligen Kundgebungsort marschieren, erläuterte Gruber. In Nassereith werde die „Fernpassdemo“ bis zum Parkplatz Fernstein führen, in Reutte bis zum Salzsilo. Dort wolle man dann die Forderungen bzw. eine „Fernpasserklärung“ erläutern.

Das Land Tirol appellierte aufgrund der zweistündigen Sperre in den Bezirken Imst bzw. Reutte, die Fernpassroute am 27. Juni generell zu meiden. Die Hahntennjochstraße werde ebenfalls gesperrt, um ein Verkehrschaos auf der engen Straße aufgrund von Ausweichverkehr zu vermeiden. Durchreisenden wurde dementsprechend ein großräumiges Umfahren empfohlen. Zwischen den beiden Straßensperren bei Reutte bzw. Nassereith kann die B179 indes ohne Einschränkungen genutzt werden. Eine An- und Abreise aus der Region Zwischentoren sei außerdem über die Ehrwalder Straße (B187) oder die Berwang-Namloser Straße (L21) möglich, hieß es in einer Aussendung des Landes.

Auch der ÖAMTC riet dazu, nötige Fahrten zu verlegen. Eine Umfahrung sei nur sehr großräumig über Rosenheim (A93), über die bei Kufstein über die Tiroler Inntalautobahn (A12) führende Brennerroute oder alternativ über den Achenpass (B181) möglich. Der deutsche Automobilclub ADAC verwies auf den mit der Sperre zusammenfallenden Sommerferienbeginn in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Dementsprechend sei mit langen Staus vor und nach den Sperren zu rechnen.

Polizei hofft auf geringe Verkehrauswirkungen, nicht vergleichbar mit Brenner

Bei der Fernpassroute handelt es sich wie beim Brenner um eine wichtige Nord-Süd-Verbindung durch Tirol für Durchreiseverkehr. Dennoch galt die Sperre und die befürchteten Auswirkungen auf den grenzüberschreitenden Verkehr als nicht vergleichbar mit der Brenner-Demonstration Ende Mai. Auch hier war es – wohl auch aufgrund einer Informationsoffensive im Vorfeld – nicht zu einem befürchteten Verkehrskollaps gekommen. Entgegen den Befürchtungen verlief der Demonstrationstag vergleichsweise ruhig.

Ebensolches erhoffte sich die Tiroler Polizei auch für den kommenden Samstag. Gleichwohl sei dies im Vorfeld „relativ schwer einzuschätzen“, sagte der Reuttener Bezirkspolizeikommandant Michael Eder der APA. Die Sperren seien bereits aktuell an der Grenze zu Deutschland beschildert, dementsprechend sollten aus Deutschland kommende Fahrzeuge im Idealfall in Deutschland bleiben. Angehalten würden die Grenze passierende Fahrzeuge bei Reutte-Süd. Allerdings handle es sich nur um eine zweistündige Sperre, betonte auch Eder den Unterschied zur Brenner-Situation zuletzt.

Fernpasspaket soll für bessere Anbindung sorgen

Das sogenannte „Fernpasspaket“ soll den Bezirk Reutte besser an den Tiroler Zentralraum anbinden. Es beinhaltet mit einer Investitionssumme von 500 Millionen Euro und einem Haftungsrahmen von 600 Millionen Euro unter anderem zwei Tunnelprojekte, eine Maut samt Stationen und Lärmschutzmaßnahmen. So sind unter anderem die Errichtung einer zweiten Röhre für den Lermoosertunnel sowie des Fernpasstunnels geplant.

Der Lermoosertunnel-Bau soll 250 Millionen Euro kosten, die Arbeiten 2027 starten. Der Spatenstich für den 160 Millionen Euro teuren Fernpasstunnel soll gegen Ende des heurigen Jahres mit der Errichtung der Baustraße zum Südportal erfolgen, mit einer Inbetriebnahme wurde im Jahr 2029 gerechnet. Weitere 90 Millionen Euro werden für Maßnahmen an der Strecke aufgewendet. Der Fernpasstunnel wird 1,4 Kilometer lang sein und ersetzt 4,8 Kilometer Passstrecke. Für die Einhebung der Maut (rund 14 Euro/Pkw) wird eine Maut- und Erhaltungsgesellschaft gegründet.

APA/UT24

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