von Alexander Wurzer 11.06.2026 16:43 Uhr

Pride-Month: Jugendarbeit warnt vor „Rainbow-Washing“

Der Juni steht weltweit im Zeichen des sogenannten Pride-Months. Auch in Südtirol wird die Initiative von der Landesregierung unterstützt. Unternehmen, Vereine und öffentliche Einrichtungen sind dazu aufgerufen, mit Aktionen, Regenbogenfahnen oder entsprechend gestalteten Logos ein Zeichen der Solidarität mit der LGBT-Gemeinschaft zu setzen.

Verschiedene Pride Flaggen (Foto: netz | Dachverband Offene Jugendarbeit KDS)

Der netz | Dachverband Offene Jugendarbeit begrüßt diese Initiativen grundsätzlich. Gleichzeitig warnt die Organisation davor, dass Sichtbarkeit allein nicht ausreiche. Regenbogenfahnen und bunte Logos seien zwar wichtige Symbole, müssten jedoch von konkreten Maßnahmen begleitet werden.

„In unserer Arbeit erleben wir, dass queere Jugendliche nach wie vor mit Vorurteilen, Ausgrenzung und Diskriminierung konfrontiert sind“, erklärt Christiane Kofler, die beim Dachverband für Gender- und Sexualpädagogik zuständig ist. In der Aussendung wird Kofler mit dem Pronomen-Zusatz „sie/ihr“ angeführt.

Mehr als Fahnen und Logos

Der Dachverband verweist auf die Gefahr des sogenannten „Rainbow-Washings“. Gemeint ist damit, dass Unternehmen oder Institutionen nach außen hin queere Symbole verwenden, ohne entsprechende Maßnahmen zum Schutz vor Diskriminierung oder zur Förderung von Vielfalt umzusetzen.

Wer die Anliegen queerer Menschen ernst nehme, müsse über symbolische Aktionen hinausgehen. Genannt werden unter anderem Sensibilisierungsmaßnahmen, Weiterbildungen, Antidiskriminierungsrichtlinien, geschützte Meldesysteme sowie eine diskriminierungssensible Sprache und Infrastruktur.

Besonders wichtig seien Schutzkonzepte. Diese sollten klare Standards gegen Diskriminierung, Grenzverletzungen und Gewalt schaffen und Betroffenen die Sicherheit geben, dass Vorfälle ernst genommen werden.

„Flagge zeigen reicht nicht“

„Wer Flagge zeigt, sollte auch bereit sein, die notwendigen Rahmenbedingungen für echte Teilhabe und Schutz zu schaffen“, betont Kofler. Gleichberechtigung entstehe dann, wenn Sichtbarkeit von konkreten Maßnahmen und nachhaltigen Strukturen begleitet werde – und zwar nicht nur während des Pride-Months im Juni, sondern das ganze Jahr über.

Der Dachverband Offene Jugendarbeit spricht sich daher für einen langfristigen Einsatz gegen Diskriminierung und für mehr gesellschaftliche Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Orientierungen und Geschlechtsidentitäten aus.

Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite