Naturnser erhält den Jugendpreis 2026

Im folgenden Interview, welches Heidi Gamper mit Weithaler führte, gibt der Jugendpreisträger 2026 persönliche Einblicke in seine bisherigen Tätigkeiten.
Du hast die kirchliche Jugendarbeit in Naturns geprägt. Wie hat das alles angefangen?
Thomas Weithaler: Es hat mit dem Altdekan Georg Peer angefangen. Er war mein Religionslehrer und hat mich begleitet und begeistert. Zum Beispiel, als er mit der Gitarre in die Klasse kam und gleich zu Beginn ein paar Lieder sang. Unser Altdekan war ein Abenteuer-Christ, das hat mich fasziniert. Es gab eine Zeit, in der der Pfadfinderstamm Naturns eigentlich nicht mehr funktionierte. Da hat er ein paar junge Leute hergeholt, unter anderem auch mich, und uns dafür begeistert. Wir haben den Stamm wiederbelebt und das war mein Einstieg in die Jugendarbeit.
Du warst einer der Mitbegründer der SKJ-Ortsgruppe. Was war damals eure Motivation die Ortsgruppe ins Leben zu rufen?
Dazu muss man sagen, dass wir die Jugendfirmung in Naturns schon hatten. Der Altdekan fiel damals aufgrund einer Krankheit aus, weshalb ich die Leitung der Jugendfirmung übernahm. Wir haben bald gemerkt, dass wir viele gemeinsame Säulen mit SKJ haben. Wir haben uns dann gesagt, dass es eigentlich gut wäre, wenn man das verbinden könnte. Unter anderem haben wir erfahren, dass Südtirols Katholische Jugend auch nach Taizé fährt. Und wir haben dann gesagt, es ist ja blöd, wenn wir separat fahren. Tun wir uns zusammen. Diese Zusammenarbeit ist für uns sehr wertvoll geworden, denn es ist einfach gut, einen großen Verein hinter sich zu haben.
Thema Jugendfirmung - du warst in Naturns von Anfang an mit dabei. Wie siehst du den neuen Firmweg 16+?
Jeder Mensch ist anders. Deshalb sage ich den Jugendlichen immer: „Ihr müsst euch entscheiden.” Es gibt nicht den falschen oder den richtigen Weg. Es gibt nur einen Weg, der besser zu dir passt, und einen, der weniger gut zu dir passt. Und sie müssen sich eben den für sich aussuchen. Die unterschiedlichen Firmwege werden bei uns vorgestellt, sodass die Jugendlichen eine Vorstellung davon haben, was auf sie zukommt, und sich für ihren Weg entscheiden können.
Wie ist die Idee zum Jesus-Besinnungsweg entstanden? Was können/sollen die Menschen hier mitnehmen?
Ich habe schon viele Besinnungswege gemacht, zum Beispiel den Franziskusweg, den Jakobsweg oder den Jesus-Trail in Israel. Das sind alles wunderschöne Wege, aber sie sind ganz anders als der Jesusbesinnungsweg. Der Jesusbesinnungsweg ist voller Symbole. Was mich und, ich glaube, auch die Kinder und Jugendlichen ganz fest fasziniert, ist, dass jede Station anders ist. Man weiß nie, was als Nächstes kommt. Ich sage immer, das ist nicht nur ein Werk des Altdekans Peer gewesen, sondern da hat der Heilige Geist ganz fest die Finger im Spiel gehabt.
Wie schaffst du es Kinder und Jugendliche für den Glauben zu begeistern?
Ich bin nicht der Typ, der zu Jugendlichen hingeht und die Kirche unkritisch darstellt. Ich verstehe zum Beispiel jeden Jugendlichen, der sagt: „Wieso soll ich in die Kirche gehen?” Diese Einstellung kann ich nachvollziehen und darüber rede ich mit ihnen. Ich versuche eher, ihnen die Grundlagen beizubringen: christlich zu sein. Ich komme bei den Jugendlichen gut an, weil ich ihnen von meinen eigenen Erfahrungen erzähle. Wenn ich das erzähle, dann ist das ein Glaubenszeugnis, und oft höre ich dann: Da muss schon irgendetwas dahinter sein. Und das ist ja eigentlich das, was ich will. Mehr will ich nicht, denn was dahinterstecken könnte und wie es in ihrem Leben eine Rolle spielen könnte, das können sie selbst herausfinden.
Du warst auch als Pastoralassistent tätig. Wie siehst du die Rolle dieser Berufsgruppe? Sollte es mehr davon geben?
Unbedingt und ich sage immer: Gerade für die Jugendarbeit! Als ich Pastoralassistent war, kam der Dekan Hilpold zu mir und sagte: „Bitte übernimm du die Jugendarbeit. Ich bin ein alter Mensch, ich habe keinen Zugang.“ Deswegen habe ich hauptsächlich die verschiedenen Firmenwege und die Ministranten begleitet. Dadurch hatten die Jugendlichen auch einen Zugang zum Pfarrer. Pastoralassistenten haben eine unglaublich wertvolle Brückenfunktion. Die Pfarrer sind ja alle überfordert, ebenso die Ehrenamtlichen. Ich bin der Meinung, dass die Diözese da finanziell einspringen müsste, weil sich das nicht jede Pfarrei leisten kann.
Was gibt dir dein ehrenamtliches Engagement in der Jugendarbeit?
Jugendarbeit ist für mich das falsche Wort. Denn mit Arbeit verbindet man irgendwie immer Mühe und Stress. Sicher ist es oft auch anstrengend, aber für mich war das nie Arbeit. Für mich ist das eher eine Berufung. Mir ist es oft so gegangen, dass ich nach einer Aktion zufrieden nach Hause gegangen bin. Vielleicht war ich müde, aber ich war zufrieden. Besser kann es nicht gehen. Das Schöne ist, dass ich merke, ich kann etwas bewirken. Auch wenn es oft ganz kleine Dinge sind. Außerdem gefällt mir, dass sich meine Jugendarbeit im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Zunächst habe ich die Gruppen begleitet und motiviert, dann habe ich mich um Organisationssachen gekümmert. Jetzt bin ich für den religiösen Bereich zuständig. So kann ich als alter Mensch immer noch mit der Jugendarbeit mitwachsen.
Freust du dich den Jugendpreis entgegenzunehmen?
Thomas Weithaler: Mein erster Gedanke war: Einen Jugendpreis sollte eigentlich ein Jugendlicher bekommen. Aber dann habe ich mich wirklich gefreut. So eine Anerkennung ist etwas Schönes. Ich freue mich, den Preis zu bekommen. Nicht, weil ich so schwer gearbeitet habe, sondern weil es für mich eine Berufung ist. Ich freue mich, weil ich merke, dass ich etwas bewirken konnte.






