von mmh 05.05.2026 09:20 Uhr

Soldatenfriedhof in Meran: Schützen fordern klare historische Einordnung

Nach den kürzlich abgeschlossenen Restaurierungsarbeiten am italienischen Soldatenfriedhof in Meran meldet sich die Schützenkompanie Meran mit einer klaren Forderung zu Wort. Zwar wird die Pflege der Anlage als „wichtiges und würdiges Zeichen“ anerkannt, doch gleichzeitig kritisieren die Schützen eine aus ihrer Sicht unvollständige Darstellung der historischen Hintergründe.

Symbolbild - Bild: Schützenbezirk Südtiroler Unterland

Im Fokus steht die öffentliche Kommunikation rund um den Friedhof. Nach Ansicht der Schützenkompanie bleiben dabei zentrale historische Aspekte unerwähnt. Auf dem Areal des Stadtfriedhofs befinden sich insgesamt drei Soldatenfriedhöfe mit jeweils unterschiedlicher Entstehungsgeschichte.

Der österreichisch-ungarische Soldatenfriedhof wurde ab 1917/1918 in seiner heutigen Form errichtet, nachdem bereits ab Herbst 1914 erste in Meraner Reservespitälern verstorbene Soldaten bestattet werden mussten. Heute ruhen dort 1528 Gefallene des Ersten Weltkriegs.

Der deutsche Soldatenfriedhof entstand 1943 durch die deutsche Wehrmacht als Begräbnisstätte für Soldaten, die in mehr als 30 Meraner Kriegslazaretten starben. In den Folgejahren wurde er vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge erweitert. Dort sind 1058 Kriegstote des Zweiten Weltkriegs begraben.

Forderung nach Hinweistafel

Der italienische Soldatenfriedhof wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg angelegt. Dort ruhen 281 namentlich bekannte sowie ein unbekannter Toter, laut Mitteilung der Stadtgemeinde „ehemalige Kriegsgefangene aus dem Zweiten Weltkrieg“. Zwei Marmordenkmäler erinnern an die Gefallenen im Krieg und in den Konzentrationslagern.

Die Schützen betonen, dass diese Unterschiede für das Verständnis des Ortes entscheidend seien. Südtirol war bis 1918 Teil Österreich-Ungarns, im Zweiten Weltkrieg dienten die meisten wehrpflichtigen Südtiroler in der deutschen Wehrmacht. Daher seien auf dem österreichisch-ungarischen und dem deutschen Soldatenfriedhof viele Südtiroler bestattet, während dies beim italienischen Soldatenfriedhof nur eingeschränkt der Fall sei. Die dort Bestatteten stammten überwiegend aus anderen Regionen Italiens.

Zudem verweisen die Schützen auf den historischen Kontext nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem die staatliche Zugehörigkeit Südtirols zu Italien gefestigt wurde. Auch die Lage des italienischen Soldatenfriedhofs in unmittelbarer Nähe zu den anderen beiden Anlagen sei in diesem Zusammenhang zu sehen.

Die Schützenkompanie Meran fordert daher die Anbringung einer gut sichtbaren, sachlich gestalteten Hinweistafel. Diese soll die Entstehungsgeschichte aller drei Soldatenfriedhöfe, die Herkunft der Bestatteten sowie den jeweiligen historischen Kontext verständlich darstellen. Ziel sei es, den Stadtfriedhof insgesamt zu einem Ort des Lernens, der Reflexion und des historischen Gedenkens zu machen.

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