Brixen im Zeichen der Diözesanpatrone – gelebte Tradition seit über 300 Jahren

Tradition mit tiefen Wurzeln
Die Kassiansprozession gehört zu den wichtigsten religiösen Traditionen des Landes und ist den Diözesanpatronen Kassian und Vigilius gewidmet. Ihre Ursprünge reichen bis ins Jahr 1704 zurück: Damals erhielt Fürstbischof Kaspar Ignaz von Künigl eine Reliquie des heiligen Kassian aus dem Grab des Heiligen in Imola. Als Dank für den glücklichen Ausgang des „Bayrischen Rummels“ (Krieg von 1703) gelobte man eine jährliche Prozession zu Ehren des Diözesanpatrons – die erste fand noch im selben Jahr, am 13. August 1704, statt.
Seit 1734 wird der sogenannte Kassiansonntag regelmäßig am dritten Sonntag der Osterzeit begangen. Im Zentrum stehen bis heute die Reliquien der Diözesanpatrone sowie weiterer Heiliger, die feierlich durch die Stadt getragen werden. Bemerkenswert: Die Reliquienbüste des zweiten Diözesanpatrons Vigilius wird erst seit 1992 mitgeführt.
Warum Vahrn die Prozession anführt
Ein besonderes Detail, das vielen auffällt: Die Prozession wird traditionell von der Pfarrgemeinde Vahrn eröffnet. Das ist historisch begründet.
Der Überlieferung nach brachten während der Franzosenzeit (napoleonische Kriege) Vahrner Gläubige die Reliquien der Diözesanheiligen in einem Versteck in Vahrn in Sicherheit und bewahrten sie dadurch vor Raub und Verunehrung. Als Dank dafür erhielten sie das bleibende Vorrecht, die Prozession anzuführen.
Dieses Privileg wird bis heute gepflegt und ist ein sichtbares Zeichen historischer Verbundenheit zwischen Vahrn und der Diözese Bozen-Brixen.
Hochfest und Prozession – eine wichtige Unterscheidung
Eine Änderung, die seit 2023 gilt und manchmal für Verwirrung sorgt: Das eigentliche Hochfest der Diözesanpatrone Kassian und Vigilius wird seither am 13. August gefeiert – ausgerechnet dem Tag, an dem 1704 die allererste Kassiansprozession stattfand.
Die feierliche Prozession selbst findet jedoch weiterhin wie gewohnt am dritten Sonntag der Osterzeit statt.
Unterbrechungen in schwierigen Zeiten
Die Prozession blickt auf eine jahrhundertelange Tradition zurück, wurde aber nicht immer in derselben Form durchgeführt. In politisch schwierigen Zeiten – insbesondere während der napoleonischen Epoche sowie in den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts – kam es zu Einschränkungen kirchlicher Praxis.
Zuletzt unterbrach die Corona-Pandemie die Tradition für zwei Jahre. Dennoch blieb die Kassiansprozession im Kern erhalten und wurde nach jeder Krisenzeit wieder aufgenommen.
Pilger aus dem ganzen Eisacktal
Schon in den frühen Morgenstunden trafen heute wieder zahlreiche Bittgänge und Pilgergruppen in Brixen ein. Traditionell stark vertreten sind Gläubige aus dem unmittelbaren Einzugsgebiet – etwa aus Vahrn, Milland, Neustift, Elvas oder Albeins, aber auch aus weiter entfernten Ortschaften wie Lüsen oder St. Andrä machen sich jedes Jahr viele Pilger auf den Weg in die Bischofsstadt.
Begleitet von Musikkapellen, Schützenabordnungen sowie zahlreichen Vereinen und Verbänden ergibt sich ein eindrucksvolles Bild gelebter Volksfrömmigkeit.
Feierliche Messe mit Bischof Ivo Muser
Den Auftakt bildete der Festgottesdienst im Brixner Dom, den Bischof Ivo Muser zelebrierte.
In einer würdevoll gestalteten Feier stellte er die Bedeutung des Glaubens in der heutigen Zeit in den Mittelpunkt und rief dazu auf, Tradition nicht nur zu bewahren, sondern bewusst zu leben.
Musikalisch gestaltet wurde die Heilige Messe von Kirchenchören und Bläsern aus Gröden, Lajen und St. Peter/Lajen.
Glaube, Geschichte und Identität
Die Kassiansprozession ist weit mehr als ein religiöses Ereignis: Sie verbindet Geschichte, Glauben und Gemeinschaft über Generationen hinweg.
Brixen hat heute einmal mehr gezeigt, dass diese tief verwurzelte Tradition – trotz aller historischen Umbrüche – lebendig geblieben ist und auch künftig einen festen Platz im religiösen und kulturellen Leben Südtirols einnehmen wird.






