von ih 09.10.2025 09:42 Uhr

Südtiroler Landtag lehnt umfassenden Igelschutz ab

Der Südtiroler Landtag hat am Donnerstag den Großteil eines Antrags zum Schutz des Igels abgelehnt. Lediglich die Förderung von Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen in Schulen und im Naturkundemuseum fand Zustimmung. Vier weitere konkrete Maßnahmen aus dem Antrag des Team-K-Abgeordneten Franz Ploner stießen hingegen auf Ablehnung – mit dem Hinweis, vieles sei „bereits vorhanden oder in Planung“.

Bild: APA/dpa

Landesrat will von Autonomiereform nichts wissen

Franz Ploner vom Team K reagierte enttäuscht: „Selbst von der vielbeschworenen Autonomiereform, die dem Land mehr Zuständigkeiten im Naturschutz bringen soll, will Landesrat Walcher nichts mehr wissen.“

Dabei sei die Lage ernst: Laut der Weltnaturschutzunion IUCN ist die Population des Braunbrustigels, der auch in Südtirol vorkommt, in den vergangenen zehn Jahren um bis zu 50 Prozent geschrumpft. Seit 2024 steht die Art als „potenziell gefährdet“ auf der Roten Liste.

Ein zentraler Punkt des Antrags war ein nächtliches Verbot von Mährobotern auf öffentlichen Grünflächen, um die Tiere vor Verletzungen zu schützen. „Mähroboter wirken zwar umweltfreundlich, sind für Igel aber eine tödliche Gefahr“, erklärte Ploner. Die Tiere rollen sich bei Gefahr zusammen, statt zu fliehen – ein Verhalten, das ihnen im Kontakt mit den Geräten zum Verhängnis wird. Deren Sensoren erkennen Igel nicht als Hindernis, sodass sie häufig schwer verletzt oder getötet werden. Landesrat Walcher habe diesen Vorschlag fälschlich als Versuch interpretiert, die Geräte generell zu verbieten.

„Kunst der kleinen Schritte wäre gefragt gewesen“

Neben der Technik machen laut Ploner auch Klimaveränderungen, Pestizide und zunehmende Bodenversiegelung den Igeln das Überleben schwer. „Schwindendes Insektenangebot, Maschendrahtzäune, Lichtverschmutzung – all das zwingt Igel in städtische Grünanlagen und Gärten, wo sie erneut Gefahren ausgesetzt sind.“

Franz Ploner fordert, das Land müsse seiner Verantwortung als „Anwalt bedrohter Lebensräume und Lebewesen“ gerecht werden. Sein Antrag sah unter anderem die Aufnahme des Igels ins Naturschutzgesetz, eine Erhebung der heimischen Population sowie die Förderung privater Igelstationen für verletzte Tiere vor.

„Die Kunst der kleinen Schritte wäre gefragt gewesen – aber selbst dazu besteht anscheinend kein Wille“, resümiert Ploner enttäuscht. Zum Vergleich: Ein Mähroboter koste rund 1.000 Euro, die Pflege eines verletzten Igels mindestens ebenso viel – in schweren Fällen sogar doppelt so viel.

Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite