Ein Blog von

Georg Dekas

26.10.2021

O du mein Oesterreich

Gedanken zum Nationalfeiertag der 2. Republik Österreich am 26. Oktober 2021

Wien Grinzing (c) dege 2018

Österreich, geboren vor mehr als 1000 Jahren, emporgewachsen zur Herrin über die halbe Welt, europäisches Großreich. Jäher Absturz 1918. Ganz hinten anstellen, sagen die anderen. Aus dem kaiserlichen Trümmerhaufen eine Nation bilden, wahrlich keine begeisternde Wiedergeburt. Hungersnot, Seuchen und Wiederaufbau. Dann Bürgerkrieg, Ständestaat, Anschluss. Die erste Republik unter der Last der Anforderungen erdrückt. Österreich nach 1945 zerknirscht, bleibt lange Beute und Geisel. Erst 1956 der berühmte Ruf: „Österreich ist frei!“ Es ist dies die Signatur des Nationalfeiertages der zweiten Republik am 26. Oktober.

Eigentlich war es mehr der erste Schrei eines im Hinterhof der Geschichte zur Welt gebrachten Säuglings, denn eine stolze Fanfare. Aber langsam machte sich der geschundene Balg. Und das gar nicht schlecht. Wenn man bedenkt, dass das Kind auf einem taschentuchgroßen Keil leben musste, quer eingeklemmt zwischen dem eisernen Vorhang und atlantischer Übermacht. Wien machte aus seiner Not eine Tugend, wurde zum Sprungbrett für Geschäfte mit dem Osten, zum Dreh- und Angelpunkt der kleinen Tür, die sich die beiden Supermächte offen gelassen hatten.

Als Bruno Kreisky die Staatsgeschäfte in die Hand nahm, wurde Österreich endlich Nation. Aus der Schicksalsgemeinschaft der alten Kronländer und der Reichshauptstadt formte der Großbürger und Sozialdemokrat  einen allseits geachteten, kräftigen, jungen Staat. Der Skisport trug die Farben Rotweißrot in die Welt hinaus. Elan, Leistung, Siegeswillen. Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Kärnten, die Steiermark, Ober- und Niederösterreich waren die Zugpferde, das graue Nachkriegs-Wien erhob sich und wurde eine strahlend weiße Perle. Als letztumkämpftes Landeskind schloss das Burgenland den Reigen der neuen österreichischen Identität. Das alles ist jetzt schon eine Weile her.

Mittlerweile ist das kleine, blockfreie und selbstbewusste Bundes-Österreich zum Mitglied der Europäischen Union geworden. Es pflegt gute außenpolitische Beziehungen. Auch gegenüber den Ländern des ehemaligen Kaiserreiches in der früheren Ostzone. Es hat eine solide soziale Grundlage und eine politische Klasse, um die es manch anderer und größerer Staat beneidet („So einen möchten wir auch haben“, BILD). Leider sehen das die Österreicher selbst nicht so. Wobei man aufpassen muss: Der Mangel an bodenständigem Stolz liegt nicht am Volk als vielmehr an gewissen Zeitungen, Parteien (und Staatsanwaltschaften). Sie lassen es an Zuversicht und Begeisterung für die eigene Nation und ihre Führungskräfte fehlen. Kompensieren ihren Kleinmut mit Klima-, Corona- und Chat-Trara. Mit einer psychoanalytisch-wienerischen Freude am Zerlegen und einer morbiden Nostalgie für den Untergang bemühen sich einflussreiche Kreise, alles kurz- und kleinzumachen, was größer werden könnte als ein Gartenzwerg in einer Linzer Reihenhaussiedlung. Das ist schade und es schadet dem verdienten Wohlgefühl im eigenen Volk. Nicht von ungefähr geben sich diese so selbstgefällig auftretenden Zertrümmerer als Teilhaber und Freunde der kultivierten oberen Zehntausend.

Jahrzehntelang wurde in Österreich die Kultur hoch- und die Politik kleingeredet. Dabei ist in Österreich die Kultur weitaus überschätzt und die Politik weitaus unterschätzt. Vergangenheitsbewältigung ist richtig und wichtig, nur ist diese so nebenbei zum einträglichen Geschäft geworden. Die Eingeweideschau, wie sie in Österreich nach Jahrzehnten des lustigen Peter-Alexander-Pfeifens von den Zeloten  des Politisch Korrekten zelebriert wird, darf nicht so weit gehen, dass darüber die Lust am  puren Sein verdirbt.

Tatsache ist, dass am 26. Oktober 2021 zum Geburtstag der Republik nur dürre Schlagzeilen auf den hinteren Rängen zu vernehmen sind. Kommentare und Überschriften, die alles vermissen lassen, was die Liebe zur eigenen Nation ausmacht. Statt ‚Sie lebe hoch!‘ liest man „lassen wir das Nationale beiseite“ (Kurier) oder einsam und fast schon autoerotisch: „Die Republik feiert sich“ (TT).

Allem Anschein nach kaut Österreich noch am „Cold Turkey“, dem kalten Entzug von Kanzler Sebastian Kurz, dem talentiertesten Jungstaatsmann Europas. Seid zuversichtlich. Die roten Staatsjäger*innen werden ihre digitale Schnitzeljagd nicht gewinnen. Eine Republik ist letztlich nur eine Republik, aber eine Nation, das ist etwas viel Größeres. Die Nation Österreich braucht Kopf, Adler, Fahne, vor allem aber Freude, Lust und Begeisterung. Heissa Kathreinele, schnür dir die Schuh, schürz dir dein Röckele, gönn dir kein Ruh.

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