Günther Rauch

26.09.2019

Geld stinkt nicht – oder doch? Gedanken über Sinn und Unsinn der „Frecce Tricolori“

Es ist sicher lobenswert, dass der Präsident des „Clubs Frecce Tricolori Innichen“ an die Krebshilfe Oberpustertal einen Scheck von dreizehntausend Euro übergeben hat („Dolomiten“, 25. September 2019, S. 31).

„Pecunia non olet“, das Geld stinkt nicht. Auch wenn es von einem Club stammt, der bereits in seiner Bezeichnung die „national“ angehauchte Windrichtung riechen lässt. Dies zur Freude unserer hiesigen linken Italophilen und rechten Souveränisten. Doch in Zeiten einer Welt voller kognitiver Dissonanzen und medien- und bildungspolitischer Manipulierungen ist das noch das kleinste Übel.

Viel problematischer dürfte Sinn und Unsinn dieser „Tricolori“-Kunstflugstaffel und deren Flugakrobatiken sein. Oder hat man das Flugtag-Unglück von Ramstein am 28. August 1988 bereits vergessen, in der die „Frecce Tricolori“ verwickelt waren. 70 Tote – 66 Flugtagbesucher und vier Flugpiloten – und insgesamt 1000 Verletzte und jahrelange Prozesse waren die Folgen. Dem folgte eine Reihe von weiteren Unfällen, wie jener 2008 in Vicenza.

Wenn dann etwas schiefging, zahlten nicht die Verantwortlichen, sondern musste der Staat, sprich der Steuerzahler dafür geradestehen. Man kann sich darum des Eindrucks nicht erwehren, dass alles nach einer PR-Kampagne riecht. Das Problematische an solchen Sendungen, die man ausstrahlen möchte, liegt in dem Versuch der Umwertung der Werte, die dann in einer ökonomisierten und von Scheinheiligkeit und großen Widersprüchen durchtränkten Gesellschaft nicht ausbleibt.

Dabei spielt das Vergessen und Vernebeln von Fakten eine große Rolle. Unbequemes soll ausgegrenzt werden. Man will nicht wahrnehmen, nicht hören und nicht verstehen.

Das beste Beispiel liefert die Flughafenaffäre in Bozen. 70 Prozent der Südtiroler Bevölkerung hat sich in der von der Landesregierung unbedingt gewollten, sündteuren Volksbefragung gegen den Flughafen ausgesprochen. Das setzt sich fort, wenn man seit Jahren dem in den öffentlich-rechtlichen Einrichtungen gut eingenisteten Linkspopulismus nachrennt. Seit neuestem wird sogar zur Durchsetzung und Lösung von politischen Grundsatzfragen das Schulschwänzen gerechtfertigt. Nach den Wahldebakeln in ganz Europa will man jetzt die Jugend vor den Karren der Rattenfänger spannen. Ein Prolog lieferten die Geschehnisse am 15. März 2019 vor dem Landhaus, als Hunderte von Schulkindern mit „rotem Banner und Lied“ – (siehe: https//www.stol.it/Media/Intern/Singen gegen den Klimawandel) unter dem Applaus von Politikern und Medien – ganz im Sinne der zum Shooting-Star avancierten schwedischen Klima-Aktivistin Greta Thunberg für den Klimaschutz und den Verzicht auf Flugreisen demonstrierten.

Wenn die Bewegung nicht von jenen instrumentalisiert wäre, die sich seit jeher gerade in Südtirol gegen die kleinen Wirtschaftskreisläufe, gegen das Heimatbewusstsein, gegen Klasse statt Masse, gegen die Bauern und die kleinen und mittleren Gewerbetreibenden ausgesprochen und den Großkonzernen und Megaeinkaufzentren und der Verbetonierung unserer Kulturlandschaft (siehe Überbevölkerung und Stadtentwicklung in Bozen und Meran) das Wort geredet haben, müsste man den Protestierern in vielem sogar noch recht geben. Und das aus gutem Grund. Bis auf weiteres bleibt das Flugzeug pro Kopf gerechnet, nicht zuletzt Flugmaschinen, bei jedem größeren Event (am 16. Dezember wieder im Gadertal, o pardon Val Badia) mit den dreifarbigen Akrobatiken aufwarten, das umweltschädlichste Verkehrsmittel. Laut Umweltexperten produzieren die Autos pro Personenkilometer viel weniger Treibhausgas als ein Flug.

Die Flugzeughersteller haben das längst kapiert und darum sucht man auch nach Alternativen. Nur der Club der „Frecce Tricolori“ scheint die Alarmzeichen der Zeit nicht verstanden zu haben. Sicher: Verzicht rettet die Welt nicht, aber wo man verzichten kann, soll man beginnen. So gesehen sind die „Frecce Tricolori“ überflüssig wie der Kropf.

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