Ein Blog von

Georg Dekas

28.11.2018

Die wählerische Braut

Die SVP wechselt fliegend aus dem weichen PD-Bett in das etwas härtere Lager der Lega. Nicht ohne sich einen Keuschheitsgürtel mit Vorhängeschloss umzulegen, den „Wertekatalog“. Als ob die edelweiße Braut die begehrteste aller Frauen vom Nordkap bis Malta wäre, kündigt die Brennerstraße zudem an, dass bei den Europawahlen ein anderer dran sein werde. Wenn das nicht “Forza Italia“ ist?

Foto (c) Georg Dekas

Bei den Südtiroler Landtagswahlen vom 21. Oktober 2018 ist die Südtiroler Volkspartei am meisten gewählt worden, hat aber an Zuspruch verloren und ist von 17 auf 15 Mandate abgerutscht. Zur Regierungsmacht braucht es mindestens 18 Mandate. Der linke „Partito Democratico“ kann als Verbündeter und Koalitionspartner auf italienischer Seite nicht mehr aushelfen, weil der auf einen einzigen Abgeordneten geschrumpft ist. Dagegen hat die rechte „Lega Salvini“ bei der italienischen Volksgruppe zwischen Brenner und Salurn einen Volltreffer gelandet und vier neue Köpfe auf die Landtagssessel katapultiert.

Rund einen Monat nach dem Wahlgang hat der Parteiausschuss der SVP mit großer Mehrheit beschlossen, Koalitionsverhandlungen mit der Lega aufzunehmen, um den vorgeschriebenen italienischen Regierungspartner an Land zu ziehen.

Doch die überaus selbstbewusste „Edelweiße“ wechselt nicht ohne weiteres aus dem weichen PD-Bett in das etwas härtere Lager der Lega. Vorher legt sie sich einen eisernen Keuschheitsgürtel mit Vorhängeschloss an. Das ist der so genannte „Wertekatalog“, eine Art von 10 Gebote des Status Quo. Die fuchtelt sie dem auserkorenen Bräutigam der nächsten 5 Landtagsjahre medienwirksam vor der Nase herum, noch bevor das erste Ehewort gesprochen ist.

Als ob die edle Braut die begehrteste aller Frauen vom Nordkap bis Malta wäre, kündigen die Strategen von der Brennerstraße überdies an, dass der Bündnispartner für die kommenden Europawahlen gar nicht die Lega sein werde. Nein, dann kommt „Forza Italia“ dran! Das ist die Partei des Cavaliere Berlusconi und seiner Bozner Statthalterin Biancofiore.

Gegen den Ultra-Nationalismus dieser Weißblume nehmen sich die derben Kerle der Lega geradezu aus wie ein Club von kosmopolitischen Gentlemen. In Rom jedoch sind beide Teil des „Centrodestra“, der für die nationale Renaissance steht. Und da geht die SVP jetzt her, und verlangt von der Lega die Aufgabe von Wesensart und patriotischer Mission? Soll Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini Kreide fressen, damit der fliegende Partnerwechsel nicht allzu peinlich wirkt?

Wenn das alles nicht ein gänzlich naives „Cherry-picking“ einer zickigen Lady ist, dann mag es ein plumper Täuschungsversuch an die Adresse der Flut von Legawählern in Südtirol sein, von der Art: „Ich hab ja wollen und hab mich auch getraut, aber leider muss ich die Scheidung einreichen, denn der Hias hat sich sooo was von daneben benommen!“

Und wieder einmal wäre der mehrheitliche italienische Wählerwille missachtet, wie schon all die Jahrzehnte davor. Im Übrigen zu Teilen auch der deutsche, denn als gerupfte Mehrheitspartei der „zweiten SVP“ von Paul Köllensperger die Tür vor der Nase zuschlagen, das wird Folgen haben. Mit einem Wort: Die SVP zerschlägt gerade Tonkrüge links und rechts, oben und unten, deutsch und italienisch. In den Augen der Südtiroler wird sie mehr und mehr zur Partei des schieren Machterhalts einiger Kreise und Personen. Auch das hat Folgen.

Die SVP war am 21. Oktober angetreten, um Chaos zu verhindern und Stabilität zu gewährleisten. In Zeiten des stürmischen Wandels bedeutet solches mehr als sich an den gewohnten Stand der Dinge klammern. Sich mit der Lega ins Bett legen ist vernünftig, aber bitte ohne Keuschheitsgürtel, dafür aber mit Takt. Doch Achtung: Wir haben es immer mit der römischen Wölfin zu tun.

Anstatt froh zu sein über die Stimmenverluste der Heimatparteien, sollte uns die SVP lieber zeigen, wie man die Heimat unter widrigen Umständen bis auf die Zähne verteidigt. Das nämlich ist angesagt.

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