von mag 03.11.2026 06:37 Uhr

Papier statt Plastik: Was für ein EU-Irrsinn!

Eine neue Studie stellt die Umweltbilanz von Papierstrohhalmen infrage. Haben die Verantwortlichen zu wenig nachgedacht, bevor sie Plastik verboten? Was als großer Schritt für die Umwelt gedacht war, könnte sich als gut gemeinte Fehlentscheidung erweisen.

(Symbolbild von bridgesward auf Pixabay)

Erst verbietet die EU den Plastikstrohhalm, dann kommt die Wissenschaft und stellt die vermeintlich grüne Alternative infrage: Papierstrohhalme könnten in mehreren Umweltkategorien schlechter abschneiden als ihre Plastik-Pendants. War das Verbot also ein umweltpolitischer Schnellschuss? Eine neue südkoreanische Untersuchung liefert jedenfalls reichlich Stoff für Zweifel – und wirft die Frage auf, ob in Brüssel manchmal das gute Gewissen wichtiger ist als die tatsächliche Umweltbilanz.

Plastik schneidet überraschend gut ab

Die Forscher verglichen vier Arten von Einweg-Strohhalmen: aus herkömmlichem Kunststoff, Papier, biologisch abbaubarem Kunststoff und biobasiertem Kunststoff. Bewertet wurden die Auswirkungen von der Herstellung bis zur Entsorgung in insgesamt 16 Umweltkategorien.

Das Ergebnis überrascht: Herkömmliche Plastikstrohhalme schnitten in zehn Kategorien am besten ab. Papierstrohhalme lagen dagegen bei mehreren Umweltindikatoren schlechter. Bei einer modellierten Kennzahl für krebserzeugende Auswirkungen über den gesamten Lebenszyklus lag ihr Wert sogar um das 6,33-Fache über jenem herkömmlicher Plastikhalme. Allerdings beziehen sich die Ergebnisse auf die in Südkorea zugrunde gelegten Produktions- und Entsorgungsbedingungen. Ob die Umweltbilanz unter europäischen Bedingungen genauso ausfallen würde, lässt sich daraus nicht unmittelbar ableiten.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Papierstrohhalme beim Trinken ein 6,33-mal höheres Krebsrisiko verursachen. Die Kennzahl beschreibt modellierte Belastungen durch Emissionen entlang des Lebenszyklus, nicht das persönliche Erkrankungsrisiko. Trotzdem wirft die Untersuchung eine berechtigte Frage auf: Wie sinnvoll sind Verbote, wenn Ersatzprodukte nicht automatisch umweltfreundlicher sind?

Die grüne Alternative ist nicht ohne Tücken

Seit 2021 verbietet die EU das Inverkehrbringen bestimmter Einwegkunststoffprodukte, darunter Plastikstrohhalme. Ziel ist es, Plastikmüll zu reduzieren und insbesondere Meere und Ökosysteme zu schützen. Das Anliegen ist nachvollziehbar. Doch die neue Untersuchung liefert Argumente gegen eine Umweltpolitik, die sich zu sehr auf den Austausch eines Materials konzentriert. Denn auch Papier benötigt Rohstoffe, Wasser und Energie. Und ein Produkt wird nicht allein deshalb nachhaltig, weil es sich natürlich anfühlt oder aus nachwachsenden Rohstoffen besteht.

Bereits 2023 fanden Forscher der Universität Antwerpen in 27 von 39 untersuchten Strohhalmmarken sogenannte PFAS – besonders häufig bei Papier- und Bambusvarianten. Diese langlebigen Chemikalien können sich in der Umwelt anreichern und je nach Verbindung gesundheitliche Risiken bergen. Daraus folgt allerdings nicht, dass jeder Papierstrohhalm belastet oder gesundheitsschädlich ist.

Weniger Einweg wäre konsequenter

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht einfach Papier oder Plastik. Vielmehr sollte geprüft werden, welche Lösung insgesamt die geringsten Umweltbelastungen verursacht. Auch die südkoreanische Untersuchung legt nahe, den Verbrauch von Einwegprodukten grundsätzlich zu reduzieren, statt nur bestimmte Materialien auszutauschen.

Die EU wollte mit dem Plastikstrohhalm-Verbot ein Zeichen für den Umweltschutz setzen. Doch ein Zeichen ist noch keine gute Umweltpolitik. Wenn eine vermeintlich grüne Alternative bei wichtigen Umweltkriterien schlechter abschneidet, muss es erlaubt sein, die ursprüngliche Entscheidung kritisch zu hinterfragen.

Weniger Einwegmüll wäre ein sinnvolles Ziel – unabhängig davon, ob der Strohhalm aus Papier oder Kunststoff besteht.

Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite