Bauernverbände fordern starkes EU-Agrarbudget und weniger Bürokratie

Wie der Südtiroler Bauernbund mitteilt, entscheidet sich in den nächsten Wochen, wie der EU-Finanzrahmen bis 2034 aussieht und wie viel Geld die Landwirtschaft bekommt. Ein Großteil der EU-Staaten setze sich für eine angemessene Finanzierung ein, Länder wie Deutschland und Österreich würden aber bremsen. Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser sagt, es brauche ein gut finanziertes Agrarbudget, das auch die Inflation berücksichtigt. Dabei gehe es nicht nur um die Landwirtschaft, sondern auch um die Versorgungssicherheit und die Pflege der Kulturlandschaft. Matthias Borst vom Bayerischen Bauernverband hält mindestens 500 Milliarden Euro für die nächsten sieben Jahre für notwendig. Das seien gerade einmal 43 Cent pro Tag und Bürger.
Bei der künftigen Agrarpolitik soll am Konzept des „aktiven Landwirts“ festgehalten werden, Nebenerwerbsbauern eingeschlossen. Die Verbände wollen sich außerdem für eine „Erste-Hektare-Regelung“ starkmachen: Für die ersten Hektare soll es mehr Geld geben, wovon vor allem kleinere Betriebe profitieren würden. Für den Generationenwechsel fordern sie ein Investitions- und Starterpaket für Jungbauern sowie gezielte Förderungen für Hofübernehmerinnen.
Kritik gibt es an der zunehmenden Bürokratie. Statt weniger würden die Auflagen und Dokumentationspflichten laufend mehr, sagt Borst. Genannt werden die EU-Entwaldungsverordnung und die EU-Naturwiederherstellungsverordnung. Besonders die Renaturierung bereitet den Vertretern Sorgen. Sie sei im Berggebiet schwer umzusetzen, da vor allem Siedlungsräume und landwirtschaftliche Flächen betroffen seien. Josef Geisler, Obmann des Tiroler Bauernbundes, befürchtet, dass dadurch Flächen der Lebensmittelproduktion entzogen werden und Mehrkosten in Milliardenhöhe entstehen. Josef Hechenberger, Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer, warnt, dass auch Wohnbau und öffentliche Projekte teurer werden könnten. Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner sagt, mehr Biodiversität müsse „mit Hausverstand“ umgesetzt werden. Gegen mehr Naturschutz seien die Verbände grundsätzlich nicht.
Auch der Klimawandel war ein Thema. Die Trockenheit im Sommer habe vielerorts zu Ernteausfällen geführt, deshalb werde Risikomanagement wichtiger. In Österreich lässt sich das Dürrerisiko über zwei Modelle versichern. In Südtirol soll das Angebot über die Gesellschaft „Isidor“ von Bauernbund und Hagelschutzkonsortium weiter ausgebaut werden, so Landesobmann-Stellvertreter Michael Kaufmann. Zudem müsse die Bewässerung ausgebaut werden. Auf Interesse stieß der geplante landesweite Bewässerungsplan des Landes Südtirol, der laut Rinner Gebiete mit Wasserdefiziten aufzeigen soll.
Beim Pflanzenschutz kritisiert Gasser, dass die Zulassung neuer Wirkstoffe viel zu lange dauere. Eine Zulassung für 15 Jahre sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber „noch nicht der große Wurf“.






