von lif 25.10.2026 16:56 Uhr

Immer mehr Skifahrer krachen ineinander

In wenigen Wochen öffnen Südtirols Skigebiete. Bevor die ersten Lifte laufen, lohnt sich ein Blick auf die Zahlen der vergangenen Saison. Sie zeigen eine Entwicklung, die sich nicht mit mehr Gästen allein erklären lässt.

APA/THEMENBILD

Das Landesinstitut für Statistik erhebt jeden Winter die Unfälle auf Südtirols Skipisten. Befragt werden die Betreiber selbst, zuletzt beteiligten sich 92 von 98, die zusammen rund 99 Prozent aller Pistenbenutzer abdecken. Erfasst wurden Pisten auf einer Fläche von 44 Quadratkilometern. In der Saison 2024/25 verunglückten dabei 11.905 Menschen auf Ski, Snowboard oder anderen Wintersportgeräten. In der Saison davor waren es 11.121. Das ist ein Anstieg um sieben Prozent. Umgerechnet auf eine Saison von rund 150 Skitagen bedeutet das etwa 79 Unfälle pro Tag.

Entscheidend ist aber nicht die Gesamtzahl, sondern ihre Zusammensetzung. Das ASTAT unterscheidet danach, wie es zum Unfall kam. Der Sturz ohne Fremdbeteiligung bleibt mit Abstand die häufigste Ursache. Sein Anteil ging allerdings von 77,6 auf 75,7 Prozent zurück. Der Anteil der Zusammenstöße mit anderen Personen stieg dagegen von 11,4 auf 14,3 Prozent. Rechnet man diese Anteile auf die Gesamtzahlen um, ergibt sich ein deutliches Bild. Die Stürze ohne Fremdbeteiligung nahmen von rund 8.630 auf rund 9.010 zu, ein Plus von gut vier Prozent. Die Zusammenstöße stiegen von rund 1.270 auf rund 1.700. Das sind rund 34 Prozent mehr. Während also die klassischen Einzelstürze ungefähr im Takt der Besucherzahlen wachsen, legen die Kollisionen um ein Vielfaches schneller zu.

Dieselbe Entwicklung, andere Datenquelle

Dass es sich dabei nicht um einen Ausreißer in der Südtiroler Statistik handelt, zeigt ein zweiter, davon völlig unabhängiger Datensatz. Die Auswertungsstelle für Skiunfälle der ARAG, die seit der Saison 1979/80 Meldungen deutscher Skifahrer auswertet, verzeichnete für 2024/25 genau 1,90 Kollisionen mit Verletzungsfolge je 1.000 Skifahrer. Das ist der höchste Wert seit Beginn dieser Erhebung vor mehr als vierzig Jahren. Wichtig zur Einordnung: Diese Zahl bezieht sich auf deutsche Wintersportler und nicht auf Südtiroler Pisten. Sie misst auch etwas anderes, nämlich Kollisionen je 1.000 Fahrer statt Anteile an allen Unfällen. Dass zwei getrennt erhobene Datensätze gleichzeitig in dieselbe Richtung zeigen, macht den Befund aber belastbarer, als es jeder für sich wäre.

Dieselbe Auswertung zeigt auch, dass die Unfälle schwerer werden. Der Anteil der stationär behandelten Verletzten stieg von 1,73 auf 2,03 je 1.000 Skifahrer. Knieverletzungen bleiben die häufigste Verletzungsart, und ihr Risiko erreichte den höchsten Wert seit zehn Jahren.

Wen es trifft

Die größte Gruppe unter den Verunglückten sind nicht die Anfänger im mittleren Alter, sondern die Jungen. Auf die Altersgruppe von elf bis 20 Jahren entfielen 22,3 Prozent aller Unfälle, in der Saison davor waren es 21,0 Prozent. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil es jene Gruppe ist, die am häufigsten auf Südtirols Pisten steht, ohne für den Winterurlaub bezahlt zu haben: Einheimische Kinder und Jugendliche, oft im Schulskikurs oder am Wochenende mit Saisonkarte.

Was viele Einheimische nicht wissen

Seit dem 1. Januar 2022 ist auf Skipisten in ganz Italien eine private Haftpflichtversicherung Pflicht. Wer ohne sie erwischt wird, zahlt ein Bußgeld von 150 Euro. Die Pflicht gilt für alle, die auf der Piste Ski oder Snowboard fahren, nicht nur für Urlauber. Das wird bei Gästen aus dem Ausland regelmäßig thematisiert, bei Einheimischen deutlich seltener. Dabei ist es gerade für sie relevant, denn bei einem Zusammenstoß haftet, wer den Unfall verursacht hat, und zwar für Behandlungskosten, Verdienstausfall und Folgeschäden des anderen.

Wie teuer das werden kann, zeigt eine Auswertung des deutschen Versicherungsverbands GDV: Ein Skiunfall kostet dort im Schnitt 7.907 Euro, rund 400 Euro mehr als vor fünf Jahren. Rettungseinsätze, besonders mit dem Hubschrauber, können fünfstellig werden und werden nur bei medizinischer Notwendigkeit erstattet.

Viele Privathaftpflichtversicherungen decken das Skifahren bereits ab. Wer nicht sicher ist, sollte vor dem ersten Skitag bei seiner Versicherung nachfragen und sich den Nachweis ausstellen lassen. Die Skigebietsbetreiber sind verpflichtet, an der Kasse eine Versicherung anzubieten, wenn jemand keinen Nachweis vorlegen kann. An einem Samstagmorgen mit Schlange am Schalter ist das allerdings die unangenehmste Art, sich darum zu kümmern.

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