von lif 25.10.2026 18:29 Uhr

Großer Österreichischer Zapfenstreich: Starkes Bekenntnis zu Tirol und Österreich

Der Waltherplatz in Bozen ist heute (25. Oktober) im Zeichen der Verbundenheit mit Tirol und dem Vaterland gestanden. Anlässlich des österreichischen Nationalfeiertages veranstaltete der Südtiroler Schützenbund am Vorabend einen „Großen Österreichischen Zapfenstreich“ und setzte damit ein sichtbares Zeichen für die gemeinsame Geschichte, Kultur und Identität über die Landesgrenzen hinweg. Schützen, Marketenderinnen, Musikanten und zahlreiche Ehrengäste verliehen dem Festakt einen würdigen und feierlichen Rahmen.

Zapfenstreich Waltherplatz (Foto: SSB/Richard Andergassen)

Bereits am späten Nachmittag versammelten sich die teilnehmenden Formationen im Bereich des Silvius-Magnago-Platzes und der Laurinstraße. Um 17 Uhr setzte sich der Festzug in Bewegung und marschierte über die Bahnhofsallee auf den Waltherplatz ein.

Neben der Musikkapelle Enneberg und dem Kortscher Trommlerzug waren es vor allem die Ehrenformationen der Schützenbezirke Pustertal und Bozen, die dem Festakt sein militärisch-traditionelles Gepräge verliehen. Zahlreiche Schützen und Marketenderinnen aus den verschiedenen Bezirken Südtirols sowie Fahnenabordnungen nahmen an der Veranstaltung teil.

  • Einmarsch (Foto: SSB/Richard Andergassen)

Nach der Aufstellung der Formationen eröffnete Bundesgeschäftsführer Mjr. Egon Zemmer den Festakt und begrüßte die anwesenden Ehrengäste. Unter ihnen befanden sich der österreichische Generalkonsul in Mailand, Mag. Wolfgang Lukas Strohmayer, der österreichische Nationalratsabgeordnete und Südtirol-Sprecher der FPÖ, Christofer Ranzmaier, Landeshauptmann-Stellvertreterin Rosmarie Pamer, Altlandeshauptmann Dr. Luis Durnwalder sowie weitere Vertreter aus Politik, Gesellschaft und dem Tiroler Schützenwesen. Ein besonderer Gruß galt den Vertretern der Stadt Bozen, die für die Veranstaltung die Schirmherrschaft übernommen hatte.

Durch den Abend führten Karin Meister und Ehrenlandeskommandant Elmar Thaler, die den Anwesenden die einzelnen Programmpunkte sowie deren geschichtliche und traditionsbezogene Bedeutung näherbrachten.

Österreichische Bundesfahne über dem Waltherplatz

Nach dem landesüblichen Empfang mit Ehrensalve folgte einer der symbolträchtigsten Augenblicke der Veranstaltung: der feierliche Einzug und die Hissung der rot-weiß-roten österreichischen Bundesfahne. Die Fahnenabordnung, gebildet aus jungen Offizieren der verschiedenen Schützenbezirke, trug die österreichische Fahne auf den Waltherplatz. Die feierliche Hissung unterstrich die enge historische und emotionale Verbundenheit der Südtiroler Schützen mit Österreich.

Anschließend erklang der „Große Österreichische Zapfenstreich“, dargeboten von der Musikkapelle Enneberg und begleitet von den Ehrenformationen. Die traditionsreiche militärmusikalische Zeremonie bildete den Höhepunkt des Abends. Musik, Kommandos und die exakt aufeinander abgestimmten Bewegungen der Formationen verliehen dem Festakt seinen besonderen Charakter.

Der Große Österreichische Zapfenstreich ist weit mehr als eine musikalische Darbietung. Er steht für soldatische Tradition, Gemeinschaft, Besinnung und die Verbundenheit mit der Heimat. In Tirol ist seine Aufführung insbesondere im Zusammenhang mit dem österreichischen Nationalfeiertag tief verwurzelt.

Grußworte und würdiges Totengedenken

Im Anschluss an den Zapfenstreich richtete Landeshauptmann-Stellvertreterin Rosmarie Pamer ihre Grußworte an die versammelten Schützen und Festgäste.

Einen weiteren feierlichen Höhepunkt bildete das Totengedenken. Im Beisein von Landeskurat Pater Christoph Waldner OT gedachten die Schützen jener Kameraden und Vorfahren, die sich für die Heimat eingesetzt hatten und nicht mehr unter ihnen weilen. Mit der Niederlegung eines Lorbeerkranzes und einer Ehrensalve erwiesen die Ehrenformationen den Verstorbenen die letzte Ehre. Das Totengedenken erinnerte zugleich an die Verantwortung der heutigen Generation, das überlieferte Erbe zu bewahren und an die Jugend weiterzugeben.

  • Totengedenken (Foto: SSB/Richard Andergassen)

Landeskommandant Schmid: „Wir sind eine österreichische Minderheit im italienischen Staat“

In seinen Schlussworten stellte Landeskommandant Mjr. Christoph Schmid die Bedeutung der gemeinsamen Tiroler Geschichte und die Verbundenheit Südtirols mit Österreich in den Mittelpunkt.

„Heute haben wir hier auf dem Waltherplatz gemeinsam ein starkes Zeichen unserer Verbundenheit mit Tirol und unserem Vaterland Österreich gesetzt“, erklärte Schmid.

Dass die Schützen den österreichischen Nationalfeiertag mitten in Bozen begehen, sei ein bewusstes Bekenntnis zur eigenen Geschichte, Kultur und Identität. Diese Verbundenheit gelte es über die Unrechtsgrenze hinweg zu bewahren und an die kommenden Generationen weiterzugeben. Dabei erinnerte der Landeskommandant an die geschichtlichen und politischen Grundlagen der Südtiroler Autonomie.

„Wir sind eine österreichische Minderheit im italienischen Staat.“ Dieses Bewusstsein sei über Jahrzehnte hinweg ein wesentlicher Grundpfeiler des politischen Handelns und des Zusammenhalts in Südtirol gewesen. Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen äußerte Schmid jedoch die Sorge, dass die Bedeutung dieser gemeinsamen Identität zunehmend in den Hintergrund trete. „Dabei dürfen wir niemals vergessen, wer wir sind, woher wir kommen und wem wir uns verbunden fühlen!“, mahnte der Landeskommandant.

Deutliche Kritik an staatlichen Behörden

Besonders klare Worte fand Schmid für die Schwierigkeiten, mit denen der Südtiroler Schützenbund im Vorfeld der Veranstaltung konfrontiert worden war. Noch wenige Tage vor dem Festakt seien vonseiten staatlicher Behörden Hindernisse aufgetreten, die für den Schützenbund nicht nachvollziehbar gewesen seien. So sei unter anderem das Hissen der österreichischen Fahne auf dem Waltherplatz infrage gestellt worden. Auch die traditionellen Ehrensalven hätten kurzfristig erheblich eingeschränkt werden sollen. Schmid erinnerte daran, dass der Südtiroler Schützenbund seit Jahrzehnten vergleichbare Veranstaltungen friedlich und verantwortungsbewusst durchführe.

„Wenn wir in unserer Heimat die Fahne unseres Vaterlandes Österreich hissen und unser überliefertes Brauchtum pflegen, dann sollte das eine Selbstverständlichkeit sein und kein Anlass für behördliche Auseinandersetzungen“, betonte der Landeskommandant.

Unmissverständlich hielt er fest: „Unsere Geschichte, unsere Identität und unsere Verbundenheit mit Österreich lassen wir uns nicht verbieten!“

Appell an Österreich als Schutzmacht

Direkt an den anwesenden österreichischen Generalkonsul Wolfgang Lukas Strohmayer und den Nationalratsabgeordneten Christofer Ranzmaier gerichtet, forderte Schmid, die Anliegen der Südtiroler Schützen an die zuständigen Stellen in Österreich weiterzutragen. Es könne nicht sein, dass sich die Südtiroler Schützen ausgerechnet für das Hissen der österreichischen Fahne und die Pflege ihres überlieferten Brauchtums rechtfertigen müssten.

„Wir erwarten uns, dass Österreich als unsere Schutzmacht diese Entwicklungen aufmerksam verfolgt und sich auch weiterhin mit Nachdruck für unsere Rechte und den Schutz unserer Identität einsetzt“, so Schmid.

Damit verband der Landeskommandant den feierlichen Anlass mit einer klaren politischen Botschaft: Die kulturelle Identität und die historischen Bindungen Südtirols an Österreich dürften nicht in Vergessenheit geraten.

Schützenjugend als Hoffnung für die Zukunft

Ein besonderes Anliegen war dem Landeskommandanten die Würdigung der jungen Schützen, die den Festakt maßgeblich mitgestaltet hatten. Die Ehrenformationen aus dem Pustertal und aus Bozen sowie die Abordnung mit der österreichischen Bundesfahne hatten in zahlreichen Proben und Vorbereitungen großes Engagement gezeigt. Schmid dankte den jungen Kameraden für ihre Bereitschaft, Freizeit zu opfern, Verantwortung zu übernehmen und die Traditionen des Schützenwesens mit Leben zu erfüllen.

„Euer Einsatz gibt mir als Landeskommandant große Zuversicht für die Zukunft unseres Schützenwesens“, erklärte er und brachte seine Freude mit den herzlichen Worten zum Ausdruck:

„I honn a richtige Freid mit enk!“

Gerade die Mitwirkung der jungen Generation habe gezeigt, dass das Tiroler Schützenwesen nicht nur auf eine lange Geschichte zurückblicke, sondern auch eine lebendige Zukunft habe.

Dank an alle Mitwirkenden

Zum Abschluss dankte Schmid allen Beteiligten, die zum Gelingen des Festaktes beigetragen hatten. Sein besonderer Dank galt der Musikkapelle Enneberg, dem Kortscher Trommlerzug, den beiden Ehrenkompanien, den Fahnenabordnungen sowie den zahlreichen Schützen und Marketenderinnen.

Dem Land Südtirol dankte der Landeskommandant für die Unterstützung und der Stadt Bozen für die Übernahme der Schirmherrschaft.

Besonders hob Schmid die Arbeit des Organisationskomitees unter der Leitung von Bundesgeschäftsführer Mjr. Egon Zemmer hervor, von dem auch die Idee zur Durchführung des Großen Österreichischen Zapfenstreiches in Bozen stammte. Mit großem persönlichem Einsatz habe Zemmer die Vorbereitungen maßgeblich vorangetrieben. Ein ausdrücklicher Dank galt der gesamten Bundesleitung und den zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.

„Alles für Tirol und Ehre unserem Vaterland Österreich!“

Mit einem eindringlichen Appell an den Zusammenhalt und die Verantwortung für die Heimat beendete Landeskommandant Christoph Schmid seine Ansprache. „Stehen wir zu unseren Wurzeln, bewahren wir unsere Identität und bleiben wir unserem Vaterland Österreich verbunden!“, rief er den Anwesenden zu. Mit den Worten „Alles für Tirol und Ehre unserem Vaterland Österreich!“ und einem dreifachen „Schützen-Heil!“ schloss der Landeskommandant den Festakt.

Anschließend marschierten die Formationen vom Waltherplatz ab. Im Waltherhaus fand die Veranstaltung bei einem gemeinsamen Imbiss und Umtrunk ihren kameradschaftlichen Ausklang.

Der Große Österreichische Zapfenstreich in Bozen war damit nicht nur eine eindrucksvolle militärmusikalische Zeremonie, sondern zugleich ein bewusstes Bekenntnis des Südtiroler Schützenbundes zu seiner Tiroler Identität, seiner Geschichte und seiner bleibenden Verbundenheit mit Österreich.

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