von wk 22.10.2026 12:21 Uhr

11 Millionen Euro für die Post – doch die Mängel bleiben

Personalmangel, verspätete Zustellungen und Defizite bei der Zweisprachigkeit: Der ASGB fordert bessere Arbeitsbedingungen und eine stärkere Ausrichtung auf die Bürger.

Tony Tschenett, Vorsitzender des ASGB - Foto: ASGB

Für den Zeitraum 2024 bis 2026 sieht das Abkommen zwischen dem Land Südtirol und Poste Italiane Spa jährlich elf Millionen Euro vor. Trotzdem gebe es weiterhin Probleme bei der Zustellung, an den Schaltern und bei der Einhaltung der Zweisprachigkeit. Das kritisiert der Autonome Südtiroler Gewerkschaftsbund (ASGB) unter seinem Vorsitzenden Tony Tschenett.

Fehlendes Personal belastet Beschäftigte und Bürger

Nach Angaben des ASGB hätten 25 Südtiroler Gemeinden bei Erhebungen des Landes erhebliche Probleme mit dem Postdienst gemeldet. In 21 Prozent der Gemeinden sei die Zweisprachigkeit nach eigenen Angaben nicht ausreichend eingehalten worden.

Ein zentrales Problem sieht Tschenett beim Personal. Sowohl in der Zustellung als auch an den Schaltern fehlten Mitarbeiter. Offene Stellen würden aus Sicht der Gewerkschaft nicht ausreichend nachbesetzt. Zudem kämen mitunter Beschäftigte zum Einsatz, deren Sprachkenntnisse den Anforderungen in Südtirol nicht entsprächen.

Als wenig attraktiv beschreibt der ASGB die Arbeitsbedingungen: Einstiegsgehälter lägen teilweise bei rund 1.350 Euro netto im Monat, dazu komme eine Sechs-Tage-Woche. Bei den hohen Lebenshaltungskosten in Südtirol werde es dadurch schwierig, ortsansässige Beschäftigte zu gewinnen und langfristig zu halten. Die Folgen seien eine höhere Arbeitsbelastung, längere Wartezeiten und verspätete Zustellungen.

Verkaufsziele setzen Beschäftigte unter Druck

Kritik übt die Gewerkschaft auch am Verkaufsdruck in den Postämtern. Schalterbeamte und Postamtsleiter müssten neben der Betreuung der Bürger auch Produkte wie Sparbücher, Konten, Postepay-Karten, Versicherungen, Handy- und Internetverträge sowie Strom- und Gasverträge verkaufen. Die damit verbundenen Verkaufsziele erhöhten den Druck auf die Beschäftigten.

Bei einem öffentlichen Dienst müsse die Betreuung der Bürger im Mittelpunkt stehen, betont der ASGB. Vorgegebene Verkaufsbudgets sollten nicht den Arbeitsalltag bestimmen.

ASGB fordert bessere Anerkennung der Zweisprachigkeit

Auch bei der Zweisprachigkeit bestehe Handlungsbedarf. Fehlende Sprachkenntnisse erschwerten die Kommunikation mit den Bürgern und führten immer wieder zu Unverständnis. Zudem werde die Zweisprachigkeit bei der Post finanziell deutlich geringer anerkannt als im öffentlichen Dienst: Die entsprechende Zulage erreiche laut ASGB nur ungefähr die Hälfte des dort üblichen Betrages.

Der ASGB fordert deshalb, zweisprachige Qualifikationen angemessen zu bezahlen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Bei jährlich elf Millionen Euro Landesmitteln stelle sich außerdem die Frage, welche konkreten Verbesserungen Poste Italiane für dieses Geld gewährleiste.

Für Tschenett müsse ein öffentlicher Dienst ausreichend Personal haben, faire Arbeitsbedingungen bieten und die Zweisprachigkeit konsequent einhalten. Solange diese Voraussetzungen nicht erfüllt seien, werde zu wenig geliefert. Denn bei der Post gehe es nicht nur ums Geschäft, sondern auch um einen öffentlichen Auftrag, der funktionieren müsse.

 

 

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