Tourismus im Unterland: Wachstum bleibt verhalten, Betriebe unter Druck

Südtirols Tourismus erreicht neue Höchststände. Doch die Rekordmeldungen erzählen nicht die ganze Geschichte: Das Überetsch und Unterland entwickelt sich deutlich verhaltener als viele andere Landesteile. Die Zahlen zeigen zwar keinen durchgehenden Rückgang, aber geringere Zuwächse und eine schwierige wirtschaftliche Lage für einen Teil der Betriebe.
Zuwachs im Winter unter dem Landesschnitt
Im Winterhalbjahr 2024/25 stiegen die Übernachtungen im Überetsch-Südtiroler Unterland um 2,3 Prozent auf 519.105. Südtirolweit betrug das Plus 2,6 Prozent. Der absolute Zuwachs im Unterland war mit 11.903 zusätzlichen Übernachtungen der geringste unter den Bezirksgemeinschaften. Das geht aus den Zahlen des Landesinstituts für Statistik ASTAT hervor.
Im Sommerhalbjahr 2025 legten die Nächtigungen zwar in allen acht Bezirksgemeinschaften zu. Ein flächendeckender Rückgang im Unterland lässt sich daher nicht behaupten. Doch die landesweiten Rekordwerte dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Entwicklung regional sehr unterschiedlich ausfällt.
Jeder fünfte Betrieb meldet schlechte Ertragslage
Besonders deutlich wird die angespannte Lage beim Blick auf die Betriebe: Laut einer Erhebung des WIFO fällt die Einschätzung im Überetsch und Unterland verhaltener aus als in besonders positiv gestimmten Bezirken wie dem Wipptal, Salten-Schlern und Bozen. Jeder fünfte Beherbergungsbetrieb im Überetsch und Unterland meldet eine schlechte Ertragslage.
Damit zeigt sich ein widersprüchliches Bild: Während die Tourismuszahlen für Südtirol insgesamt steigen, profitieren die Regionen und Betriebe nicht gleichermaßen. Ein Plus bei den landesweiten Nächtigungen sagt wenig darüber aus, wie gut einzelne Gebiete und Unternehmen tatsächlich dastehen.
„Hier ist noch Platz für Touristen in Südtirol“
Im Unterland wird die Debatte über zu viele Gäste anders geführt als in stark belasteten Tourismusgebieten. Rai Südtirol berichtete im Mai, dass sich die Region touristisch eher schwach aufgestellt sehe und noch Entwicklungspotenzial habe. Dort wünsche man sich durchaus mehr Tourismus.
Auch der September 2026 brachte für einzelne Gemeinden ein deutliches Minus: In Salurn sanken die Übernachtungen gegenüber dem Vorjahresmonat um 34,4 Prozent auf 2.729. Dieser Wert betrifft eine einzelne Gemeinde und steht nicht stellvertretend für das gesamte Unterland. Er zeigt aber, wie stark die Entwicklung vor Ort vom landesweiten Rekordbild, UT24 hat berichtet, abweichen kann.
Das Unterland ist damit nicht pauschal eine Tourismusregion im Rückgang. Im Vergleich zum restlichen Südtirol bleibt die Entwicklung aber wenig berauschend: Das Wachstum fällt überschaubar aus, der absolute Zuwachs war im Winter der geringste, und jeder fünfte Beherbergungsbetrieb berichtet von einer schlechten Ertragslage.






