„Südtirol“ allein reicht ihm nicht: Galateo will „Alto Adige“ ins Logo zwingen

Dafür hat er die geplante Überarbeitung der Dachmarke vorerst gestoppt. Besonders brisant: Ausgerechnet jener Name soll zur Pflicht werden, der eng mit der faschistischen Italianisierungspolitik verbunden ist.
Galateo legt sich quer
Wie die Tageszeitung Alto Adige am Mittwoch berichtet, hat Galateo einen von IDM vorgelegten Entwurf zur Überarbeitung der Südtiroler Dachmarke blockiert. Eigentlich waren vor allem kleinere grafische Anpassungen, insbesondere bei den Farben, vorgesehen. Doch Galateo hat andere Vorstellungen: Er möchte, dass künftig beide Bezeichnungen, „Alto Adige“ und „Südtirol“, gemeinsam im Logo stehen.
Bislang können die beiden Sprachversionen getrennt verwendet werden. Doch Galateo stört, dass selbst auf dem italienischen Markt und international häufig mit „Südtirol“ geworben wird. Seine Begründung: Mit „Alto Adige“ könne man besser vom wirtschaftlichen Wert des „Made in Italy“ profitieren. Deshalb verlangt er zunächst eine Marktanalyse. Eine verpflichtende Umstellung ist noch nicht beschlossen.
Ausgerechnet dieser Name!
Dass ausgerechnet ein italienischer Landeshauptmannstellvertreter die erfolgreiche Marke Südtirol um den Namen „Alto Adige“ ergänzen will, weckt Erinnerungen an ein dunkles Kapitel unserer Geschichte.
Zwar stammt die Bezeichnung ursprünglich aus der Napoleonzeit. Doch es war der italienische Nationalist Ettore Tolomei, der sie gezielt für Südtirol propagierte. Unter dem Faschismus wurde „Alto Adige“ zum politischen Instrument einer Italianisierungspolitik, die den deutschen Charakter des Landes beseitigen sollte. Der Name Tirol sollte aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden, die deutsche Sprache aus Schulen und Ämtern verdrängt werden.
Und nun soll ausgerechnet diese historisch belastete Bezeichnung nach Galateos Vorstellungen zum verpflichtenden Bestandteil unserer Dachmarke werden? Einer Marke, die längst weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist und Südtirol international erfolgreich vermarktet? Man muss sich schon fragen, welches Problem Galateo hier eigentlich lösen möchte.
Seit 2004 ausdrücklich vorgesehen – jetzt plötzlich ein Problem?
Besonders pikant: Schon bei der Vorstellung der neuen Dachmarke im November 2004 erklärte die Landesregierung ausdrücklich, dass es den einzelnen Unternehmen überlassen bleibe, ob sie die deutsche oder die italienische Version verwenden wollen. Die getrennten Sprachversionen waren also von Anfang an Teil des Konzepts.
Und dabei blieb es. Erst im Dezember 2024 verabschiedete die Landesregierung auf Vorschlag Galateos Änderungen an den Regeln zur Markennutzung. Das dazugehörige offizielle Reglement spricht in Artikel 2 ausdrücklich vom Schriftzug „Alto Adige“ oder „Südtirol“.
Nicht einmal zwei Jahre später scheint dem Landeshauptmannstellvertreter diese Lösung nicht mehr zu genügen. Aus dem bisherigen „oder“ soll nach seinen Vorstellungen nun ein verpflichtendes „und“ werden.
Dabei ist die Dachmarke Südtirol längst eine Erfolgsgeschichte. Über zwei Jahrzehnte wurde sie aufgebaut, beworben und international bekannt gemacht. Gerade der deutsche Name vermittelt Eigenständigkeit, Tradition und jene alpine Identität, die Südtirol von anderen Urlaubsdestinationen unterscheidet.
Warum sollte man dieses Alleinstellungsmerkmal aufs Spiel setzen? Nur weil ein italienischer Politiker der Meinung ist, dass „Alto Adige“ stärker zur Geltung kommen müsse?
Galateo beteuert, es gehe ihm nicht um Ideologie, sondern ausschließlich um wirtschaftliche Überlegungen. Doch solange kein konkreter wirtschaftlicher Mehrwert nachgewiesen ist, drängt sich die Frage auf, ob hier tatsächlich das Marketing oder nicht vielmehr die nationale Namensfrage im Vordergrund steht.
Und was sagt eigentlich die SVP dazu?
Besonders gespannt darf man nun auf die Reaktion der Südtiroler Volkspartei sein. Werden Landeshauptmann Arno Kompatscher und Tourismuslandesrat Luis Walcher die bisherige Eigenständigkeit der Marke Südtirol verteidigen? Oder wird man dem italienischen Koalitionspartner auch in dieser Frage entgegenkommen?
Niemand verbietet Galateo, mit „Alto Adige“ zu werben. Diese Möglichkeit besteht längst. Doch weshalb sollte umgekehrt die Bezeichnung „Südtirol“ künftig nicht mehr allein stehen dürfen?
Südtirol hat sich seine Sprache und seine kulturelle Identität nicht von Rom schenken lassen. Gerade deshalb sollte man mit dem Namen unseres Landes nicht leichtfertig umgehen.
Die Südtiroler Dachmarke ist kein politisches Experimentierfeld und schon gar keine Spielwiese für nationale Befindlichkeiten. Wer „Alto Adige“ vermarkten möchte, soll das tun. Aber er soll gefälligst die Finger von der Marke Südtirol lassen!






