von wk 16.10.2026 06:54 Uhr

Welschtirols Lehrerprotest wird größer – Schüler stellen sich hinter ihre Lehrer

Mehr als 2.000 Lehrpersonen haben sich der Bewegung „Istruzione di Qualità Trentino“ angeschlossen. Ausflüge und zusätzliche Unterrichtsangebote werden ausgesetzt. In Südtirol geht der Protest ebenfalls weiter – dort gab es bereits eine Teileinigung, viele Forderungen sind aber noch offen.

Symbolbild: APA/THEMENBILD

Der Protest der Lehrpersonen in Welschtirol weitet sich aus. Die Bewegung „Istruzione di Qualità Trentino“ zählt nach wenigen Wochen mehr als 2.000 Mitglieder. Die Lehrpersonen wollen auf fehlende berufliche Anerkennung, aus ihrer Sicht zu niedrige Entlohnung, unbezahlte Mehrarbeit und die große Verantwortung bei Schulreisen aufmerksam machen. Deshalb setzen sie Ausflüge und außerschulische Angebote aus. Die Bewegung bezeichnet sich als unabhängig von Parteien und Gewerkschaften.

Schüler kündigen Kundgebung an

Auch Schüler des Liceo Da Vinci in Trient stellen sich hinter ihre Lehrer. Für kommenden Mittwoch kündigten sie eine Kundgebung vor der Schule an. Laut ihrer Mitteilung wollen sie sich ab 7.50 Uhr vor dem Eingang versammeln und bis zum Unterrichtsende draußen bleiben.

Die Schüler räumen ein, dass sie durch ausfallende Fahrten selbst betroffen sind. Sie halten die Forderungen der Lehrpersonen dennoch für berechtigt und wollen gemeinsam mit ihnen ein Zeichen setzen. Auch Schüler des Liceo Vittoria haben Unterstützung angekündigt. Die Schülervereinigung Aula sieht weitere mögliche Kundgebungen und steht nach eigenen Angaben mit den Gymnasien Prati, Scholl und Rosmini in Kontakt.

Museen spüren die Folgen

Die Protestmaßnahmen wirken sich bereits auf die außerschulischen Angebote aus: Museen melden Absagen von Schulaktivitäten. Auch das Mart in Rovereto äußert Besorgnis und will sich mit anderen Museumseinrichtungen in Welschtirol abstimmen.

Bildungslandesrätin Francesca Gerosa kritisiert den Ausfall der Ausflüge. „Boikott“-Maßnahmen, die zulasten der Schüler gingen, seien nicht der Weg, den sie einschlagen wolle. Ein ernsthafter Austausch müsse an den dafür vorgesehenen Stellen stattfinden, erklärte Gerosa.

Südtirol gab den Anstoß – der Protest geht weiter

Die Bewegung in Welschtirol orientiert sich ausdrücklich am Südtiroler Vorbild „Bildung am Abgrund“. Dort hatten Lehrpersonen im Schuljahr 2025/26 ebenfalls auf mehrtägige Schulfahrten und Ausflüge verzichtet. Im Frühjahr kam es zu einer Teileinigung zwischen Land und Gewerkschaften, die „Bildung am Abgrund“ als ersten Schritt, aber nicht als ausreichende Lösung bewertete.

Zum Start des laufenden Schuljahres 2026/27 empfiehlt die Südtiroler Initiative, die Maßnahmen in abgeschwächter Form fortzuführen: Mehrtägige Schulfahrten sollen weiterhin entfallen, pro Klasse soll es höchstens einen Ausflug geben. Als weiterhin ungelöste Punkte nennt die Gruppe unter anderem unterschiedliche Gehaltstabellen, Abfertigungsunterschiede zwischen Landes- und staatlichem Lehrpersonal sowie offene Fragen bei Zulagen und der Absicherung bei Ausflügen.

Damit ähneln sich die Proteste in beiden autonomen Ländern: Im Mittelpunkt stehen Anerkennung, Entlohnung und die zusätzliche Arbeit, die mit Ausflügen verbunden ist. Der politische Umgang unterscheidet sich bislang: In Südtirol wurde bereits eine Teileinigung erzielt, während Gerosa in Welschtirol den Protest öffentlich zurückweist und auf Gespräche in den zuständigen Gremien verweist.

Quellen: ANSA, 15. Oktober 2026 · il Dolomiti, 15. Oktober 2026 ·

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