Ausstehende Löhne am Bau: lvh fordert kleinere Aufträge

Arbeiter warten auf ihren Lohn – für den lvh ein Anlass zur Sorge und ein deutlicher Hinweis darauf, wie wichtig stabile und transparente Strukturen bei öffentlichen Bauvorhaben sind. Wer seine Arbeitsleistung erbringt, müsse den vereinbarten Lohn selbstverständlich fristgerecht erhalten, betont der Verband angesichts der aktuellen Berichte aus dem Bausektor.
Ein wesentlicher Ansatzpunkt liegt aus Sicht des lvh bereits bei der Ausschreibung: Öffentliche Auftraggeber sollten die bestehenden Möglichkeiten konsequent ausschöpfen, Bauleistungen in überschaubare Lose und einzelne Gewerke aufzuteilen.
Handwerksbetriebe sollen direkt zum Zug kommen
„Gerade bei größeren Bauvorhaben sollten ausschreibende Körperschaften verstärkt prüfen, welche Leistungen getrennt nach Gewerken und in mittelstandsfreundlichen Losen ausgeschrieben werden können. So erhalten spezialisierte Handwerksbetriebe die Chance, direkt an öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen, anstatt ausschließlich als nachgelagerte Auftragnehmer tätig zu werden“, betont lvh-Direktor Walter Pöhl.
Der Verband verbindet damit mehrere Ziele: mehr Wettbewerb, eine breitere Beteiligung qualifizierter Betriebe und eine stärkere regionale Wertschöpfung. Zugleich könnten Verantwortlichkeiten direkter zugeordnet und Vertragsketten überschaubarer gestaltet werden. Davon würden Betriebe, Beschäftigte und die gesamte regionale Wirtschaft profitieren.
Wer auf eine Aufteilung verzichtet, muss dies begründen
Die rechtlichen Möglichkeiten bestehen nach Angaben des lvh bereits. Der italienische Vergabekodex sieht ausdrücklich vor, Aufträge in funktionale, leistungsbezogene oder quantitative Lose zu unterteilen. Dadurch soll insbesondere Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen die wirksame Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen ermöglicht werden. Entscheidet sich eine Vergabestelle gegen die Aufteilung, muss sie dies begründen.
Auch im Südtiroler Vergaberecht ist die Unterteilung in Lose gezielt verankert. Sie soll Kleinst- und Kleinunternehmen sowie ortsnahen Betrieben den Zugang zu öffentlichen Aufträgen erleichtern.
Öffentliche Aufträge als wirtschaftspolitischer Hebel
Eine stärkere Losvergabe sollte laut lvh als Instrument für einen funktionierenden, mittelstandsfreundlichen Wettbewerb verstanden werden. Die vorhandenen Spielräume gelte es entsprechend zu nutzen.
„Öffentliche Aufträge sind auch ein wirtschaftspolitisches Steuerungsinstrument. Die vorhandenen Spielräume sollten deshalb konsequent genutzt werden, damit Qualität, Verlässlichkeit und faire Rahmenbedingungen am Bau gestärkt werden“, so Pöhl.






