von Alexander Wurzer 03.10.2026 18:44 Uhr

Kaufkraft unter Druck: Löhne rücken in Südtirol stärker in den Mittelpunkt

Reicht das Einkommen noch aus, um in Südtirol gut leben zu können? Mit dieser Frage hat sich die Soziale Mitte der SVP bei einem neuerlichen Treffen mit Gewerkschaften und Sozialverbänden beschäftigt. Im Zentrum standen die Lohnentwicklung, die Kaufkraft und mögliche Maßnahmen gegen den zunehmenden finanziellen Druck auf Arbeitnehmer und Familien.

Gabi Morandell (Soziale Mitte der SVP )

Auf Einladung der Vorsitzenden Gabi Morandell kamen die Vertreter der Sozialpartner in Bozen zusammen. Es war bereits der zweite gemeinsame Austausch nach einem ersten Treffen im Juni. Dabei wurde deutlich, dass die Kaufkraftfrage längst weit über einzelne Gehaltsverhandlungen hinausgeht. Steigende Lebenshaltungskosten, soziale Unterstützungsleistungen und die Belastung von Familien und Haushalten wurden ebenso thematisiert wie die Frage, wie Einkommen künftig besser mit der Preisentwicklung Schritt halten können.

Inflationsausgleich soll regelmäßiger werden

Landesrätin Magdalena Amhof berichtete zunächst über die Entwicklung der Gehälter im öffentlichen Dienst. Eine wesentliche Neuerung soll ab 2027 greifen: Die Gehälter sollen jährlich auf Grundlage der programmierten Inflation angepasst werden. Damit soll verhindert werden, dass Beschäftigte erst nach mehreren Jahren einen Ausgleich für zwischenzeitlich gestiegene Preise erhalten.

Morandell sieht darin ein Modell, das auch für die Privatwirtschaft Signalwirkung entfalten könnte. „Wenn es mit dieser Maßnahme gelingt, einen Anreiz zu schaffen, die Gehälter auch in der Privatwirtschaft regelmäßig an die Preisentwicklung anzupassen, ist das ein wichtiger Schritt“, erklärte sie.

Damit rückt eine Frage in den Vordergrund, die Arbeitnehmer unmittelbar betrifft: Wie kann verhindert werden, dass steigende Preise einen immer größeren Teil der Lohnentwicklung wieder aufzehren? Morandell formulierte den Anspruch klar: „Wer in Südtirol arbeitet, muss von seinem Einkommen auch gut leben können.“

Nicht nur die Löhne entscheiden

Neben der direkten Lohnentwicklung wurden auch soziale Unterstützungsmaßnahmen besprochen. Soziallandesrätin Rosmarie Pamer verwies unter anderem auf die Unterstützung für ältere Menschen mit geringem Einkommen. Rund 3.000 Senioren nahmen die Leistung im vergangenen Jahr in Anspruch. Die Erfahrungen aus der ersten Anwendung sollen nun genutzt werden, um die Maßnahme gezielter weiterzuentwickeln.

Der Austausch zeigte damit auch, dass die Kaufkraft nicht ausschließlich über höhere Einkommen beeinflusst wird. Entlastungen für Haushalte und Familien, soziale Leistungen und eine regelmäßige Anpassung der Gehälter an die Preisentwicklung können nach Ansicht der Teilnehmer zusammenspielen.

Kaufkraft bleibt zentrale Baustelle

Eine einfache Lösung zeichnet sich dabei nicht ab. Gerade deshalb soll der Dialog zwischen der Sozialen Mitte, Gewerkschaften und Sozialverbänden fortgesetzt werden. Nach dem Auftakttreffen im Juni soll der Austausch künftig regelmäßig stattfinden.

„Es gibt nicht die eine Maßnahme, mit der sich die Kaufkraftfrage lösen lässt“, erklärte Morandell abschließend. Entscheidend sei deshalb, unterschiedliche Stellschrauben gemeinsam zu betrachten und konkrete Verbesserungen schrittweise umzusetzen.

Fest steht jedenfalls: Die Frage, wie viel vom eigenen Einkommen am Ende tatsächlich zum Leben bleibt, dürfte die politische und gewerkschaftliche Debatte in Südtirol weiterhin beschäftigen.

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